Steinheim Zeichen stehen auf Aufbruch: Versammlung des DRK-Kreisverbands

SABINE FISCHER 24.06.2013
Bis die Schuldenlast endgültig getilgt ist, wird es zwar noch Jahre dauern, doch beim Kreisverband Ludwigsburg des Roten Kreuzes ist man zuversichtlich, auf dem richtigen Weg zu sein.

Zwei Jahre ist es nun her, dass der DRK-Kreisverband Ludwigsburg mit dem neuen Vorsitzenden Dr. Utz Remlinger an der Spitze einen Neustart wagte. Zwei Jahre, in denen dieser gemeinsam mit seinem Team alle Hebel in Bewegung setzte, um dem enormen Schuldenberg Herr zu werden, der den Verband "kurz vor den Liquidierungskollaps" beförderte, so Schatzmeister Martin Gerlitzky heute.

Auch die diesjährige Kreisversammlung am Freitag in Steinheim stand noch immer im Zeichen der Schuldenlast, doch die Stimmung unter den DRKlern hat sich gedreht. Aber der Weg, den der Verband noch vor sich hat, bis er tatsächlich schuldenfrei sein wird, ist dennoch lang und steinig. Allein 1,2 Millionen Euro Rückzahlungen an die Krankenkassen müssen noch gestemmt werden - eine Summe, die der neue Vorstand über sechs Jahre ratenweise ausgleichen will. Vier davon sind bereits geschafft. Bis 2015 soll der Verband, zumindest gegenüber den Krankenkassen, endlich schuldenfrei sein.

Bis dahin hofft Schatzmeister Gerlitzky außerdem auf eine Erhöhung der Kassenzahlungen für Rettungsdienste, die direkt zur Schuldentilgung eingesetzt werden könnte und es möglich machen würde, den Betrag sogar noch vor dem gesteckten Zeitrahmen zurückzuzahlen. "Auch danach werden wir allerdings noch hoch verschuldet sein", erklärte Gerlitzky. Dann stehen die Rückzahlungen an die Ortsvereine an, auf die die Schulden bei den Banken vorerst abgewälzt wurden. "Die Luft zum Atmen" nennt Gerlitzky diese Maßnahme - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Der Blick nach hinten schmerzt noch heute. "Rund 700.000 Euro wurden damals jedes Jahr kaputt gemacht. Das konnte der Verband nur aushalten, weil er zu dieser Zeit verhältnismäßig reich war", erinnerte sich Gerlitzky. Auch das umfangreiche Sanierungsprogramm des Vorstands greift in der diesjährigen Bilanz erst bedingt und bleibt auf dem Papier teilweise noch unsichtbar. Einnahmen werden sofort wieder von der Schuldentilgung aufgefressen. Zwar schreibt der Verband auch heute noch immer rote Zahlen, mit einem Fehlbetrag von rund 520.000 Euro konnte der neue Vorstand diese Negativbilanz im Vergleich zum Vorjahr allerdings bereits um mehr als die Hälfte reduzieren, und auch das Minimalziel in diesem Jahr ist erreicht: Am Ende des Tages steht ein positives Bilanzergebnis, der "Cashflow", der Saldo aus Aufwendungen und Erträgen, ist das erste Mal seit Jahren wieder positiv.

Kampf- und Aufbruchsstimmung schwangen deshalb in den Worten vieler Redner mit. "Wir standen kurz vor dem Zusammenbruch", meinte beispielsweise Geschäftsführer Karl-Heinz Spitznagel. "Man hat uns geraten, Teile des Kreisverbandes abzugeben, aber wir haben stattdessen Pläne gemacht und die ziehen wir jetzt durch. Wir geben nicht auf." Auch der vielseits gelobte Vorsitzende Utz Remlinger betonte, die wahren Erfolge des Sanierungsprogramms stünden erst noch bevor, aber man spüre bereits jetzt einen Stimmungsumschwung.

Der machte sich auch im Saal bemerkbar. "Letztes Jahr hätte ich ihnen, wäre ich hier gewesen, noch Mut zugesprochen. In diesem Jahr kann ich ihnen nur gratulieren", lobte Landrat Rainer Haas und betonte, der Vorstand habe in kürzester Zeit Beispielhaftes geleistet. Auch der Vizepräsident des Landesverbandes, Wolfgang Haalboom, sprach den Anwesenden Mut zu: "Es ist zwar noch zu früh, um von ruhiger See zu sprechen, aber der eingeschlagene Weg ist der richtige."

Abschließend wählten die rund 180 Delegierten Clemens Henze, Facharzt für Anästhesie, zum neuen Kreisverbandsarzt. Sein Stellvertreter wurde Dr. Karl Rösch.