Kreis Ludwigsburg / Philipp Stuiber  Uhr

Nehmen was einem gefällt und zurücklassen, was man nicht mehr braucht, aber auch nicht wegwerfen will – das ist das grundlegende Konzept der öffentlichen Bücherschränke, die immer mehr Gemeinden für ihre Bürger errichten. Der neueste öffentliche Bücherschrank der Region steht seit vergangener Woche in Löchgau an der Wette. Viele Bürger hatten bereits im vergangenen Jahr einen solchen Schrank gefordert, so die Gemeinde. Dieser Schrank soll den Pendlern und Einwohnern zugute kommen.

Der Ursprung des öffentlichen Bücherschranks wird, zumindest in Deutschland, in den 1990er-Jahren vermutet. Das Konzept soll den selbstständigen Austausch von Literatur fördern. Die Schränke sind meist an gut besuchten Orten, in den unterschiedlichsten Formen zu finden. Sei es eine zum Bücherregal umgewandelte englische Telefonzelle oder ein kleines, selbstgebautes Häuschen.

Dass zwei dieser Schränke in Bietigheim-Bissingen stehen, ist der Literaturvermittlerin Barbara Knieling zu verdanken. 2016 bekam sie zu ihrem 50. Geburtstag von ihren Freunden ein Bücherhäuschen geschenkt, das seitdem in den Arkaden am Marktplatz steht. Der größte Unterschied zu einer Bibliothek: „Was einem gefällt, darf man behalten.“ Fast ein Jahr später habe sie dann, in Zusammenarbeit mit Oberbürgermeister Jürgen Kessing, die Telefonzelle als öffentlichen Bücherschrank am Bad am Viadukt realisieren können. „Es gibt Bücher, die liest man nur einmal, dann nie wieder. Statt sie dann aber wegzuwerfen, kann man sie in die Schränke stellen“, beschreibt Knieling das Konzept des Projekts. Hin und wieder müsse sie weniger beliebte oder beschädigte Werke aus den Regalen nehmen, um Platz für neue Bücher zu schaffen. Sie wünsche sich deshalb, dass auch ältere Literatur mitgenommen und gelesen wird. Dennoch freue sich die Literaturvermittlerin über den Erfolg der Schränke im Hinblick auf den regen Austausch von Büchern.

Negative Erfahrungen

Der anfangs befürchtete Vandalismus blieb zum Glück aus. So seien die Schränke nie beschädigt oder bemalt worden. Zu verdanken sei dies unter anderem der öffentlichen und gut einsehbaren Platzierung der Bücherschränke. Anders als in Bietigheim-Bissingen sieht die Situation in Sachsenheim aus. Unter der Betreuung von Elke Ehrler-Berg, Leiterin der Sachsenheimer Stadtbibliothek, wurden dort vor rund vier Jahren die Schränke aufgestellt. Anfangs sei sie zwar von dem Projekt überzeugt gewesen, allerdings sei diese Überzeugung durch den Vandalismus schnell zunichte gemacht worden. Kurz nachdem der erste öffentliche Bücherschrank am Sachsenheimer Bahnhof eingeweiht wurde, verwüsteten Unbekannte diesen mehrmals. Dieser musste daraufhin von der Stadt entfernt werden.

Auch mit den vier weiteren Schränken in Großsachsenheim, Spielberg, Ochsenbach und Häfnerhaslach gebe es Probleme, so Ehrler-Berg. Der Austausch von Büchern funktioniere nicht wie vorgesehen. „Die Bücherschränke sind moderne Mülleimer“, sagte die Leiterin, offensichtlich enttäuscht. Die Leute würden beschädigte oder uninteressante Bücher in die Regale stellen und diese so verstopfen. Die Bücherpaten, die sich regelmäßig um die Schränke kümmern, müssten deshalb solche Bücher im eigenen Altpapier entsorgen – das sei so nicht vorgesehen. Ehrler-Berg zweifele deshalb an der Konzeption der Bücherschränke. Wie es zukünftig für die dortigen Standorte aussieht, sei jedoch noch nicht klar.

Weitere Standorte

Dem Bücherschrank-Trend folgten auch weitere Gemeinden. So platzierte Freudental vor rund vier Jahren ein öffentliches Bücherregal im Rathaus. In Ludwigsburg steht seit 2018 jeweils ein solches Regal am Marktplatz und am Wettemarkt in Oßweil.