Sonnenbühl/Lichtenstein / swp  Uhr

Das Landratsamt Reutlingen hat gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Sigmaringen vom 14. Februar 2019 über die denkmalschutzrechtliche Zulässigkeit von Windenergieanlagen beim Schloss Lichtenstein die Zulassung der Berufung beantragt.

Das Verwaltungsgericht Sigmaringen geht in den Anfang Juni 2019 veröffentlichten Urteilsgründen im Gegensatz zu Landratsamt, Regierungspräsidium Tübingen und dem Landesamt für Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Stuttgart davon aus, dass die fünf Windenergieanlagen nicht zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Denkmalschutzes des Schloss Lichtensteins führen. Das Verwaltungsgericht Sigmaringen hat weiterhin hinsichtlich der Erheblichkeit der Beeinträchtigung des Kulturdenkmals auf eine gewandelte Einstellung des Durchschnittsbetrachters gegenüber der Windenergie abgehoben. „Nach unserer Auffassung führen die Errichtung und der Betrieb von fünf Windenergieanlagen an dieser Stelle zu einer erheblichen und dauerhaften Beeinträchtigung des Umgebungsschutzes des eingetragenen Kulturdenkmals Schloss Lichtenstein“, erklärt Landrat Thomas Reumann.

Wichtige Perspektiven

Wesentliche Grundlage für diese Beurteilung sei die künstlerische Konzeption des Architekten Carl Alexander Heideloff gewesen, der die wichtigen Perspektiven auf das Schloss definiert hat.

„Die Frage der Vereinbarkeit von Windenergieanlagen mit dem Denkmalschutz ist von grundsätzlicher Bedeutung. Es handelt sich hier um eine Fragestellung, die weit über das Schloss Lichtenstein hinausgeht. Uns ist deshalb eine obergerichtliche Entscheidung durch den Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg wichtig. Wir erwarten klare Kriterien für den Denkmalschutz. Dies sei auch im Hinblick auf die Planungssicherheit von Investoren von großer Bedeutung“, so Reumann weiter.

Hintergrund des Verwaltungsrechtsstreits ist das seit 2012 in Planung befindliche Vorhaben der Firma SOWITEC, in der Gemeinde Sonnenbühl einen Windpark mit fünf Windkraftanlagen zu errichten. Im November 2016 hatte das Landratsamt Reutlingen den Antrag auf Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb des Windparks aufgrund von Denkmalschutzbedenken abgelehnt. Mit Widerspruchsbescheid vom Mai 2017 bestätigte das Regierungspräsidium Tübingen die Ablehnung des Antrags. Gegen diese Bescheide klagte SOWITEC vor dem Verwaltungsgericht Sigmaringen. Das Verwaltungsgericht Sigmaringen entschied mit Urteil vom 14.02.2019, der Klage teilweise stattzugeben und die ablehnenden Bescheide des Landratsamtes Reutlingen und des Regierungspräsidiums Tübingen aufzuheben. Dagegen wendet sich nun der Antrag des Landratsamts Reutlingen auf Zulassung der Berufung. swp