Fichtenau Radweg: 1,4 Kilometer politischer Wille

„Schön, dass wir den jetzt haben“: Der Radweg ist 1460 Meter lang. Von Matzenbach aus verläuft er auf der rechten Straßenseite. Baubeginn für den ersten Abschnitt soll im August sein.
„Schön, dass wir den jetzt haben“: Der Radweg ist 1460 Meter lang. Von Matzenbach aus verläuft er auf der rechten Straßenseite. Baubeginn für den ersten Abschnitt soll im August sein. © Foto: Jens Sitarek
Fichtenau / Jens Sitarek 16.05.2018
Der Fichtenauer Rat hat den Bau des Radweges von Wildenstein nach Matzenbach beschlossen, obwohl dieser viel teurer wird als erwartet. Warum aus 250.000 Euro plötzlich 460.000 Euro werden.

Wo ein politischer Wille ist, ist auch ein Weg – beziehungsweise ein Radweg, müsste man in Fichtenau hinzufügen. Anders lässt sich der Tagesordnungspunkt 5 in der Gemeinderatssitzung am Montag wohl nicht zusammenfassen.

Konkret geht es um den Bau- und Ausschreibungsbeschluss für den Radweg von Wildenstein nach Matzenbach entlang der L 1070. „Es ist politischer Wille der Gemeinde Fichtenau, den Radweg zu haben“, betont Gerald Ilg. Der stellvertretende Bürgermeister leitet die Sitzung, weil Bürgermeisterin Anja Wagemann krankheitsbedingt fehlt. Über die Kosten brauche man nicht zu diskutieren, sagt Ilg noch.

Auch Gemeinderat Peter Trampert will „nicht mehr groß rummachen. Schön, dass wir den jetzt haben“, sagt er. Trampert scheint irgendwie vielen aus der Seele zu sprechen, denn sonst meldet sich keiner mehr zu Wort. Und so gehen bei der Frage von Ilg, wer den Beschluss so fassen könne, alle Hände nach oben.

Eine veraltete Kostenschätzung

460.000 Euro soll der Radweg, sollen die 1460 Meter zwischen Wildenstein und Matzenbach insgesamt kosten. „Gegenüber der letzten Kostenschätzung vom Januar 2017 kommt es zu einer Kostenmehrung von 160.000 Euro“, so steht es in der Sitzungsvorlage. Um den erneuten Anstieg zu erklären, ist Manuela Bergdolt vom Planungsbüro Stadtlandingenieure aus Ellwangen in die Sitzung gekommen.

Aber wer weiß schon, ob die 460.000 Euro am Ende wirklich reichen? Bei Manuela Bergdolt steht deshalb „vorläufig gesamt“ vor der Zahl. Es wäre ja nicht die erste Kostenschätzung, auf die man sich stützt, um dann festzustellen, dass das Ganze doch teurer wird.

Die Kostenschätzung vom Regierungspräsidium Stuttgart ging einst von 250.000 Euro aus, sie stammt allerdings aus dem Jahr 2009. Und trotzdem wurde diese Summe auch 2017 immer noch genannt, wenn es um den Radweg ging.

Die 250.000 Euro mussten auch für die Vereinbarung herhalten, die die Gemeinde traf. Sie sieht so aus: Die Hälfte der Gesamtkosten trägt das Land, zudem zahlt es eine Ablöse von 75.000 Euro plus 10.000 Euro, macht summa summarum 210.000 Euro. Dafür kümmert sich Fichtenau um die Unterhaltung. Wenn jetzt von 460.000 Euro Gesamtkosten die Rede ist, ist es nachvollziehbar, dass die Gemeinde nachverhandeln will, wie Ilg andeutet.

Im Juli 2019 soll alles fertig sein

Die veraltete Kostenschätzung ist lediglich ein Grund, warum es viel teurer wird: Der Radweg wird auch breiter – 2,50 statt 2,25 Meter –, weil sich in der Zwischenzeit die Richtlinie änderte, und der Asphalt wird dicker (11 statt 10 Zentimeter).

Hinzu kommen Kosten für Straßenbeleuchtung, für den Gehweg zum Supermarkt, den es früher noch nicht gab, für Verkehrssicherung, für Erdaushub und Bodenlieferung, für Entwässerung, für Angleichen von Wirtschaftswegen, für Markierungen und Beschilderungen sowie für eine Querungsstelle.

Der Radweg verläuft Richtung Wildenstein auf der rechten Straßenseite, er orientiert sich an der Topografie. Baubeginn für den ersten Abschnitt soll von August bis November sein, der zweite Abschnitt soll dann von Februar bis Juli 2019 folgen.

„Finanzielle Auswirkungen“, so steht es unter der Sitzungsvorlage zum Bau- und Ausschreibungsbeschluss für den Radweg, darunter die Eckdaten: „Kosten in Höhe von 460.000 Euro, Erstattung durch das Land BW: 210.000 Euro, Haushalt 2018: 115.000 Euro“. Und: „Im Haushalt 2019 sollen 125.000 Euro eingeplant werden.“ Gemeinderat Dieter Schenk rechnet nach. „Da fehlen noch 10.000 Euro“, sagt er.

Schenk hat recht. Aber auf 10.000 Euro kommt es jetzt auch nicht mehr an.

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