Mei Zipperer spricht schnell und lacht gerne, das fällt sofort auf, wenn man ihr großzügiges Haus in Markgröningen betritt. Die gebürtige Chinesin hat auch allen Grund zu lachen. Als Lebensmittelimporteurin hat sie Erfolg. Von Markgröningen aus verschickt Happiny Foods asiatische Lebensmittel. Vier bis fünf Millionen Euro setzt das Importunternehmen eigenen Angaben zufolge im Jahr um – mit gerade einmal sechs Mitarbeitern. „Das schaffen wir, weil die meisten einfach nicht mehr um uns herum kommen“, sagt die 48-Jährige. Dabei hatte die Unternehmerin den Erfolg gar nicht als erstes im Sinn als sie als Germanistik-Studentin nach Leipzig kam. Als Dolmetscherin baute sie in der Folge viele Kontakte auf und das führte zu ihrem Unternehmen das Deutschen den Genuss der Lebensmittel aus dem Reich der Mitte ermöglicht.

Die Kontakte waren es schließlich, die sie seit 2015 auch in eine andere unternehmerische Richtung führten. Seither „importiert“ sie nicht nur Lebensmittel, sondern auch Fachkräfte. Mit Partnern in China gemeinsam vermittelt sie Pflegefachkräfte in das Notstandsland Deutschland. Aus dem Nordosten des Riesenlands rekrutiert ihre Unternehmung die Menschen. In der Region herrsche noch eine große Arbeitslosigkeit. „Pflegekräfte aus Shanghai oder Peking verdienen teilweise mehr als in Deutschland“, sagt Zipperer.

300 Menschen aus China habe sie nach Auftrag von Pflegeunternehmen schon den Sprung nach Deutschland zu ermöglichen versucht. Dass nur ein Bruchteil in Baden-Württemberg zum Arbeiten ankommt, habe mit der Brürokratie zu tun, sagt Zipperer. Die Chinesen, in ihrem Land ausgebildete Pflegekräfte, lernen zunächst in einem acht- bis zehnmonatigen Kurs, den Zipperers Partner im Reich der Mitte organisieren Deutsch. Dann kommen die Behörden ins Spiel. Um als Pflegekraft in Deutschland arbeiten zu können, muss die Ausbildung formell anerkannt werden, dafür ist in Baden-Württemberg das Regierungspräsidium Stuttgart verantwortlich.

„Die Worte des Gesundheitsministers Jens Spahn, dass ausländische Pflegekräfte gebraucht werden, scheinen nicht bei den Sachbearbeitern in allen Behörden angekommen zu sein“, ärgert sich Zipperer über unkooperative Amtsmitarbeiter. Gerade in Baden-Württemberg sei es sehr schwierig diese Anerkennung zu erhalten. Was sie am meisten störe sei, dass es schwer sei, eine Verständigung mit dem Amt zu erreichen. Meist laufe es auf eine Ablehnung und ein Gerichtsverfahren hinaus. Während dieser Zeit dürften die Fachkräfte nicht arbeiten. Viele zögen deswegen wieder zurück nach China, nur 20 seien derzeit in Arbeit in Deutschland.

Die bürokratischen Hürden seien es auch, die nun dazu führten, dass sich Zipperer mit ihrer Fachkräftevermittlung aus Baden-Württemberg zurückziehe. In anderen Bundesländern wie Bayern oder Hessen funktioniere es besser. Zipperer tun die leid, die wieder zurück müssen. In China bekomme man gute Jobs etwa in einem staatlichen Pflegeheim nur mit Hilfe von Schmiergeld in Höhe von 20 bis 30 000 Euro und hier könnten sie wertvolle Hilfe leisten und sich dauerhaft niederlassen.

So läuft die Anerkennung von Fachkräften


Der Altenpfleger aus dem Ausland muss um die Anerkennung zu erhalten laut Regierungspräsidium Stuttgart einen gleichwertigen Ausbildungsstand vorweisen. Werden wesentliche Unterschiede zum deutschen Standard festgestellt, müsse der Nachweis gleichwertiger Fähigkeiten durch einen höchstens dreijährigen Anpassungslehrgang oder das Ablegen einer Prüfung erbracht werden, die sich auf den Inhalt der staatlichen Prüfung erstreckt. Außerdem müssen die Ausländer Deutsch auf dem Niveau B2 beherrschen.

Die Verfahrensdauer (der Anerkennung) hänge sehr stark von den Umständen des Einzelfalls ab. Maßgebend sei insbesondere, ob die erforderlichen Unterlagen kurzfristig und vollständig in der erforderlichen Form vorgelegt werden oder ob sich während des Verfahrens aufgrund der vorgelegten Unterlagen und gemachten Angaben die Notwendigkeit für zusätzliche Ermittlungen und Überprüfungen ergebe.

Die Staatsangehörigkeit und das Herkunftsland sind laut Regierungspräsidium für die Anerkennung nicht von Bedeutung. bz