Zum Jahresabschluss werden meist die besonders  emotionalen Themen nochmal hochgekocht. Am Mittwoch im Kreistag war es die Frage: Wie geht es mit der Krankenversorgung im Landkreis weiter? Haben die Kreiskliniken an allen drei Standorten eine reelle Chance? Das war der zweite Aufreger neben der Frage der Kultur- und Sozialförderung (Artikel oben).

Die beiden konservativen Fraktionen – Freie Wähler (FWV) und CDU – mahnten zu Realismus. Florian Weller (CDU) findet das „Bedürfnis nachvollziehbar“, dass man ein Krankenhaus in seiner unmittelbaren Nähe hat: „Im Ernstfall will aber doch jeder zum Spezialisten.“ Auch Willi Weiblen (FDP) zitierte zu diesem Anlass seinen Kreistags-Kollegen, den Dettinger Bürgermeister Michael Hillert. Der habe gesagt: „Alle wollen das Krankenhaus in Bad Urach erhalten, aber wenn ich meine Dettinger frage, wo sie sich operieren lassen, dann überall, nur nicht in Urach?“ Der Metzinger Bürgermeister Dr. Ulrich Fiedler (FWV) mahnte, dass es ein „weiter so“ nicht geben werde. „Da hilft es auch nicht, die Augen davor zu verschließen und eigene Wirklichkeiten zu schaffen, die indirekt leider nichts mit der Realität zu tun haben.“

Das dürfte dann an den linken Flügel adressiert gewesen sein: SPD, Grüne und Linke betonten nämlich am Mittwoch, dass sie sich mit der Situation eben nicht abfinden wollen. Hans Gampe (Grüne) beispielsweise macht schon der Name „strukturiertes unverbindliches Markterkundungsverfahren für ein zukunftsfähiges Management-Konzept“ misstrauisch. Seine Partei werde einer Privatisierung keineswegs zustimmen, betonte er. Außerdem stellte er einen Antrag, den weiteren Abbau von Klinikleistungen in Urach zu stoppen.

Bei Thomas Ziegler (Linke) wurde der Eindruck erweckt, „dass allein Reutlingen noch als habhafte Versorgungseinrichtung erhalten bleiben soll“.

Die SPD unter Leitung des Münsinger Bürgermeisters Mike Münzing stellte folgenden Antrag: Die ursprünglich für die Geburtshilfe in der Albklinik eingestellten Gelder (mehr als 700 000 Euro), werden nun „für externe Unterstützung bei der Organisationsreform der Kliniken und bei der Personalsuche“ verwendet. Man dürfe schließlich nicht auf das Ergebnis der Markterkundung als „Heilsbringer“ warten.

Damit waren die meisten nicht einverstanden. „Es widerspricht meiner schwäbischen Seele, das Geld nur auszugeben, weil es im Haushalt vorgesehen ist“, sagte der Metzinger Schultes Fiedler. Münzing war nach den Reaktionen seiner Ratskollegen sichtlich angefressen. Er zog den Antrag schließlich zurück, versprach aber fast schon grimmig: „Wir werden das sicher nochmal aufrufen!“