Eningen Einst gab’s Klassen mit 100 Schülern

Gut 70 Gäste folgten Hermann Walz auf dem Rundgang durch Eningen.
Gut 70 Gäste folgten Hermann Walz auf dem Rundgang durch Eningen. © Foto: Gabriele Böhm
Von Gabriele Böhm 11.09.2018

Gleich einen kompletten Rundgang zu Eninger Sehenswürdigkeiten bot am Sonntag die Ortsgruppe Eningen des Schwäbischen Albvereins an. Hermann Walz konnte rund 70 Gäste am Treffpunkt vor dem Spital begrüßen. Der Bau, der das Armenhaus in einigen Metern Entfernung ersetzte, wurde 1849 und 1850 errichtet. „Das Spital bot sozial Schwachen und Obachlosen Heimat und Nahrung“, sagte Walz. Arme hatten Metallmarken als Zeichen, dass sie zur Volksspeisung kommen durften. Daher kommt der Ausdruck „Heiligs Blechle“.

Staunend sahen die Gäste den aus Bruchsteinen aufgemauerten Gewölbekeller, der einer neuen Nutzung harrt. „Ich könnte mir hier einen Ausstellungsraum vorstellen“, sagte Walz. „Dann hätten wir was Tolles. So wie die Pfullinger ihre Klosterkirche.“

„Klassen mit 100 Schülern waren damals an der Tagesordnung“, so Walz vor der Schillerschule, die zum letzten Mal im Originalzustand zu sehen war. Ursprünglich habe hier ein Pestfriedhof nach dem 30-jährigen Krieg gelegen, woran der Straßenname „Am alten Kirchhof“ noch erinnere. Bei den Gästen wurden im Gebäude viele Erinnerungen wach: an Strafarbeiten, die gefürchteten großen Hände des Hausmeisters oder die Badeanstalt im Keller. „Um 1719 gab es rund 5000 Einwohner in Eningen“, erzählte Emil Schlotterbeck, der den Nachmittag über Führungen in der Schillerschule anbot. Die Schule an der Andreaskirche sei zu klein geworden, so dass man trotz des beginnenden Ersten Weltkriegs mit dem Bau des neuen Schulgebäudes begann. Die Gelder kamen von der Gemeinde und aus der königlichen Schatulle. Schlotterbeck lenkte den Blick auf die kunstvoll mit Fröschen, Fischen und Pflanzen verzierten, steinernen Kapitelle, die beiden Brunnen oder die frühen Brandschutzmaßnahmen. Durch den Krüger-Park mit einer Stippvisite vor der um 1905 erbauten Fabrikantenvilla Burkhard-Krüger ging es zum denkmalgeschützten Straßenbahnhof von 1899. Er gehörte zur Lokalbahn Reutlingen-Eningen, die von Ritter von Schwind betrieben wurde. 1912 übernahm die Württembergische Eisenbahngesellschaft die Anlage, die Teil des Reutlinger Straßenbahnnetzes wurde und heute zwei Wohnungen sowie Abstellräume enthält. 1974 wurde der Betrieb eingestellt, 1990 der Bahnhof saniert. Noch erhalten sind der Fahrkartenschalter und der Kassenschrank. „Wo heute der Bolzplatz liegt, befand sich eine Halle, in der die Straßenbahn untergestellt war“, so Walz.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel