Segelfliegen Segelflugzeug auf dem Dachboden

Hülben / Alexander Thomys 10.01.2018

Eine gute Gemeinschaft kann manchmal Berge versetzen. Oder gleich ein Segelflugzeug im Dachboden landen. Was auf den ersten Blick unrealistisch wirkt, hat Jana Kostritza von der Fliegergruppe Hülben geschafft: Im Reihenhaus ihrer Eltern renoviert die 16-Jährige ihr eigenes Segelflugzeug. Flügel, Rumpf und Ruder passen gerade so hinein – hinter der Familie Kostritza und den Helfern der Fliegergruppe steht eine Millimeterarbeit in luftiger Höhe.

Apropos Höhe: Bei der Fliegergruppe Hülben galt Jana Kostritza seit jeher als sprichwörtliche Überfliegerin: Schon eine Woche nach ihrem 14. Geburtstag durfte die Gymnasiastin ihren ersten Alleinflug absolvieren – wenn sie bis dato auch stets in Sichtweite des Flugplatzes bleiben muss. „Die Platznähe ist aber ein dehnbarer Begriff“, erzählt die heute 16-Jährige schmunzelnd. Ein solcher Alleinflug dauert dann auch mal zwei Stunden. „Je höher man kommt, desto weiter sieht man“, erklärt die Teenagerin, die derzeit für die theoretische Prüfung büffelt – diese kann sie erst jetzt mit 16 ablegen. Eine Außenlandung indes, wenn der Segelflieger mangels Auftrieb nicht zurück zum Flugplatz kommt und auf freiem Feld landen muss, hat Kostritza noch nie durchführen müssen.

Das Fliegen begeistert die 16-Jährige, auch in psychologischer Hinsicht. „Fliegen macht glücklich“, ist die Owenerin überzeugt. „Man hat Abstand zu allem, ist für sich und hat den Kopf frei“, berichtet die junge Segelflugzeugpilotin. „Und natürlich muss man sich ganz auf das Fliegen konzentrieren und bei der Sache sein.“ 187 Starts etwas über 40 Flugstunden stehen bis dato in ihrem Fliegerbuch. Bis dato nutzt sie hierfür vor allem die Segelflugzeuge der Hülbener Fliegergruppe. Auch die LS4, das „Hochleistungs-Segelflugzeug“, wie es die Fliegergruppe nennt, darf die 16-Jährige bereits steuern.

Traum vom eigenen Flugzeug

Doch ein Traum blieb: Und zwar derjenige vom eigenen Segel­flugzeug. Und zwar nicht irgendeines. Eine „Schleicher K8“ hatte sich die 16-Jährige ausgeguckt. Kein modernes Hightech-Flugzeug, sondern einen bewährten Segel­flieger, 180 Kilogramm schwer, bestehend aus einer Stahl- und Holzkonstruktion, bespannt mit Spezialstoff. „Die K8 ist leicht und steigt gut“, nennt Jana Kostritza zwei Vorteile des bewährten Segelfliegers, der zwischen 1957 und 1976 rund 1200 mal produziert worden ist. Ein Exemplar wurde bereits als „bewegliches technisches Kulturgut“ unter Denkmalschutz gestellt.

Über Bekanntschaften unter den Segelfliegern bekam die 16-Jährige dann im vergangenen Jahr die Gelegenheit, eine K8 kostenlos zu erhalten.

Das Flugzeug zu bekommen, war dann aber doch der einfache Teil. Zunächst stellte sich die Frage: Wohin mit dem sieben Meter langen Rumpf und den Flügeln, die es auf eine Spannweite von 15 Metern bringen. Schnell war die Idee geboren, den Dachboden als Flugzeughangar zu verwenden. In einem Reihenhaus. „Wir waren schon ein bisschen geflasht“, erinnert sich Mutter Martina Kostritza. „Es ging dann aber doch besser, als gedacht.“ Zuerst aber musste noch das Dachfenster ausgebaut werden – durch das bisherige Fenster hätte der Rumpf nicht gepasst. Als dann das Flugzeug angeliefert wurde, hielten alle die Luft an. Denn Wind kam auf, die leichten Einzelteile des Flugzeuges schwankten bedenklich am Hacken des Lastwagenkrans. Mit vereinten Kräften, viele Mitglieder der Fliegergruppe halfen mit und stabilisierten den Rumpf etwa vom Boden aus mit Seilen, klappte dann aber doch alles wie am Schnürchen.

Herausforderung beginnt erst

Für Jana Kostritza beginnt die Herausforderung nun aber erst richtig. Die 16-Jährige hat schon einige technische Ausbildungen absolviert, um selbst Hand an ihren Segelflieger anlegen zu dürfen. Alle Baumaßnahmen müssen dokumentiert sein. Das als „0013“ registrierte Segelflugzeug war 2003 zum letzten Mal in der Luft. Nun muss der Flieger von Grund auf neu aufgebaut werden.

In Eigenarbeit. Schon bestellt ist indes das neue „Wunschkennzeichen“, die 5013. „Die 13 ist meine Glückszahl“, erklärt die 16-Jährige, die davon träumt,  ihre K8 nach eigenen Wünschen zu gestalten. „Ein Instrumentenbrett aus Wurzelholz, auf alt gemacht“, wünscht sie sich etwa. Auch die Sitzschale kann individuell angepasst werden. Zunächst aber geht es um die Basis für all diese Details: Die alte Beplankung und die Bespannung mussten entfernt werden. „Ich arbeite fast täglich an meinem Flugzeug“, berichtet die engagierte Schülerin. Die Arbeit trägt Früchte: In Kürze kann das Stahlgerippe des Rumpfes den Dachboden wieder verlassen – um gesandstrahlt und neu lackiert zu werden.

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