Klimaschutz Brückenbauer fürs Klima

Von Peter U. Bussmann 09.01.2018

Von der Betzinger Borsigstraße hinaus in die ganze Welt: myclimate Deutschland gGmbH, die 100-prozentige Tochter der gemeinnützigen Schweizer Stiftung myclimate mit Sitz in Zürich, macht’s möglich. Seit 2009 hat die Organisation hier ihren Sitz mit dem Sonnenbühler Diplom-Betriebswirt Stefan Baumeister als Geschäftsführer. Ziel der langsam wachsenden Non-profit-Organisation ist es, „lokalen und globalen Klimaschutz mit Partnern in der Welt zukunftsfähig zu gestalten“, erklärt Baumeister.

Beratung, Bildung und Klimaschutzprojekte sind dabei die drei Säulen von myclimate. Fünf Mitarbeiter in Betzingen, drei in Berlin und einer in Freiburg arbeiten daran, rund 50 Leute sind bei der Stiftung in Zürich beschäftigt.

Neu ist dabei der Ansatz der freiwilligen CO2-Kompensation neben dem Pflichtmarkt für energieintensive Unternehmen. Privatleute, vor allem aber Unternehmen „können hier Verantwortung übernehmen für unvermeidbare Emissionen“, sagt Baumeister. Dafür zahlen sie einen bestimmten Betrag pro ausgestoßene Tonne Kohlendioxid an die Organisation, die wiederum aus dieser Summe 80 Prozent in weltweite Klimaschutzprojekte investiert und aus dem Rest ihre übrige Arbeit finanziert. Das sei schon eine Art „Ablasszahlung“, räumt der Geschäftsführer ein, „aber wir machen mit dem  Geld was Nachweisliches“.

Die Organisation berät dabei Unternehmen umfassend zu integriertem Klimaschutz mit greifbarem Mehrwert.  Das Angebot von myclimate reicht von einfachen Emissionsberechnungen bis zu ausführlichen Ökobilanzierungen von Produkten. „Wir  helfen Unternehmen beim Erkennen und Erschließen von Potenzialen zur Verminderung von Energie- und Ressourcenverbrauch sowie von CO2-Emissionen und Kosten“, so Baumeister.

Kunden sind beispielsweise die Stadthallen GmbH Reutlingen oder die Ergastankstelle der Fair-Energie, aber auch der Outdoor-Ausrüster Vaudee, Studiosus Reisen oder Bionade. Die städtische Tochter Stadthallen GmbH investiert so in ein Projekt auf Madagaskar für solarbetriebene und effiziente Kochstellen. Die Fair-Energie zahlt für ihre unvermeidbaren Emissionen in ein Projekt im ländlichen China, das mit Biomasse betriebenen Kochstellen finanziell fördert. Auf insgesamt 1,8 Millionen Euro Erlöse kam myclimate Deutschland im vergangenen  Jahr, über 90 Prozent davon aus solchen Kompensationszahlungen, so Baumeister.

Bei diesen mittlerweile 100 Projekten in 30 Ländern, die vor Ort nach gewissen internationalen Standards vorbereitet und von Fachleuten der Stiftung begleitet werden, arbeitet myclimate eng mit lokalen Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) zusammen. Und „das verändert das Leben der Menschen dort nachhaltig und ist nicht nur reines CO2-Zählen“, unterstreicht Baumeister. Das sei im weitesten Sinn auch die Bekämpfung von Fluchtursachen.

Neben dieser Klima-Neutralisierung von Unternehmen ist die Bildung ein weiteres großes Feld von myclimate. Mit der ersten Klimaschutzkonferenz-Simulation im November in der Stadthalle parallel zur Weltklimakonferenz in Bonn mit 500 Schülern aus der Region schuf die Organisation ein neues, interaktives, spannendes Format. „Das ist Bildung für nachhaltige Entwicklung im spaßigen Umgang“, unterstreicht Bildungs-Projektleiter Lorenz Hüttenhofer. Eine optimierte Version der Konferenz „mit absolut offenem Ausgang“ will man nun bundesweit anbieten.

Die „Energie- und Klimapioniere“ für Schulen und die „Klimawerkstatt“ für Azubis ergänzen das Programm von myclimate. Jüngstes Angebot ist nun längerfristig die Klima- und Umwelt AG an der Betzinger Hoffmannschule jeden Mittwoch in der Nachmittagsbetreuung mit einem jungen Mann, der sein freiwilliges ökologisches Jahr absolviert.