Kreis Ludwigsburg Zweiter Hagelflieger für den Kreis?

Hagelflieger, wie dieses Flugzeug, das am Stuttgarter Flughafen stationiert ist, haben die Aufgabe, bei zu erwartenden Hagelschauern die Gewitterwolken mit Silberiodid zu impfen. Ziel ist, starke Hagelniederschläge zu vermeiden.
Hagelflieger, wie dieses Flugzeug, das am Stuttgarter Flughafen stationiert ist, haben die Aufgabe, bei zu erwartenden Hagelschauern die Gewitterwolken mit Silberiodid zu impfen. Ziel ist, starke Hagelniederschläge zu vermeiden. © Foto: Archiv
Kreis Ludwigsburg / Uwe Roth 17.04.2018

Die Württembergische Gemeindeversicherung (WGV) steht vor der Entscheidung, einen zweiten firmeneigenen Hagelabwehrflieger anzuschaffen. Der könnte dann bei Unwettergefahr auch über dem Landkreis kreisen und die Wolken mit Silberiodid impfen. „Es rechnet sich“, sagte WGV-Abteilungsleiter Bernhard Vrana bei der zweitägigen Fachtagung zur Hagelabwehr in Fellbach.

Seit 2017 ist der Landkreis Ludwigsburg an der Finanzierung der Hagelabwehr für die Region Stuttgart beteiligt. Zu den Partnern gehören ebenso die WG Mundelsheim und seit Neuestem die WG Stromberg-Zabergäu.

Experten betonten, dass in Zukunft Wetterprobleme eher zu- als abnähmen. Auch die Prävention werde nicht einfacher. Die Programmpunkte der Fachtagung in Fellbach mit Teilnehmern aus allen Teilen Süddeutschlands und der Steiermark (Österreich) zeigten, dass die Hagelabwehr mit Silberiodid (Agl) nach wie vor unter Akzeptanzproblemen zu leiden habe. Gleich mehrere Referenten waren eingeladen worden, um über die Umweltverträglichkeit und die Wirksamkeit der chemischen Verbindung aus Silber und Iod zu berichten.

Thomas Oppenländer von der Hochschule Furtwangen hat diesbezüglich eine intensive Literaturrecherche betrieben und dafür mit studentischer Unterstützung 228 Dokumente aus den vergangenen 70 Jahren ausgewertet. Mit Fachwissen, so meinte er, müsse gegen falsche Fakten vorgegangen werden. Gegner der Agl-Methode bringen nach seiner Überzeugung diese weiterhin in Verruf.

Bernd Altmayer brachte seine Erfahrungen mit der Hagelabwehr aus der Vorder- und Südpfalz in die Konferenz mit. Der Mitarbeiter des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Rheinpfalz hat mit seinem Team 80 stehende Gewässer auf Silberrückstände untersucht. Silberiodid hat einen Anteil von 46 Prozent des Edelmetalls, und nur dieses sei toxisch, somit eine Gefahr für die Umwelt, betonte er. Um realistische Werte zu bekommen, seien die Daten unmittelbar nach einem Hagelfliegereinsatz erhoben worden. Wie bei seinem Vorredner Oppenländer seien die Ergebnisse „völlig unproblematisch“ ausgefallen. „Es ist kein Anstieg zu verzeichnen gewesen“, sagte Altmayer. Oppenländer stellte bei seinen Untersuchungen lediglich „die natürliche Bodenbelastung fest“.

Bernhard Vrana von der WGV argumentierte nicht wissenschaftlich, wie er sagte, sondern mit Erfahrungswerten. Nach seiner Überzeugung haben die Hagelabwehrflieger seiner Versicherung eine Menge Geld gespart. Er erläuterte es an einem Beispiel: Am 30. Juli vergangenen Jahres habe es über dem Ostalbkreis zwei parallele Superzellen gegeben – eine über Schwäbisch Gmünd und Aalen, die andere über Ellwangen. Der Pilot musste sich entscheiden und impfte zuerst die über Gmünd. Für die über Ellwangen kam er zu spät.

Von dort seien 700 Schäden gemeldet worden, die die WGV 1,4 Millionen Euro gekostet hätten. Angesichts solcher Kosten und der Möglichkeit, diese zu verhindern, sei die Anschaffung eines weiteren Hagelabwehrfliegers zu rechtfertigen. Der neue WGV-Vorstand sei dem Vorschlag durchaus aufgeschlossen.

Gefühlt nehmen die Unwetter seit einigen Jahren zu: Trockenperioden werden von Starkregen beendet. Fröste kommen, wenn man sie nicht mehr erwartet, der Frühling wird gefühlt immer kürzer. Und der Wind scheint immer schneller von Null auf 100 Kilometer anzuschwellen. Dann noch die jüngste Meldung, dass sich der Golfstrom verlangsame.

Klimawandel ist Thema

Ob der Klimawandel das Wetter extremer macht, dazu nahm Christina Koppe vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach Stellung. Für die Leiterin der Abteilung Agrarmeteorologie steht es außer Frage, dass es den Klimawandel gibt, daran würde die Wissenschaft weltweit keinen Zweifel mehr haben. Dass der Mensch seinen Anteil daran habe, zeige den signifikanten CO2-Anstieg seit Beginn der Industrialisierung.

Welche Auswirkungen die erhöhten Kohlendioxidwerte auf die künftige Wetterentwicklung haben werden, konnte die Meteorologin lediglich abschätzen. Dies hänge vor allem davon ab, mit welchem Engagement die Erderwärmung bekämpft werde.

Da höhere Temperaturen mehr Energie in der Atmosphäre freisetzten, sei mit einer Zunahme extremer Wettereignissen auszugehen. Doch statistisch seien die bisher erstellten Wettermodelle bislang „nicht belastbar“, sagte Christina Koppe.

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