Integrationsmanager in Kreßberg „Arbeit ist ganz wichtig für die Integration“

Immer erreichbar und immer ansprechbar: Manuel Kruttschnitt.
Immer erreichbar und immer ansprechbar: Manuel Kruttschnitt. © Foto: Jens Sitarek
Kreßberg / Jens Sitarek 05.10.2018
Integrationsmanager Manuel Kruttschnitt berichtet über seine Erfahrungen mit Flüchtlingen. Er ist zuständig für Kreßberg, Fichtenau und Stimpfach.

Zweimal pro Woche bietet Manuel Kruttschnitt Sprechzeiten im Rathaus in Waldtann an. „Manchmal gibt es Schlangen“, sagt er, und „manchmal kommt kaum einer.“ Kruttschnitt, 33, arbeitet als Integrationsmanager. Er ist nicht nur für die Gemeinde Kreßberg zuständig, sondern auch für Fichtenau und Stimpfach, derzeit kommt noch vertretungsweise Frankenhardt dazu. In der September-Sitzung des Kreßberger Gemeinderates stellte er sich und seine Arbeit vor.

Kruttschnitt ist Ansprechpartner für Flüchtlinge, die nach dem 1. Januar 2014 nach Deutschland kamen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie anerkannt sind oder nicht oder ob das Asylverfahren noch läuft. In Kreßberg kümmert sich Kruttschnitt um 35 Personen, dabei hat er hauptsächlich im Hauptort Waldtann zu tun. Abseits der festen Sprechzeiten macht er viele Hausbesuche. „Ich bin immer erreichbar“, sagt Kruttschnitt. Aber: „Was ich nicht mache, ist Begleitung.“ Also beispielsweise jemand mit dem Auto zum Arzt bringen.

„Was wollen Sie erreichen?“

Anfang des Jahres trat Kruttschnitt die Stelle beim Landratsamt Schwäbisch Hall an, im Rahmen einer Personalleihe wird er den Gemeinden überlassen. Davor betreute er Flüchtlinge in der vorläufigen Unterbringung. In Crailsheim kennt man ihn noch aus der Friedrich-Heyking-Straße oder aus der Notunterkunft in Altenmünster.

Was macht ein Integrations­manager? Kruttschnitt erstellt zum Beispiel einen Integrationsplan. Das sei wie ein Hilfeplan beim Jugendamt, sagt er. Dabei geht es um die Frage: „Was wollen Sie erreichen?“ Gemeinsam mit den Flüchtlingen legt er Ziele fest, die in einem bestimmten Zeitraum erreicht werden sollen. Das können Tage, Wochen, Monate oder auch Jahre sein. Die Ziele werden fortlaufend kontrolliert. Die Mitarbeit ist freiwillig, durch Unterschriften bekommt das Ganze aber einen offiziellen Charakter.

Und wie klappt es mit der Verständigung? Kruttschnitt kann „ein bisschen Spanisch“, wie er sagt, doch damit kommt er nicht weit, denn „die Hauptsprachen sind Englisch und Deutsch“. Seine Erfahrung ist die: „Einer aus der Familie kann Deutsch, die Kinder lernen es ganz schnell.“ Ansonsten hilft die Übersetzung per Smartphone.

Schlechte Busanbindung

„Arbeit ist ein ganz wichtiger Punkt für die Integration“, betont Kruttschnitt. „Man lernt Deutsche kennen, die Sprache und seinen Lebensunterhalt zu finanzieren.“ Neben Arbeit und Sprache zählen Kindergarten und Schule sowie gesellschaftliche Teilhabe wie Vereinsleben und Elternabende zu den Hauptthemen – und natürlich eine eigene Wohnung. Eine zu finden, sei „ganz schwierig in allen Gemeinden“, sagt Kruttschnitt. „Es gibt keine Wohnung auf dem Markt, das ist nicht nur in Kreßberg so.“

Probleme bereitet vielen die schlechte Busanbindung. Das zeige sich beim Weg zum Kindergarten oder Kinderarzt, so Kruttschnitt. „Meistens dauert es zwei, drei Stunden, bis man zurückfahren kann.“ In Kreßberg ginge das noch. „In Fichtenau ist es deutlich schlimmer“, dort seien die Flüchtlinge „viel auf Ehrenamtliche und Autos angewiesen“.

Austausch mit Ehrenamtlichen

„Haben Sie Kontakt mit Ehrenamtlichen?“, fragt ihn Kreßbergs Bürgermeister Robert Fischer in der Gemeinderatssitzung. „Das kommt auf die Ehrenamtlichen an“, sagt Kruttschnitt, „ich bin immer ansprechbar.“ Es kämen schon mal welche in seine Sprechstunde. Der Austausch mit den Ehrenamtlichen in Kreßberg sei am Anfang intensiv gewesen, dann sei der Kontakt abgeflacht. Warum? „Es läuft einfach“, sagt Kruttschnitt.

„Wie äußern sich die Familien über Kreßberg?“, will Gemeinderat Ulrich Bayer wissen. „Es ist schon so, dass am Anfang viele sagen: Ich will wieder weg. Ich kann hier nicht so gut leben wie in der Stadt“, betont Kruttschnitt. Das gebe es in Kreßberg, in Fichtenau und in Stimpfach. „Die großen Städte, da fällt Crailsheim auch drunter, sind beliebt.“

Drei Tage vor Ort und sonst am Telefon

Die Sprechzeiten von Manuel Kruttschnitt werden immer im Rathaus der entsprechenden Gemeinde angeboten. In Kreßberg sind sie montags von 14 bis 15.30 Uhr sowie donnerstags vom 9 bis 10.30 Uhr, in Stimpfach dienstags von 14 bis 15.30 Uhr sowie
in Fichtenau donnerstags von 14 bis 15.30 Uhr. Außerhalb dieser festen Zeiten ist der Integrationsmanager
unter folgender Handynummer zu
erreichen: 01 51 / 23 43 97 27. js

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