Eine ganz andere Welt tut sich auf, findet Inge Baumgärtner, wenn ernsthaft, aber mit einem Lächeln, manchmal verbissen, aber grundsätzlich fröhlich, jedenfalls voller Energie und Leidenschaft Ballett getanzt wird. „Es gibt so viel Grausames da draußen“, sagt sie. Im Spiegelsaal des Württemberger Hofes in Kirchberg, wo die Schüler des Tanzzentrums Hohenlohe üben, ist das weit weg. Weltflucht? Ein bisschen vielleicht, aber auch das glatte Gegenteil – schließlich sind das Überwinden von Hindernissen beim Ballett, das Dranbleiben und das Sich-Konzentrieren gleichzeitig Elemente einer Lebensschule, Rüstzeuggeber für den Alltag.

Im „Ochsen“ geboren

Ach, mit Baumgärtner, der Vorsitzenden des Vereins Tanzzentrum Hohenlohe, könnte man wahrscheinlich stundenlang über den Zauber künstlerischen Tanzes philosophieren. Nicht zuletzt, weil das Ballett auch ihr Leben verändert hat. Vor 25 Jahren war’s, als acht Kinder gerne und auf hohem Niveau in die Welt des Balletts eintauchen wollten. Ihre Eltern setzten sich kurzerhand im „Ochsen“ im Kirchberger Tal zusammen und gründeten den Förderkreis künstlerischer Tanz, der später zum Tanzzentrum wurde. „Wir wollten einfach, dass unsere Kinder die gleichen Möglichkeiten haben wie die Kinder in der Stadt“, sagt Baumgärtner. „Das haben wir erreicht. Die Arbeit hier ist hochwertig und wir gucken, dass sie hochwertig bleibt.“ Will heißen: Sie wenden ihre Freizeit auf, um für eine heute wie gestern hohe Unterrichtsqualität zu sorgen.

Die Eltern von damals haben sich selbst voll und ganz auf das Thema eingelassen, haben sich eingehend mit dem künstlerischen Tanz beschäftigt, auch in der Theorie und beim Besuch von Vorführungen. Sie haben über die Jahre ein Netzwerk geknüpft, über das sie immer wieder Profis aus dem Ballettbereich nach Hohenlohe locken. Lehrerinnen reisten tageweise aus dem Allgäu, aus Stuttgart, aus München an, um hier zu unterrichten. Sieben ehemalige Kirchberger Schüler haben professionelle Karrieren in den Bereichen Tanz und Choreografie eingeschlagen.

Marianne Sudermann war Baumgärtners Vorgängerin als Vereinsvorsitzende. Sie ist stolz auf das, was in den vergangenen 25 Jahren erreicht wurde. Dazu zählt zum Beispiel auch, dass das Tanzzentrum im Württemberger Hof untergekommen ist. „Ohne uns würde es dieses Gebäude nicht mehr geben“, sagt sie. „Wir haben darum gekämpft wie die Löwinnen.“ Dass der Verein dafür jeden Monat 1000 Euro Kaltmiete an die Stadt berappen muss, versteht Sudermann nicht als Zeichen großer Wertschätzung. „Man sollte stolz darauf sein, was es hier gibt“, sagt Baumgärtner.

Ein Schatz, dessen Wert sich bis heute vor allem am Kernbereich des klassischen Tanzes für den Nachwuchs zeigt, denn 150 der rund 200 aktiven Tanzschüler sind Ballett-Kinder. Aber es funkelt mittlerweile auch an anderer Stelle: Kurse in den Bereichen Step, Funky, Modern, Line Dance und orientalischer Tanz sowie Ballett für Erwachsene werden angeboten, dazu gibt’s Fitnesskurse, von Pilates über Bokwa, Bosu und Bodyfit bis hin zur Arthroseprävention. In die verschiedenen Angebote können Interessierte am Samstag, 19. Januar, zwischen 14 und 17 Uhr hineinschnuppern (siehe Info).

„Wir sind kein Fitnessstudio“, betont Baumgärtner. Es gibt also keine Geräte, sondern „nur“ Kurse. „Dieses Standbein haben wir uns aufgebaut, um uns besser zu finanzieren“, so die Vorsitzende. Denn der Aufwand ist groß – auch wenn die Vereinsmitglieder alles ehrenamtlich stemmen. Sie tun’s aus Leidenschaft, damit Kirchberg ein Städtchen mit Großstadtangebot bleiben kann.

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Fitnesstag am Samstag, 19. Januar, um 14 Uhr


Alle Interessierten sind zum Fitnesstag im Tanzzentrum eingeladen. Es gibt Vorträge über Gesundheitsprodukte, eine Tombola, gesundes Fingerfood und eine Spielecke für Kinder. Die Schnupper-Fitnessangebote mit fachkundigen Trainern richten sich an Teenager und Erwachsene. Folgendes kann kostenlos probiert werden: Stepptanz (American und Irish) um 14 Uhr, Ballett für Erwachsene um 14.20 Uhr, orientalischer Tanz um 14.40 Uhr, Line Dance um 15 Uhr, Funky Dance um 15.20 Uhr, Bothmer-Gymnastik um 15.40 Uhr, Arthrose-Prävention um 16 Uhr, Bosu um 16.20 Uhr und Bokwa um 16.40 Uhr.