Stimpfach „Alte Gitarren sind die Besten“

Stimpfach / Luca Schmidt 05.06.2018
Wenn es um Gitarren geht, ist Pero Ban aus Rechenberg der passende Ansprechpartner. Egal ob Bau, Reparatur, Verkauf oder Unterricht: Bei ihm ist man an der richtigen Adresse.

Ein Gitarrenladen in einem Dorf mit rund 350 Einwohnern, wo doch viele Instrumentenläden in den vergangenen Jahren schließen mussten? Eigentlich völlig abwegig. Doch tatsächlich geht das: Pero Ban verkauft seit gut 20 Jahren in Rechenberg Instrumente, repariert sie und baut selbst welche. Sein Erfolgsrezept? „Hier fühlen sich die Kunden wohl, können in aller Ruhe eine Gitarre ausprobieren. Das ist fast wie im Urlaub.“

Angestellte kann er sich nicht leisten, dafür wirft das Geschäft zu wenig ab. „Der Verkauf läuft nicht mehr wie früher“, erklärt er. In Stuttgart habe es früher 15 Musikgeschäfte gegeben, heute seien es nur noch zwei. Das ist ein Musikgeschäft auf rund 315.000 Einwohner. In Rechenberg ist es eines auf 350 Einwohner.

Gitarre spielen vor Onlineauftritt

Online ist sein Laden auch nicht zu finden: „Dazu fehlt mir die Zeit. Manchmal muss ich auch einfach nur Gitarre spielen“, sagt Ban. „Ich bin kein großer Kapitalist, gehe es ruhig an und genieße das Leben.“

Der Großteil seiner Kundschaft komme aus der Region, aus rund 25 Kilometern Entfernung. „Das läuft meist über Mundpropaganda. Es gibt aber auch viele Überraschungsgäste.“ So kommen auch Bands und es gibt spontane Jamsessions in seinem Verkaufsraum.

Er selbst schwört auf ältere Gitarren. „Das Holz lagerte jahrelang und die Instrumente waren eher noch individuell.“ Er selbst hat beispielsweise schon eine Gitarre aus Mahagoni und Vogelaugenahorn gefertigt. Einen Monat dauere es, bis ein Instrument fertig ist. Im Verkauf kostet eine solche Gitarre zwischen 3000 und 4000 Euro. „Aber die Jungen kaufen sich heute lieber billige Gitarren.“

Doch wie ist der Kroate in den Teilort von Stimpfach gekommen? „Mich hat die Liebe nach Rechenberg verschlagen“, sagt Ban. Er sei früher für Konzerte in den Großstädten Deutschlands unterwegs gewesen. „Vor ungefähr 30 Jahren habe ich meine Frau in der Stuttgarter Schleyer-­Halle bei einem AC/DC -Konzert kennengelernt“, sagt er. Er ist aber nicht nur Fan, sondern spielt auch selbst. „Ich war früher in einer Band, jetzt fehlt mir die Zeit.“

Fünf Jahre hat er mit seiner Frau in Stuttgart gelebt, dann seien sie zu ihren Eltern nach Rechenberg gezogen. „Anfangs habe ich mich nach einem Laden in Crailsheim oder Ellwangen umgeschaut. Das war aber zu teuer.“ Also eröffnete er in Rechenberg sein Geschäft – im Haus seiner Frau.

Dabei hat er die Liebe zur Musik und zu Saiteninstrumenten schon früh entdeckt. „Als ich ein Kind war, haben mein Bruder und ich auf unserem Dachboden eine Mandoline mit einer rostigen Saite entdeckt“, sagt Ban. Um das Instrument zu bespannen, haben er und sein Bruder Pferdeschwanzhaare benutzt – die sie zuvor einem Tier ausgezogen hatten. „Das hat funktioniert.“ Später kaufte sich sein Bruder eine Gitarre. „Die durfte ich nicht einmal anfassen. Deshalb spielte ich immer heimlich, wenn er in der Schule war.“

Mit 14 Jahren spielte Pero Ban in der Schulband. „Das war Glück. Wir spielten jedes Wochenende, so ging es dann los.“ Ohne die Band wäre die Gefahr groß gewesen, dass er vielleicht irgendwann aufgehört hätte.

Nach der Schule begann er zu studieren: Jura. „Ich wollte immer Richter sein.“ Abgeschlossen hat er das Studium nicht, die Musik war wichtiger. „Ich habe viel gespielt, bin in Kroatien aufgetreten und habe nur von der Musik gelebt.“ In Kroatien spielen überall Bands“, sagt Pero Ban, „auch heute noch.“

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