OB-Wahlkampf OB-Wahl in Ellwangen: Kein klarer Favorit unter den Kandidaten

Der Amtsinhaber führt die drei Kandidaten für den Oberbürgermeistersessel durch die gut gefüllte Rundsporthalle zum Podium (von rechts): Karl Hilsenbek, Sabine Heidrich, Matthias Renschler und Michael Dambacher.

Gerhard Königer
Die drei Bewerber, darunter der Bühlertanner Bürgermeister Michael Dambacher, geben bei der Kandidatenvorstellung in der Ellwanger Rundsporthalle ein gutes Bild ab. Von Gerhard Königer

Es war der wohl wichtigste Auftritt im Wahlkampf um den OB-Sessel im Ellwanger Rathaus: rund 1500 Interessierte kamen am Freitagabend in die Rundsporthalle. Busse brachten die Bürger aus den Teilorten kostenlos in die Stadt und danach auch wieder nach Hause.

Das Procedere an diesem Abend war sehr genau festgelegt, damit auch jeder der drei Kandidaten die gleiche Redezeit hat. 15 Minuten Statement plus 15 Minuten Antworten auf Fragen der Bürger. Die waren vor Beginn schriftlich abzugeben. Die Zettel wurden dann blind aus einer Schachtel gefischt. So wollte man überlange Stellungnahmen aus dem Auditorium verhindern. Es wurde ein Abend, aus dem keiner der Kandidaten als klarer Sieger hervorging. Alle lasen vorbereitete Stellungnahmen vom Blatt und blieben auch in ihren Antworten auf die Fragen der Bürger bei den Positionen, die sie schon beim Kandidatenabend im „Roten Ochsen“ vorgebracht hatten.

Dambacher will das „Ruder herumreißen“ – nach LEA-Polizeiseinsätzen

Michael Dambacher, 39 Jahre alt, Bürgermeister von Bühlertann, gab als Erster seine Bewerbung ab und durfte zuerst an das Mikrofon. Er spielte auf ein negatives Image an, das die Stadt nach den Polizeieinsätzen in der LEA und durch Geschäftsschließungen in der Innenstadt habe. „Wir schaffen es, das Ruder herumzureißen“, sagte er und versprach, sich für eine Hochschule einzusetzen. Er stehe für einen neuen, frischen Politikstil und würde in der Verwaltung einen Ehrenamtskoordinator installieren. Wirtschaftsförderung und Citymanagement würden in einer neuen Stabsstelle zusammengeführt.

Falls Bühlertanns Bürgermeister nach Ellwangen wechselt, wäre wohl Neuwahl im September. Dambacher:  Werde im Fall der Wahl das Rathaus geordnet übergeben.

Auf die Frage, wie er konkret die Innenstadt beleben wolle, meinte er: „Wir brauchen ein Gesamtkonzept und wir brauchen einen Frequenzbringer, für den man am Bahnhof Flächen schaffen könnte.“

Sabine Heidrich, die 47-jährige Bürgermeisterin von Neuler, sprach sich dafür aus, die Stadtbuslinien auszuweiten, um die Ortsteile besser an die Stadt anzubinden. Kinderbetreuung, bezahlbarer Wohnraum insbesondere für Senioren und die Sicherung des Klinikstandorts seien ihr wichtig. Die Überplanung der Konversionsfläche habe für sie Vorrang, die Bebauung des LEA-Areals nach 2022. Sie hob auf ihre Parteiunabhängigkeit ab, dank der sie frei agieren könne.

Am Montag endete die Bewerbungsfrist für die Wahl des Ellwanger Oberbürgermeisters.

Nach der Ausweisung von Gewerbeflächen gefragt, sprach sie sich am ehesten für einen neuen Standort am Truppenübungsplatz aus. Neue Flächen seien unbedingt notwendig, weil die Gewerbesteuer für die Stadt von größter Bedeutung sei. Auf die Frage, was Ellwangen fehle um zukunftsfähig zu werden oder zu bleiben, meinte sie: „Der Mut zur Veränderung, die Ermunterung, vorwärts zu gehen.“

Matthias Renschler, der 50-jährige Rechtsanwalt aus Walldorf, sah sich wie einen Handwerksgesellen nach langer Wanderschaft in seine Heimatstadt zurückkommen. Auch er will auf einen Ehrenamtskoordinator setzen, um die Interessen der Vereine zu vertreten und ihnen Arbeit abzunehmen. Er plädierte für ein neues Konzept, um Handel, Gewerbe und Tourismus zu verbinden. Im Hinblick auf die Landesgartenschau gelte es vor allem die Gestaltung von Bahnhofs- und BAG-Areal auszuloten, Tourismus anzukurbeln und bei allen Planungen auf die Finanzierbarkeit zu achten.

Versprechen umgesetzt?

Alle Kandidaten hatten auch mit kritischen Fragen zu tun: Dambacher sollte ausführen, ob er alle seine Versprechen in Bühlertann umgesetzt habe. Hier wurde auf die Umgestaltung im Ortskern angespielt, wo ein Bushalt geplant ist. Die Planungen in Verbindung mit einem Ärztehaus seien mittlerweile aber so weit gediehen, dass sein Nachfolger sie nur noch umzusetzen brauche, sagte er.

Sabine Heidrich wurde, in Anlehnung an die kurze Amtszeit in Neuler gefragt, ob sie 2021 als OB in Aalen antrete. „Ich will weder Bundeskanzlerin noch Ministerpräsidentin werden, zu Aalen habe ich keinen Bezug“, meinte sie.

Matthias Renschler musste kurz überlegen, bevor er antworten konnte, wie er eine CO2-Reduzierung in der Stadt umsetzen wolle. Radwegekonzept, energetische Gebäudesanierung und eine Beratungsstelle schaffen, lautete seine Antwort.

Das könnte dich auch interessieren:

Am 26. Mai finden in Baden-Württemberg die Kommunalwahlen 2019 statt. Wo liegen die Unterschiede zwischen Gemeinden und Landkreisen?

Augenzeugen berichten über mehrere Beobachtungen im Raum Ruppertshofen und Eschach.