Vier Glocken hängen oben im Langenburger Kirchturm, zwei große aus den 1950er-Jahren und zwei kleinere aus dem 16. Jahrhundert. An Neujahr werden sie noch läuten. Vielleicht auch noch am 6. Januar. Doch dann ist erst einmal Schluss. Die Glocken werden abgeschaltet. „Dann wird es still in der Stadt“, sagt der Langenburger Pfarrer Ulrich Hermann. „Langenburg wird sich anders anhören.“

Wobei dieses viele noch nicht realisiert haben: Die Hälfte des Geläuts steht bereits jetzt still. Denn oben im Glockenturm steht es nicht zum Besten: In den 1950er-Jahren wurde der alte, eichene Glockenstuhl entfernt. Er wurde dem Geist der Zeit entsprechend durch einen modernen, schicken, stählernen ersetzt – was damals keine Seltenheit war.

Doch im Laufe der Zeit zeigte sich, dass Stahl nicht in einen Glockenstuhl passt. Holz ist doch das beste Material für die Glocken. Es ist flexibel, schwingt sacht mit, lässt die Glocken natürlich schwingen und schont sie so. Anders ausgedrückt: Ein Glockenstuhl aus Stahl schadet den Glocken.

Der Sachverständige erschrak

Als nun im Sommer der Stundenschlag der großen Glocke nicht mehr ordentlich klang, kletterte ein Glockensachverständiger die steile Leiter in den engen Glockenturm hoch – und erschrak: Die Aufhängung der 1000-Kilo-schweren Kreuzglocke aus den 1950er-Jahren war angerissen. Eine weitere Prüfung zeigte, dass sich der Klöppel einer anderen Glocke gelockert hatte. Gefahr war im Verzug. Die beiden Glocken stehen seither still.

Nun muss der Glockenstuhl komplett saniert werden, „denn sonst greift das harte Gestühl auch die beiden anderen Glocken an“, meint Hermann. Doch Glück im Unglück: Den Langenburgern eröffnet sich damit eine historische Chance. Denn bei ihnen gibt es etwas, das in anderen Kirchen fehlt: das originale Geläut. Es hat sich erhalten, aller Kriegswirren, Abtransporte zum Einschmelzen und Glockenfriedhöfe zum Trotz.

„Etwas ganz Besonderes“

Die vier alten Glocken schlagen derzeit zwar nicht gemeinsam. Aber sie sind noch – oder, wie im Fall der abtransportierten Glocken – wieder da. Immerhin. Zwei hängen oben im Kirchturm. Eine dritte wurde nach dem Krieg nach Bächlingen verkauft. Sie steht derzeit in einer Scheuer in Nesselbach. Und die vierte schlägt im Bettenturm des Langenburger Schlosses. Sie wurde dem Fürstenhaus nach dem großen Schlossbrand geschenkt.

Fürst Philipp habe wohl seine Bereitschaft signalisiert, die Glocke gegen eine andere auszutauschen, meint Pfarrer Hermann. „Und mit den Bächlingern stehen wir im Gespräch.“ Das originale Geläut wieder läuten zu lassen, „das wäre etwas ganz Besonderes“.

Doch mehr noch: Wenn die Glockenstube neu gebaut ist, können dort zukünftig sogar die sechs Langenburger Glocken hängen – die vier alten und die beiden neuen aus den 1950er-Jahren. „Wir haben das von Fachleuten der Materialprüfungsanstalt in Karlsruhe prüfen lassen. Der Turm würde es aushalten“, sagt Hermann.

80 000 bis 90 000 Euro

Doch ein neuer Glockenstuhl kostet. Die Langenburger Kirchengemeinde muss in einen teuren Apfel beißen: Wenn im Frühjahr der stählerne Glockenturm wieder durch einen aus Holz ersetzt ist, wenn die Glocken also wieder schlagen, wird das etwa 80 000 bis 90 000 Euro gekostet haben.

In Langenburg läuft nun eine Spendenaktion an. „Gerade gab es zum Beispiel 1000 Euro, die bei einem Geburtstag gesammelt wurden“, sagt Hermann, „das ist ein toller Anfang.“ Auch ein Benefizkonzert ist geplant.

Benefizkonzert und Spendenkonto


Beim Benefizkonzert am Samstag, 6. Januar, spielen Prof. Claude Rippas, Zürich (Trompeten und Flügelhorn), und Kirchenmusikdirektor Friedrich Fröschle, Ulm (Orgel), Werke unter anderem von Händel, Bach und Mozart. Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr.
Wer für den neuen Glockenstuhl spenden will: Dies ist das Spendenkonto: Evangelische Kirchengemeinde Langenburg, IBAN DE65 6225 0030 0002 6005 87, Sparkasse Schwäbisch Hall, Stichwort „Glockenstuhl“. uts