Ellwangen/Kirchberg a. d. Jagst Angler nach Jagstkatastrophe entschädigt

Am 22. August 2015 ist in Lobenhausen bei Kirchberg eine Mühle abgebrannt. Mit dem Löschwasser ist Düngemittel in die Jagst geflossen – die Fische sind erstickt.
Am 22. August 2015 ist in Lobenhausen bei Kirchberg eine Mühle abgebrannt. Mit dem Löschwasser ist Düngemittel in die Jagst geflossen – die Fische sind erstickt. © Foto: Harald Zigan (Archiv)
Ellwangen/Kirchberg a. d. Jagst / Jens Sitarek 13.02.2018
Mühlenbetreiber und Stadt Kirchberg zahlen 230.000 Euro Schadenersatz an Angelvereine, Fischereiberechtigte und Fischereiverpächter. Damit ist zumindest ein Rechtsstreit beigelegt.

In der vergangenen Woche erging folgender Beschluss des Landgerichtes Ellwangen, der mit dem Mühlenbrand von Lobenhausen am 22. August 2015 und dessen Folgen zu tun hat: „Der Rechtsstreit wurde nun durch einen gerichtlichen Vergleich beigelegt. Der Eigentümer des ehemaligen Mühlengeländes zahlt an die Fischereiberechtigten 200.000 Euro, die Stadt Kirchberg weitere 30.000 Euro.“

Hintergrund: 22 Angelvereine, Fischereiberechtigte und Fischverpächter hatten vor mehr als einem Jahr auf Schadenersatz geklagt. Nach dem großen Fisch­sterben in der Jagst durch kontaminiertes Löschwasser forderten sie 660.000 Euro. Der reine Fischschaden lag bei rund 450.000 Euro. Die Stadt Kirchberg trat dem Streit als Träger der Feuerwehr bei, deren Kommandant leitete den Einsatz.

Jetzt fließen insgesamt 230.000 Euro Schadenersatz. „Wir sind nicht hochzufrieden, aber wir können damit leben – vor dem Hintergrund, dass die unsägliche Geschichte doch ein Ende findet“, sagt Achim Thoma, der Vorsitzende des Angelsportvereins (ASV) Jagst Langenburg. Sein Verein machte damals 120.000 Euro geltend.

Wer am Ende wie viel Geld bekommt, entscheidet dem Vernehmen nach ein Verteilungsschlüssel, auf den sich die 22 Kläger bereits verständigten. Dieser berücksichtigt jeweils sowohl den Fischschaden als auch den Personaleinsatz. Vereine mit dem größten Fischschaden werden bevorzugt.

Keine hungrigen Hechte

Neben dem ASV hat der Fischerei­verein Kirchberg am meisten ­unter der Jagstkatastrophe gelitten. Der Schaden 230.000 Euro. Rund die Hälfte der 21 Tonnen toter Fische fiel in dessen Einzugsgebiet an. Als Vorstandsmitglied Bruno Fischer gestern am Telefon vom Gerichtsbeschluss erfährt, zeigt er sich „zufrieden“. Zufrieden, dass der Vergleich ein Ende hat.

Aber auf der anderen Seite verhehlt Fischer nicht, dass er sich ein anderes Ergebnis gewünscht hätte: „Besser als nichts, aber nicht so toll“, so formuliert er es. Da sich die Vergleichsverhandlungen schon länger hinziehen und zuletzt die Schadenersatzsum­me von 230.000 Euro im Raum stand, weiß Fischer in etwa, mit welchem Betrag der Fischereiverein Kirchberg rechnen kann: 80.000 Euro. Zusammen mit den 15.000 Euro, die auf dem vereinseigenen Spendenkonto eingingen, macht das 95.000 Euro.

„Schon gut, dass das abgeschlossen ist und nicht bis in die letzte Instanz ging“, so klingt das bei Markus Hannemann, dem Sprecher der Fischhegegemeinschaft Jagst, ihr gehören viele Kläger an. Aber auch er hätte sich mehr erhofft, das gibt er zu. Hannemann warnt jetzt davor, für 230.000 Euro Fische in die Jagst zu schmeißen. Und deswegen kommt von den Petrijüngern auch keiner auf die Idee, hungrige Hechte einzusetzen. Stattdessen brauche es eine Strategie, und wenn es nach Hannemann geht, gerne unter Federführung der Fischereiforschungsstelle Langenargen.

Was ist mit den 2,6 Millionen?

 „Mit dem Beschluss ist gegen den Beklagten alles abgegolten“, betont Ursula Grimm-Hanke, Pressereferentin für Zivilsachen beim Landgericht Ellwangen, auf Nachfrage unserer Zeitung. An den Kosten des Verfahrens beteiligen sich alle Parteien nach einem nicht näher genannten Schlüssel.

Der nun beigelegte Rechtsstreit ist allerdings nicht der einzige in Sachen Jagstkatastrophe. Die Staatsanwaltschaft Ellwangen ermittelt gegen einen damals 21-Jährigen wegen des Verdachts der fahrlässigen Brandstiftung. Zudem laufen gegen den Mühlenbetreiber Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Gewässerverunreinigung sowie Bodenverunreinigung.

Nicht ausgeschlossen auch, dass es zu einem weiteren Zivilverfahren kommt. Da sind noch die Rechnungen in Höhe von 2,6 Millionen Euro, die die Landkreise Schwäbisch Hall und Heilbronn sowie der Hohenlohekreis für ihren Rettungseinsatz an der Jagst beim Land eingereicht haben. Derzeit laufen außergerichtliche Vergleichsverhandlungen unter Beteiligung der Versicherung des Mühlenbetreibers. Deren Anwalt wollte schon bei einem Gerichtstermin im vergangenen Jahr „nicht ausschließen, dass man sich irgendwann beteiligt“. Denn so würde die Versicherung wohl einem Rechtsstreit mit dem Mühlenbetreiber aus dem Weg gehen.