Wer in ein paar Jahren von Richtung Autobahn nach Kirchberg fährt, dem wird sich ein gänzlich anderes Bild als heute bieten – denn hier, südlich der Altstadt, wird einiges verändert. Dafür verantwortlich: Das Wohnbaugebiet „Im Stück“, für das in der jüngsten Gemeinderatssitzung die Satzung beschlossen wurde und das Sanierungsgebiet Linden- und Eschenstraße. Für Letzteres fasste das Kirchberger Kommunalparlament den Aufstellungsbeschluss und das Stuttgarter Architekturbüro Baldauf wurde mit der Ausarbeitung eines Bebauungsplans beauftragt.

Rewe-Filiale soll im November 2020 öffnen

Außerdem wurde der Auslegungsbeschluss für das „Sondergebiet Einzelhandel Im Stück“ gefasst – also den neuen Rewe-Markt, der bis November des kommenden Jahres gebaut werden soll und momentan im Zeitplan liegt.

Das Baugebiet „Im Stück“ sei schon lange ein Thema, sagte Jens Fuhrmann vom Kreisplanungsamt in Schwäbisch Hall, der die Stellungnahmen zum Bebauungsplanentwurf vorstellte und die Fragen der Stadträte beantwortete. Viel Kritik an dem Plan gab es aber nicht.

Dafür fragte Stadtrat Florian Stickel (UWV) nach, ob es nicht möglich sei, große Schotterflächen und Steingärten auf den Grundstücken der neuen Bewohner zu verbieten – aus Umweltgründen. Die Anregung hierfür habe er vom Nabu Kirchberg erhalten.

Bürgermeister Ohr: Gärten sollen naturnah gestaltet werden

Fuhrmann schlug vor, Maßnahmen zum Schutz der Natur mit in das Vertragswerk mit den Bauherren aufzunehmen. Bürgermeister Stefan Ohr formulierte es so: Die künftigen Gärten sollten naturnah eingerichtet werden.

Stellungnahmen gab es auch zum Bebauungsplan des neuen Rewe-Marktes. Die Stadt Ilshofen sorgt sich, dass ihre Bewohner künftig nicht mehr in den eigenen Märkten kaufen, sondern bis nach Kirchberg fahren. Dem stehe allerdings ein Gutachten gegenüber, so Bürgermeister Ohr, das diese Bedenken entkräften kann.

Bedenken des Regierungspräsidiums lassen sich nicht ausräumen

Darüber hinaus merkte das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) an, dass der Bau des neuen Marktes den Blick auf die Silhouette der Altstadt beeinträchtigen wird. Diese Bedenken völlig auszuräumen sei kaum möglich, so Fuhrmann, denn der geplante Standort lasse sich nicht verändern, eine Alternative gebe es nicht. Eine erste Fotomontage vom künftigen Markt (siehe Foto) zeigt, dass der Blick auf die Altstadt tatsächlich etwas beeinträchtigt wird. Das letzte Wort hat in diesem Fall der Gemeinderat. Der fasste einstimmig den Beschluss zur Auslegung.

Übrigens: Privatpersonen hatten keine Bedenken gegen den neuen Rewe-Markt geäußert, und das sei schon etwas Besonderes für Kirchberg, so Stadtrat Gerhard Borchers (Aktive Bürger).

Einige Neuerungen beim Sanierungsgebiet geplant

Beim Sanierungsgebiet Linden-/Eschenstraße gibt es ebenfalls einige Neuerungen. So wird das Gebiet in Zukunft Lindenquartier heißen und das Adler-Areal in der Poststraße wird in das Verfahren einbezogen – hier müssen Gebäude teilweise abgerissen werden. Zur Haller Straße hin, am Kirchberger Ortseingang, bekommt das Lindenquartier einen Kreisverkehr – als Verbindung mit dem Baugebiet „Im Stück.“ Ob man diesen nicht etwas versetzen könne, wurde in einer Stellungnahme gefragt. Mit einem Durchmesser von 26 Metern sei der Kreisverkehr aber bereits so klein wie möglich geplant, so Bürgermeister Ohr. Er sei vom Ingenieursbüro auf den Zentimeter genau ausgemessen.

Der städtebauliche Entwurf des Lindenquartiers wurde von Architektin Vivien Rößler vom Stuttgarter Architekturbüro Baldauf vorgestellt. Dieses hatte sich mit seinem Entwurf zuvor in einem Ideenwettbewerb gegen andere Konzepte durchgesetzt.

So soll das Lindenquartier aussehen:

Bildergalerie Ein modernes Wohnquartier für Kirchberg

Laut Entwurf soll an der Haller Straße der bereits genannte Kreisel und ein markanter Stadteingang gebaut werden. Dort, wo sich noch der Edeka-Markt befindet, entsteht laut Plan ein „Generationen-Platz“ und ein Mehrgenerationengebäude.

Ruhige Wohngegend geplant

Dahinter, in Richtung Wohngebiet Kreuzstein, werden Wohngebäude gebaut, entweder Ketten- oder Doppelhäuser. Diese sind nur über Sackgassen erreichbar, sodass es hier keinen Durchgangsverkehr gibt. Die Lindenstraße soll relativ schmal werden, damit Autos langsamer fahren müssen. Insgesamt 70 Wohneinheiten sollen in den geplanten Einfamilien-, Doppel- und Mehrfamilienhäusern entstehen.

„Ich bin ganz begeistert, wir können schon richtig was vorzeigen“, sagt Ohr zu dem Konzept. Ihn überzeugt daran, dass die Umgebungsbebauung gut aufgenommen wurde und dass die Baumaßnahmen in Etappen umgesetzt werden können. So könne auch gebaut werden, wenn sich nicht alle Flächen im Besitz der Stadt befinden. „Der Entwurf ist ein guter Kompromiss zwischen Stadtgestaltung und Wohnen.“

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