„Clever wickeln wird belohnt“ lautet der Slogan in Tübingen. Wer dort im Landkreis wohnt, einen Antrag an den Abfallwirtschaftsbetrieb stellt und einen Kassenbeleg über den Kauf von Mehrwegwindeln sowie eine Kopie der Geburtsurkunde beifügt, der bekommt seit 2000 einen Zuschuss von 30 Euro für Mehrwegwindeln. Argumente lauten: Mehrweg- seien den Einwegwindeln beim Umweltschutz überlegen, genauso einfach zu handhaben und schützten die Gesundheit des Kindes. 2018 wurden 3750 Euro zugeschossen. Diesem Beispiel will die Haller Kreisverwaltung folgen, auch weil eine Bürgerin darauf aufmerksam machte. Fest stehe, dass Wegwerfwindeln viel Müll machten und die Kreise Anreize zur Vermeidung geben sollten.

„Enorme Vermeidung“

„Als Idee, um Abfall zu vermeiden, finde ich das gut. Aber der bürokratische Aufwand ist viel zu hoch“, kritisiert Annette Sawade im Umwelt- und Technikausschuss. Die SPD-Kreisrätin schlägt vor, jeder frischen Mutter einfach ein Mehrwegwindelpaket zu schenken. „Das nutzt aber nicht jede, wodurch nur noch mehr Müll entstünde“, sagt Landrat Gerhard Bauer und die Diskussion kommt in Gang. Was ist besser? Bürger reichen einen Antrag ein und erhalten 30 Euro Zuschuss oder der Kreis schafft Mehrwegwindeln an und verteilt sie in Krankenhäusern, bei Hebammen? „Zu kompliziert, wenn wir sonst keine Probleme haben, dann fällt uns so etwas ein“, kommentiert Kreisrat Kurt Wackler (Freie) den Vorschlag der Verwaltung. Wenn jemand das Angebot nutzen möchte, dann nehme er ein Paket im Krankenhaus mit.

„Die Nutzung von Mehrwegwindeln bewirkt enorme Vermeidung“, ergänzt der vierfache Vater Daniel Kießecker (ÖDP). Er schätzt, dass durch Mehrwegwindeln in seiner Familie bislang Müll im zweistelligen Tonnenbereich vermieden wurde. Ute Zoll spricht sich dafür aus, dass nur die Bürger gefördert werden, die Mehrwegwindeln auch nutzen. Die CDU-Kreisrätin unterstützt deshalb den Vorschlag der Verwaltung, für den letztlich doch alle Mitglieder stimmen.

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