Blaufelden 15.000 Körner sind ein Gramm

Ernst Rieger (links) erläutert Andre Baumann (Zweiter von links) die Produktion der Wildblumensamen. Mit im Bild sind (von links): der Landtagsabgeordnete Arnulf von Eyb, Hubert Wiedemann, der Leiter des Bau- und Umweltamts im Landratsamt Schwäbisch Hall, und Juniorchef Johannes Rieger.
Ernst Rieger (links) erläutert Andre Baumann (Zweiter von links) die Produktion der Wildblumensamen. Mit im Bild sind (von links): der Landtagsabgeordnete Arnulf von Eyb, Hubert Wiedemann, der Leiter des Bau- und Umweltamts im Landratsamt Schwäbisch Hall, und Juniorchef Johannes Rieger. © Foto: Erwin Zoll
Blaufelden / Erwin Zoll 18.08.2018
Um die Erhaltung der Artenvielfalt ist es bei einem Besuch des baden-württembergischen Umwelt-Staatssekretärs André Baumann bei der Rieger-Hofmann GmbH in Blaufelden gegangen.

Die Samen der Wiesenglockenblume, die der Botaniker Campanula patula nennt, sind so klein, dass sich eine Handvoll von ihnen anfühlt, als wäre es Staub. 15.000 Samenkörner dieser Wildblumenart wiegen gerade einmal ein Gramm.

Die Samen der Wiesenglockenblume in reinster Form zu gewinnen, ist aufwendig und das Ergebnis ist dementsprechend teuer: Für 950 Euro bietet die Rieger-Hofmann GmbH im Blaufeldener Teilort Raboldshausen ein Kilogramm an.

Das 1983 gegründete Unternehmen hat sich auf die Vermehrung von gebietstypischem Saatgut von Wildgräsern, Wildblumen und Leguminosen spezialisiert. Wie Geschäftsführer Ernst Rieger, seine Familie und 40 Mitarbeiter dabei vorgehen, davon hat sich gestern Dr. Andre Baumann (Grüne) überzeugt, der Staatssekretär im baden-württembergischen Umweltministerium. In Begleitung des Landtagsabgeordneten Arnulf von Eyb (CDU) und von Hubert Wiedemann, dem Leiter des Umweltamts im Landratsamt Schwäbisch Hall, besichtigte der 45-jährige Diplom-Biologe die Gewächshäuser und Felder, die Reinigungs- und Sortieranlagen sowie die Lagerhallen.

„Ich finde es sehr beeindruckend, wie Sie sich engagieren, um gebietstypisches Saatgut in Deutschland voranzubringen“, sagte Baumann zu Geschäftsführer Ernst Rieger. Dessen Firma bezieht Samen wild wachsender Pflanzen von 60 Standorten in ganz Deutschland und reinigt sie, bevor sie im Ursprungsgebiet wieder ausgesät und damit vermehrt werden. Dazu kommen Samen, die Rieger auf 60 seiner 80 Hektar Land gewinnt.

Im Grunde genommen mache die Rieger-Hofmann GmbH nichts anderes, als was in der Landwirtschaft seit Jahrhunderten gang und gäbe sei, bemerkte Baumann. Denn wenn Landwirte die Samen aus dem eigenen Heu verwendeten, entwickle sich ein artenreiches, an den Standort angepasstes Saatgut – „regionales Genmaterial“, wie es Baumann formulierte.

Über 450 Arten von Samen verfügt die Rieger-Hofmann GmbH. Sie werden zu 80 verschiedenen Mischungen von Saatgut für die unterschiedlichsten Anwendungszwecke zusammengestellt. Zum Beispiel gibt es eine spezielle Mischung für Feuchtwiesen, die 40 verschiedene Samen enthält. Daneben stellt das Unternehmen Sondermischungen für bestimmte Standorte zusammen.

Kommunen und Kreis als Kunden

Zu den Abnehmern gehören Kommunen, Landkreise und Länder. Verwendet werden die Mischungen unter anderem im Straßen- und Bahnstreckenbau oder bei der Flurneuordnung, überall da, wo Grünstreifen neben Straßen, Wegen und Strecken eingesät werden müssen. Dafür schreibt das Bundesnaturschutzgesetz die Verwendung heimischer Arten vor. Allerdings bemängelt Ernst Rieger, dass in der Praxis nicht kontrolliert werde, was an den neuen Straßen tatsächlich ausgesät werde. Bei Ausschreibungen unterliege er deshalb oft Mitbewerbern.

Andre Baumann griff dieses Problem mit dem Hinweis auf, sein Ministerium habe einen neuen Mustertext für die Ausschreibungen entworfen.

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