Gericht Zeugen zeigen bei Verhandlung auffallende Gedächtnislücken

Asperg / Bernd Winckler 28.08.2018

Wer hat wirklich in die Asperger Shisha-Bar geschossen? In dem Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht gegen den mutmaßlichen 24-jährigen Schützen zeigen auch an diesem dritten Verhandlungstag die Zeugen auffallende Gedächtnislücken. In dem Verfahren geht es um eine erneute Auseinandersetzung zwischen Kurden und Osmanen – eine Art Krieg, wie die Anklage sagt. Die Schwurgerichtskammer tut sich schwer, die Asperger Schüsse – und zwei weitere Schuss-Attacken in Eglosheim – in dem Verfahren gegen den 24-Jährigen aufzuklären. Es sind die Zeugen, die für Verwirrung sorgen. Dabei gibt es vier Zeugen-Kategorien: Jene Zeugen, die gar nichts wissen, dann jene Zeugen die so wenig wissen und aussagen, dass damit strafrechtlich nichts anzufangen ist, und die Zeugen, die schweigen, weil gegen sie ermittelt wird, sowie Zeugen, die ihrer Zeugenladung erst gar nicht folgen. Gegen Letztere hat das Gericht die Möglichkeit der Festnahme und gewaltsamen Vorführung.

Nach wie vor behauptet der Angeklagte, mit der Schießerei vom 25. Februar an der Shisha-Bar in Asperg nichts zu tun zu haben. Ein Freund sei der Schütze gewesen, ihn habe er sogar davon abhalten wollen. Bei den beiden Schüssen aus einer halbautomatischen Pistole Kaliber 7,65 wurden die Doppelglasscheiden der Eingangstür des Lokals schwer beschädigt. Um ein Haar hätten die Projektile Gäste in der Bar treffen und auch töten können, sagt der Staatsanwalt, der den 24-Jährigen wegen versuchten Totschlags angeklagt hat. Jener Freund, der im Zeugenstand jetzt den Angeklagten davon entlasten sollte, macht allerdings überraschenderweise von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, weil gegen ihn ebenfalls ein Ermittlungsverfahren im Gange ist.

Blitzschnell flach hingelegt

Am dritten Verhandlungstag wird ein 23-jähriger ehemaliger Freund des Angeklagten, der in der Asperger Shisha-Bar regelmäßig verkehrt, vernommen. Er sei aber an dem fraglichen 25. Februar nicht in Asperg gewesen. Dafür aber war er dabei als eine Woche später der Wirt des Lokals mit einem anderen Freund im Auto auf der Heimfahrt in Ludwigsburg-Eglosheim plötzlich von dem Angeklagten per leicht quer stehendem Fahrzeug angehalten wurden. Er sei überrascht gewesen. Plötzlich habe er gesehen, wie der Angeklagte neben dem Fahrzeug stand, zuerst winkte, und aus der hinteren Hosentasche etwas herausholte, das wie eine Waffe aussah. Als er das sah, habe er sich blitzschnell flach hingelegt, und dann zwei Schüsse gehört.

Dass es sich um eine Schreckschusswaffe handelte, wusste er nicht. Dennoch hat die Gaswolke den vor ihm sitzenden Beifahrer getroffen und bei ihm Augenbrennen verursacht. Bei der Frage der Vorsitzenden Richterin, ob er wisse, warum in Asperg und in Eglosheim überhaupt geschossen wurde, und ob es Streit zwischen den beiden Rockergruppen gab, muss der Zeuge passen.

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