Reutlingen Geschüttet statt geschlotzt

Feuerwehrfrau Conny Müller aus Aarau wuchtet das Fass um den Wendepunkt.
Feuerwehrfrau Conny Müller aus Aarau wuchtet das Fass um den Wendepunkt. © Foto: Jürgen Herdin
Reutlingen / Jürgen Herdin 03.09.2018

Silvio Müller von der Feuerwehr Aarau wollte auf dem Weibermarkt nicht zu lange durch den Regen laufen. Zumal ihm ja ein stattliches Weinfass  mit auf den Weg gegeben wurde. Und so bewältigte der Schweizer den Parcours am Freitagabend in 22,4 Sekunden. Das war dann auch die Bestzeit.

 Dennoch landete das Team der vier Feuerwehrleute aus der Reutlinger Partnerstadt mit insgesamt 140,08 Sekunden nur auf dem zweiten Platz. Hauchdünn den Gesamtsieg und den Pokal holten sich die Reutlinger Wehrleute mit 139,07 Sekunden. Sie durften den Pokal mit in die Wache nehmen. Abgeschlagen, aber frohgelaunt errangen die vier Weindorfwirte den drittbesten Platz mit 146,57 Sekunden.

Bemerkenswert bei diesem sportlichen Wettkampf war, dass er dreimal kurzfristig unterbrochen wurde – durch RSV-Stadtbusse. Es wäre wegen dieses kurzen Events wohl auch etwas aufwendig gewesen, deshalb Umleitungen samt Ersatzhaltestellen einzurichten.

Der beharrliche Regen verdünnte das obligatorische Viertele Roséwein am „Wendepunkt“ indes nur wenig, denn das Glas wurde von den Konkurrenten ganz schnell ausgetrunken. Schließlich ging der Genuss des Spätburgunder Weißherbst „Dachreiter“ des Grafen von Sturmfeder in die Zeit mit ein; geschüttet statt geschlotzt lautet daher alljährlich die Devise.

In alpiner, krachledernen Tracht machte sich Gerhard Gumpper vom Honauer Rössle auf die Strecke: Einmal mit dem 80 Kilogramm schweren Fass  auf halbem Wege ein zweites Fass umrunden, dazu den Wein gekippt und weiter ging’s bis zur Ziellinie.

Das schaffte Gumpper als bester der Wirte mit 33,31 Sekunden. Seine Gastro-Kollegen Arne Tiedemann vom „Lauba-Mäxle“ (Maximilian), Björn Wallner (Stausee-Restaurant Glems) und Clemens Vohrer vom gleichnamigen Küferzelt auf dem Weindorf legten aber ebenfalls fest Hand an. Sebastian Wieder von der Feuerwehr Reutlingen lag am Ende mit seinen 23,56 Sekunden nur knapp hinter seinem Kameraden aus der Schweiz, Silvio Müller.

Knapp hinter den Erwartungen blieb das Unternehmen Weindorf zurück – in finanzieller Sicht. „Es war durchwegs ein wenig zu kühl, deshalb ist die Bilanz durchwachsen“, sagte Regine Vohrer. Die Organisatorin der gastronomischen Großveranstaltung hatte mit ihren Söhnen Carlo und Clemens  selbst eine Riesenaufgabe geschultert.

Zusammen mit ihrem 40-köpfigen Team galt es, von 50 Sitzplätzen auf rund 190 aufzustocken. Carlo Vohrer ging in Sachen Personal-Rekrutierung übrigens rechtzeitig auch in der Hochschule „hausieren“, und konnte dort zahlreiche Studierende als Aushilfskräfte für das Weindorf gewinnen. Wie berichtet war Ludwig Failenschmid nach 18 Jahren nicht  mehr dabei, da wurde jede Menge Platz frei. Die Vohrers ergriffen die Initiative – „und wir alle waren am Anfang ziemlich am Schwimmen“, bekennt Regine Vohrer.

„Aber das Weindorf war immer sehr kurzweilig, da bist Du nur am Rennen – ja, die Zeit verflog sehr schnell“, sagt sie schmunzelnd. Und natürlich erlebten die Wirte allesamt auch sehr gut besuchte Tage. „Wenn es einem aber ausgerechnet einen Freitag verregnet, dann wirkt sich das extrem schlecht aufs Gesamtergebnis aus“, so Regine Vohrer.

Wie immer hatten die Anwohner Geld-Gutscheine bekommen, einige fuhren in der Weindorf-Zeit auch in den Urlaub. „Das Verhältnis ist schon seit geraumer Zeit sehr entspannt“, erklärt Vohrer, wobei rund um die Marienkirche auch viele junge Leute wohnen.

Vier Zelte, innen mit Holz verkleidet sowie die drei großen Lauben können bis zu 3000 Leute aufnehmen, hinzu kommen 2000 Plätze draußen. Ganz genau berechnen kann man die Zahl der Besucher insgesamt nie, Vohrer geht aber von rund 100 000 Leuten aus, die sich zwischen dem 22. August und dem Abschluss-Samstag am 1. September einfanden.

Der nächste „Reutlinger Herbst“ ist vom 28. August bis zum 7. September 2019.

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