Seit Ende Oktober muss das Wasser im Wasserturm Kammerstatt (Gemeinde Bühlerzell, Landkreis Schwäbisch Hall) mit Chlor desinfiziert werden, weil damals zu viele coliforme Keime im Auslauf des Turms gefunden wurden. Diese Bakterien kommen in Fäkalien vor. Sie sind nicht alle gesundheitsgefährdend, weisen aber auf andere, potenziell gefährliche Bakterien im Trinkwasser hin. Die Frage ist: Woher kommen die Keime und wie lässt sich verhindern, dass sie weiterhin ins Trinkwasser gelangen?

In Verdacht steht mit Keimen belastetes Fremdwasser. 98 Gebäude und Flächen haben die Mitarbeiter der Gemeinde in den letzten Monaten begutachtet. „Wir haben in den betroffenen Ortsteilen Kammerstatt, Holenstein und Spatzenhof alle Wasseranschlüsse überprüft, besonders solche von Heizungsanlagen, von bestehenden Quellen, Brunnen oder Zisternen, die mit dem Trinkwassernetz in Verbindung stehen könnten. Wir haben die Bürger aufgeklärt, dass solche Leitungen strikt vom Trinkwassernetz getrennt sein müssen“, schildert Bühlerzells Bürgermeister Thomas Botschek.

Leitungen werden stillgelegt

Außerdem wurden Stichleitungen, an deren Ende kein Abnehmer mehr ist, stillgelegt. In solchen Totleitungen kann Wasser mit Bakterien stehen und das Trinkwasser verschmutzen. Die Leitungen werden mit einem vorhandenen Schieber geschlossen. Vier Leitungen wurden so „abgeschiebert“, wie die Fachleute dazu sagen. Sechs weitere wurden komplett abgetrennt und versiegelt.

Diese Leitungen zu finden ist nicht einfach. Pläne gibt es nur teilweise. „Wir mussten dazu auch die Bürger befragen“, so Botschek. Sie seien alle sehr kooperativ gewesen, betont er. Die Abtrennung der Leitungen waren Vorsichtsmaßnahmen. In zwei Gebäude seien sie nicht hineingekommen. „Wir können nicht völlig ausschließen, dass wir eine kritische Leitung übersehen haben. Wir sind da auf die Mithilfe der Bürger angewiesen“, betont Botschek.

Unklar ist, wie lange das Wasser gechlort werden muss

Die jüngsten Proben stammen vom Zu- und Ablauf des Wasserturms Kammerstatt, aus den Ortsteilen bei Endverbrauchern sowie aus den Brunnen Ochsenwald und Schönbronner Holz. „Die zuletzt gewonnenen Wasserproben unter Desinfektion vom 8. April 2019 entsprachen alle den Bestimmungen der Trinkwasserverordnung“, so das Landratsamt. Da das Wasser aber immer noch gechlort wird, war das zu erwarten.

Wie lange das Wasser noch gechlort werden muss, ist unklar, denn „die bisher ergriffenen Maßnahmen haben noch nicht zum erforderlichen Erfolg geführt“, schreibt Annika Wieland vom Landratsamt.

Wasser von Hand gechlort – Nicht an Feiertagen

Die Chlorwerte würden engmaschig überwacht und auf das erforderliche Mindestmaß reduziert. Laut Sitzungsvorlage der Gemeinderatssitzung vom 25. März liegt der Chlorwert im Ortsnetz bei 0,10 Milligramm pro Liter, also weit unter dem Grenzwert von 0,3 Milligramm pro Liter. „Die (Chlor-)Werte bewegen sich durchgängig im Zielbereich einer erfolgreichen und gesundheitlich unbedenklichen Desinfektion“, schreibt die Leiterin des Gesundheitsamts, Pascale Welisch, dazu.

Das Desinfektionsmittel setzen die Mitarbeiter per Hand zu, weshalb über die Osterfeiertage nicht gechlort wurde. „Der Chlorgehalt im Wasser bleibt aber trotzdem in ausreichendem Maß erhalten, weil der Wasservorrat groß ist und sich das Chlor nicht so schnell auswäscht“, stellt Botschek fest. Eine erneute Verkeimung sei deshalb nicht zu befürchten, auch wenn die Chlorung ein, zwei Tage aussetzt.

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Wasserturm soll saniert werden


Unabhängig von der Verkeimungsproblematik, wie Bürgermeister Thomas Botschek betont, plane die Gemeinde zusammen mit dem Crailsheimer Wasserversorger NOW und dem Landratsamt die Sanierung des Wasserturms Kammerstatt. Die Fassade des Turms habe Risse im Putz, weshalb eventuell eine Verschalung, ähnlich wie beim Wasserturm in Ilshofen, ansteht. Unter anderem müsste auch die Dachfläche ausgebessert und Fenster abgedichtet werden. Die Wasserkammer selber sei nicht dringend sanierungsbedürftig. „Die Röhre und Leitungen in der Kammer werden wir mittelfristig angehen“, sagt Botschek. Die Wasserkammer ist hermetisch von der Außenwelt getrennt und von einer zweiten Wand umschlossen. siba