Kirchberg „Da stehen absurde Sachen drin“

Kirchberg / Sebastian Unbehauen 24.10.2018
Auch Kirchberg plädiert in Sachen 110-kV-Leitung von Kupferzell nach Rot am See für ein Erdkabel – aber lange nicht so geschlossen wie erwartet.

Der Energiekonzern ENBW plant den Bau einer Hochspannungsleitung von Kupferzell nach Rot am See. Das Raumordnungsverfahren ist eröffnet, betroffene Kommunen können Stellungnahmen zu dem Vorhaben abgeben. Die Bürgermeister haben einen gemeinsamen Text erarbeitet und fordern darin ein Erdkabel statt einer Freileitung.

Zuvor muss freilich sichergestellt werden, dass die jeweiligen Gemeinderäte mit der Stellungnahme einverstanden sind. Reine Formsache? Nicht in Kirchberg: Nachdem Hauptamtsleiterin Almuth Bantzhaff am Montagabend in Gaggstatt den Text verlesen hatte, meldete sich Stadtrat Gerhard Borchers zu Wort. Ein gemeinsames Vorgehen sei zwar „grundsätzlich richtig“, sagte er, aber: „Da stehen absurde Sachen drin.“ Borchers störte sich vor allem an einem Abatz, in dem es heißt, schmale Schneisen im Wald, die bei der Verlegung des Erdkabels entstehen, förderten die Artenvielfalt.

Borchers stimmt Fürst zu

„Wenn man Windkraftanlagen im Wald baut, ist eine Sechs-Meter-­Schneise der Untergang der Menschheit, aber eine Viereinhalb-Meter-Schneise fördert die Vielfalt? Entschuldigung, so einen Mist unterschreibe ich nicht!“, so Borchers, der der Hohenlohe Wind eG vorsteht. Er stimme dem Langenburger Fürsten Philipp zu. Der hatte kürzlich ebenfalls gegen die Stellungnahme gestimmt, auf den Klimawandel verwiesen und die Doppelmoral „in unserer dicken, fetten Wohlstandsgesellschaft“ kritisiert.

Der Kirchberger Bürgermeister Stefan Ohr war sichtlich überrascht, dass er über die Stellungnahme abstimmen lassen musste – und nach dem Ergebnis schaute er geradezu konsterniert in den Raum: Fünf Stadträte stimmten für den Text, Borchers dagegen, zehn enthielten sich. Damit wird die Stellungnahme zwar abgegeben, aber nicht mit letzter Überzeugung.

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