Pfullingen Die Absage schlägt hohe Wellen

Hunde im Freibad: Andernorts ist das möglich, nicht aber in Pfullingen.
Hunde im Freibad: Andernorts ist das möglich, nicht aber in Pfullingen. © Foto: dpa
Von Evelyn Rupprecht 15.09.2018

Was Anfang dieser Woche als harmlos anmutende Ankündigung fürs Hundeschwimmen im Freibad daherkam, schlägt mittlerweile kommunalpolitisch hohe Wellen. Die Stadt hat die Aktion, die für Sonntagmittag geplant war, am späten Donnerstagabend wieder abgesagt – das allerdings nicht aus freien Stücken, sondern unter einem gewissen Druck. „Wir haben uns einer fast brachialen Gemeinderatsfront gegenüber gesehen“, erklärt Bürgermeister Michael Schrenk gegenüber unserer Zeitung. Die Stadträte, allen voran CDU-Mann Gert Klaiber, hätten „alle Register gezogen“, um den Hunde-Spaß zu verhindern. Klaiber, der eine deutliche Gemeinderats-Mehrheit hinter sich sieht, meint indes, gute Gründe für sein Einschreiten zu haben. Er glaubt, dass der Stadt und dem Freibad ein immenser Imageschaden durch das Hundeschwimmen gedroht hätte, spricht gar von einem möglichen Fiasko und kritisiert die Informationspolitik der Verwaltung.

Die Streitigkeiten zwischen Gemeinderat und Bürgermeister, die schon seit gut zwei Jahren offenkundig waren, schienen im Frühjahr, als Schrenk nach längerem krankheitsbedingten Ausfall wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehrte, fast beigelegt. Eine Mediation wurde erst an- und dann wieder ausgesetzt. Dafür sollte demnächst in einer Klausurtagung das lädierte Verhältnis zwischen Stadtoberhaupt und Gremium aufgearbeitet werden. Gleichzeitig schien Ruhe eingekehrt zu sein, im zuvor kommunalpolitisch arg gebeutelten Pfullingen. Jetzt allerdings entdeckt der Bürgermeister „alte Strickmuster“ wieder. Wenn Klaiber in diesem Sommer gesagt habe, dass die Lage in der Stadt in Ordnung sei, so seien das Floskeln, erklärt Schrenk. „Er hat uns erneut in die Pfanne gehauen“, meint der Bürgermeister mit Blick auf die Hundeschwimm-Verhinderungs-Aktion des CDU-Stadtrats.

Doch was hat Klaiber getan, das Schrenk so aufbringt? Zuerst einmal ist der Stadtrat in dieser Woche ans Telefon gegangen. Und zwar nicht ein Mal, nicht zwei Mal, sondern unzählige Male. Immer waren laut Klaiber erzürnte Bürger am Apparat, die „ein massives mentales Problem damit haben, wenn Hunde ins Freibad dürfen“. Abgesehen von hygienischen Problemen, die wohl auch das Gesundheitsamt sieht – so besteht das Restrisiko, dass Kot resistente Keime in den Fugen hinterlassen könnte –, sei das Freibad eben nur für Menschen da. Dass Keime auch durch andere Tiere, die das Schönbergbad nicht als zahlende Gäste betreten ­(am Sonntag wären 50 Cent Eintritt pro Pfote fällig gewesen), eingeschleppt werden könnten, sieht Klaiber zwar auch. „Aber ich muss das Ganze ja nicht planmäßig herbeiführen“. Letztlich brachte er eine deutliche Gemeinderatsmehrheit hinter sich, die sich gegen das Hundeschwimmen aussprach. Als Gemeinderatsbeschluss allerdings kann die Abstimmung nicht gesehen werden, hat das Landratsamt festgestellt. Dass Klaiber und Co. trotzdem durchkamen mit ihrer Forderung nach einer Absage des Events, wertet der CDU-Mann als äußerst positiv. „Ich mache dem Bürgermeister keinen Vorwurf wegen des Hundeschwimmens, aber ich hätte ihm einen Vorwurf gemacht, wenn er es nicht abgesagt hätte“, erklärt der Stadtrat.

Schrenk hat das Event indes „nur schweren Herzens“ storniert. Er findet, dass man für die Hundehalter, die ja auch Steuerzahler seien, mal etwas hätte tun können. Seit die Absage bekannt wurde, bekommt er nun ständig neue Emails von erbosten Hundehaltern, die enttäuscht sind, dass das Schwimmen nicht über die Bühne gehen darf. 650 Hundehalter gibt es allein in Pfullingen. „Von auswärts hatten sich auch schon einige angekündigt“, weiß Schrenk. Viele werfen ihm nun vor, er sei eingeknickt. Aber letztlich „wurde ich in die Ecke gedrängt“. Ihm sei fast nichts anderes übrig geblieben, als die Aktion abzusagen. Derweil hätten gleich mehrere andere Bäder im weiteren Umkreis für dieses Wochenende ähnliche Events  angekündigt. „Geschwommen wird jetzt woanders“, sagt der Bürgermeister. Dafür wird in Pfullingen gestritten.

Die Gründe für die Absage

Da sich auf Initiative des CDU-Fraktionsvorsitzenden die Mehrheit der Pfullinger Gemeinderäte gegen die Durchführung des Hundeschwimmens am kommenden Sonntag im Freibad der Stadt Pfullingen ausgesprochen hat, wurde die Veranstaltung von Seiten der Stadtverwaltung abgesagt. Die Gemeinderäte haben unter anderem gesundheitliche Aspekte vorgebracht,“ heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Die Verwaltung habe daraufhin das Gesundheitsamt beim Landratsamt Reutlingen um eine Stellungnahme gebeten. Das Gesundheitsamt habe erklärt, dass aus fachlicher Sicht die Durchführung des Hundeschwimmens nicht empfohlen werden könne. „Unter diesen gegebenen Umständen hat die Stadtverwaltung zusammen mit der Bäderleitung entschieden, die Veranstaltung nicht durchzuführen. Wir bitten die Hundehalter, die gerne mit ihrem Vierbeiner zum Hundebaden gekommen wären, um Verständnis“, heißt es in dem Schreiben weiter.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel