Umwelt „Bei Blei zuckt man zusammen“

Der Boden, um den es geht, fiel zwischen der Anschlussstelle Dinkelsbühl/Fichtenau und der Buchbachtalbrücke an.
Der Boden, um den es geht, fiel zwischen der Anschlussstelle Dinkelsbühl/Fichtenau und der Buchbachtalbrücke an. © Foto: Jens Sitarek
Kreßberg/Fichtenau / Jens Sitarek 21.07.2018

Ein Landwirt aus der Gemeinde Kreßberg beantragte eine baurechtliche und naturschutzrechtliche Genehmigung für die Auffüllung einer Wiese. Diese liegt an einer Gemeindeverbindungsstraße direkt an der bayerischen Landesgrenze, gegenüber ein sogenanntes FFH-Gebiet, das nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurde und dem Schutz von Pflanzen, Tieren und Lebensraumtypen dient. Es hätte alles so einfach sein können, war es aber nicht.

Gegen eine Auffüllung ist eigentlich nichts einzuwenden. Die Baufirma wäre rund 14 000 Tonnen Erdaushub losgeworden, die bei der Sanierung der A 7 zwischen der Anschlussstelle Dinkelsbühl/Fichtenau und der Buchbachtalbrücke anfielen. Zudem hätten die Lkw der Firma nicht weit fahren müssen, was sich positiv auf die Kosten ausgewirkt hätte. Und der Landwirt? Wäre bei der ganzen Geschichte zwar nicht reich geworden, hätte sich aber ganz elegant einer Senke in seiner Wiese entledigen können. Doch die Senke ist noch da. Das Genehmigungsverfahren für die Auffüllung ruht, hieß es gestern auf Nachfrage dieser Zeitung beim Landratsamt Schwäbisch Hall.

150 Milligramm pro Kilogramm

Der Kreßberger Gemeinderat erteilte bereits in der April-Sitzung sein Einvernehmen zur Bauge­nehmigung. Bezüglich der naturschutzrechtlichen Genehmigung  wurde das Landratsamt aufgefordert, die Grenzwerte für den einzubauenden Erdaushub durch entsprechende Kontrollen sicherzustellen.

Was war passiert? Bei einer Probe des Erdaushubs, der übrigens aus dem Mittelstreifen stammt, wurde ein Bleigehalt von 150 Milligramm pro Kilogramm festgestellt. In der „Verwaltungsvorschrift des Umweltministeriums für die Verwertung von als Abfall eingestuftem Bodenmaterial“ gilt Erde mit einem solchen Bleigehalt nicht mehr als unbelastet.

Die Gemeinde stellte daraufhin „weitere Nachfragen“ an, wie es in der Sitzungsvorlage heißt. Der Sohn des Landwirtes, der den Betrieb weiterführen will, formulierte es in dieser Woche am Telefon so: „Bei Blei zuckt man zusammen. Da will ich die Werte wissen.“

Aber woher kommt das Blei? „Zu den Besonderheiten straßennaher Böden gehören kontinuierlicher Schadstoffeintrag durch luftgetragene Deposition und diskontinuierlicher Eintrag durch Straßenabfluss und Spritzwasser“, schreibt das Regierungspräsidium Stuttgart auf Nachfrage, und: „Zum überwiegenden Teil stammen diese Stoffe vom Abrieb verschiedener Komponenten im System Fahrzeug-Straße, das heißt von Reifen-, Bremsbelag-, Kupplungs- und Fahrbahnabrieb. Ein großer Anteil davon wird mit dem Straßenabflusswasser und als Staubniederschlag in den Straßenseitenraum transportiert. Dabei handelt es sich vor allem um Schwermetalle.“

„Gibt Hintergrundbelastungen“

Hinsichtlich des Parameters Blei könne noch gesagt werden, so das RP weiter, „dass es auch geogene Hintergrundbelastungen gibt. Das heißt: Selbst in unbelasteten Bodenproben ist Blei nachweisbar.“ Das entnommene Material werde der Verwertung des Auftragnehmers zugeführt. Das RP habe „somit keine weiteren Kenntnisse darüber, wo das Material weiterverwertet oder entsorgt wird“.

Laut Informationen unserer Zeitung soll nicht so viel angefallen sein wie gedacht, also keine 14 000 Tonnen. Aber dafür landete wohl belastetes Zeug in einer Deponie. Zudem will das RP scheinbar doch mehr wissen, in der nächsten Woche soll es einen Vor-Ort-Termin geben.

„Die erste Überlegung war, dieser Auffüllung nicht zuzustimmen“, sagte Kreßbergs Bürgermeister Robert Fischer in der April-Sitzung des Gemeinderates. Dann fügte er folgenden Satz hinzu: „Meine ursprünglichen Bedenken sind einigermaßen ausgeräumt.“ Dies habe damit zu tun, dass der einzubauende Erdaushub in einem sehr engmaschigen Raster untersucht werde, so Fischer. So könnten Grenzwertüberschreitungen nahezu ausgeschlossen werden.

Kein Transport durch Gemeinde

Immerhin muss sich jetzt niemand im Kreßberger Rathaus Gedanken über die zweite Thematik machen: Der Erdaushub wäre nämlich über die gemeindlichen Straßen und Wege zu seinem Bestimmungsort transportiert worden und hätte sie sicherlich in Mitleidenschaft gezogen. Die Baufirma bot an, vorhandene Schäden zu erfassen und neu entstandene zu sanieren. Obwohl der Gemeinderat die Verwaltung damals beauftragte, traf sie bisher keine Vereinbarung mit der Firma über eine Sondernutzung.

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