Das hatten sich Silvia und Stefan Maier aus Besigheim dann doch etwas anders vorgestellt, als sie vor 17 Tagen  in die Linienmaschine der Lufthansa gestiegen sind, um nach San José zu fliegen. Von der Hauptstadt Costa Ricas aus wollen sie mit dem Mietauto die Strände des zentralamerikanischen Landes erkunden, nacheinander im Pazifik und der karibischen See baden, die Regenwälder, Naturparks und die exotischen Tiere bestaunen und einen Blick auf die Vulkane im Landesinneren werfen.

Doch längst überwiegt bei dem Paar die Sorge, ob und wann es wieder nach Hause kommt. Ihnen geht es in ihrem Urlaubsland nicht anders als den Menschen in Deutschland in den vergangenen Tagen. Täglich, wenn nicht stündlich, ändert sich wegen des Coronavirus die Lage, immer enger werden die Bewegungsräume, immer strikter die Vorschriften.

Ob das Paar auch eine Woche später noch geflogen wäre? Für den Leiter des Tiefbauamtes Besigheim und seine Frau sei zum Zeitpunkt der Abreise am 7. März noch gar nicht absehbar gewesen, welches Ausmaß die Krise annehmen würde, antwortete Stefan Maier per Mail auf eine Anfrage der BZ. Der Flug nach San José war nahezu ausgebucht,  die Einreise sei völlig unproblematisch verlaufen. Bis Ende vergangener Woche sei der Urlaub sehr entspannt verlaufen. Die Zahl der Corona-Infektionen in Costa Rica sei sehr gering, das Land hänge am Tourismus, „und alles versucht, es einem angenehm zu machen.“

Ende vergangener Woche sind Stefan und Silvia Maier noch zuversichtlich, den regulären Rückflug der Lufthansa antreten zu können, trotz der zunehmend bedrohlichen Nachrichten. Zu diesem Zeitpunkt befinden sie sich im Landesinneren, am Fuß des Vulkans Arenal. Längst haben sie sich vorsichtshalber  in die „Elefand“-Liste eingetragen, das elektronische Erfassungssystem für Auslandsdeutsche in Costa Rica. Und längst haben sie sich auch über das Rückholprogramm des Auswärtigen Amtes informiert und die Botschaft angerufen.

Im täglichen Leben jedoch ist für die beiden Urlauber noch wenig von Einschränkungen zu spüren. Die Regale seien voll mit allen notwendigen Konsumgütern, die Menschen seien freundlich und weitgehend entspannt. Der Humor hat das Paar bis dahin auch nicht verlassen: „Ich vermute, wenn die Krise durchschlägt, fehlen hier als erstes Kondome und Rum“,  so Stefan Maier.

Doch dann geht es Schlag auf Schlag: Telefonisch ist die Lufthansa nicht mehr erreichbar. Der Reiseanbieter, mit dem das Paar unterwegs ist, storniert das Hotel für diese Woche,  Maier kann nur noch ein Zimmer für eine Nacht reservieren. Erste Gerüchte kommen auf, dass alle Hotels schließen werden. Hinweise verdichten sich, das alle Flüge abgesagt werden, bis auf die Luftbrücke des Auswärtigen Amtes.

Am Samstagmittag bestätigen sich die Befürchtungen. Lufthansa und Condor stellen den Linien­flugbetrieb ein. „Es bleibt uns nur der staatlich organisierte Rückflug“, so Stefan Maier. Am Sonntag erfährt er, dass ein erster Flug gestartet ist.  Die ersten beiden Flüge sind für ältere, behinderte und kranke Menschen, anschließend werden die anderen Touristen auf die Flugzeuge verteilt. Etwa 24 Stunden vor dem Anflug soll er Infos bekommen, hat ihm die Botschaft mitgeteilt. „Ob es uns diese Woche also noch reicht, weiß ich nicht.“

Mittlerweile befindet sich das Paar in Tamarindo an der Nordwestküste, fünf Stunden Autofahrt vom Flughafen entfernt. Eigentlich ist der Ort vom Tourismus belebt, es gibt viele Bars, Hotels und einen langen, weißen Strand. „Alles ist  jetzt wie ausgestorben“, berichtet Maier. Der Strand wurde abgesperrt, die Polizei ist mit zwei Motorrädern auf Patrouille. Damit die Einheimischen am Wochenende nicht am Strand feiern, wurde ein landesweites Alkoholverkaufsverbot ausgesprochen. „Die rapide fallenden Touristenzahlen drücken den Menschen aufs Gemüt“, bemerkt Stefan Maier, der sich mit seinem Smartphone auf dem Laufenden hält.

Spätestens Donnerstag will sich das Paar Richtung Hauptstadt auf den Weg machen, sollte es keine Nachricht von der Botschaft bekommen. Bis dahin verfolgen sie die Meldungen aus der Heimat. Das Nachtjournal der ARD können sie schon um 16 Uhr nachmittags empfangen. Danach füttern sie vor dem Bungalow Leguane, Nasenbären und Waschbären und lauschen den Rufen der Brüllaffen. „Es könnte also insgesamt viel schlimmer sein“, so Maier.

Überschrift Infokasten einzeilig


Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz

Rückholaktion nicht umsonst


Am Mittwoch, 18. März, verhängte Corsta Rica eine Einreisesperre, die bis einschließlich Sonntag, 12. April, gilt. Etwa 50 Infektionen mit Corona sind in dem Fünf-Millionen-Land bekannt. Die deutsche Botschaft warnt zu diesem Zeitpunkt vor Ausreiseproblemen aufgrund fehlender Flugkapazitäten.

Am Donnerstag, 19. März, kündigt das Auswärtige Amt eine Rückholaktion für Urlauber an, die in Costa Rica gestrandet sind. Umsonst ist der Rückflug nicht. Zwar muss niemand einen Flug im Voraus bezahlen, doch das Auswärtige Amt schickt später eine Rechnung über einen Flug zum Preis eines Economy-­Tickets. sol