Silvesterlauf Zebra schlägt Giraffe

Silvester-Spaßlauf: Trotz erheblicher Anstrengungen musste sich die Giraffe dem Zebra geschlagen geben.
Silvester-Spaßlauf: Trotz erheblicher Anstrengungen musste sich die Giraffe dem Zebra geschlagen geben. © Foto: Sandra Bildmann
Bietigheim-Bissingen / Sandra Bildmann 02.01.2018

Rund eine Dreiviertelstunde nach dem Startschuss schnauft im Zielbereich das Zebra und wartet auf die Giraffe. Zunächst machten Zebra und Giraffe noch gemeinsame Sache – „bis Kilometer sieben. Dann bin ich abgezogen“, sagt Max Paschke, der sich bei seiner vierten Teilnahme am Silvesterlauf erstmals in ein Zebra-Kostüm gesteckt hat. Eigentlich hätten die beiden Brüder aus Schwieberdingen noch weitere tierische Unterstützung geplant, „doch die anderen Leute waren entweder krank oder zu langsam“, sagt Paschke und lächelt. Beim Laufen habe das Kostüm nicht behindert, findet er, „es ist nur viel zu warm.“

Wie im Frühling

Außergewöhnlich milde Temperaturen um 15 Grad und Sonnenschein kehren die Atmosphäre 2017 ins komplette Gegenteil zum nasskalten Vorjahr. Aber auch das hielt die Besucher damals nicht davon ab, am Streckenrand die Läufer anzufeuern. Am selben Platz in der Hauptstraße wie im vergangenen Jahr stehen Martina Pfeiffer und Ingrid Lehnert. Mit Rätschen und BZ-Klatschstangen feuern sie nicht nur Läufer aus dem Familien- und Bekanntenkreis an, sondern bleiben am Absperrband stehen, bis der letzte Athlet an ihnen vorbei kommt. „Ich finde es schade, wenn die Leute schon weit vor dem Ende wieder gehen“, meint Lehnert. Schon seit über zehn Jahren gehöre das Event in der Bietigheimer Innenstadt einfach zu ihrem Silvester dazu, finden die Frauen und wissen die Gelegenheit auch für sich selbst zu nutzen. „Die jungen Leute würden dazu Vor­glühen sagen“, sagt Pfeiffer lachend.

Neben der Ziellinie hat man sich ebenfalls gerüstet. Bereits rund eine Stunde vor Rennbeginn postiert Heidi Neumann zwei Schilder für ihren Mann. „Jens du bist der Beste“ steht darauf, darunter der Hinweis auf die „Mistelhexen“: Jens Neumanns fast 20 Personen starker Fanclub kommt hauptsächlich aus der Ludwigsburger Fasnetszunft. Daneben montiert Zlatko Klic ein Holzbrett an das Absperrgitter und baut damit einen Behelfstisch, der als Ablage für Glühwein und Knabber­zeug herhalten muss. Mit Rätsche und Vuvuzela haben sich die Tammer Dauergäste beim Silvesterlauf auch akustisch gewappnet.

Vor allem in der Hauptstraße zwischen Marktplatz und Unterem Tor kocht die Stimmung. Julian Lamatsch bestätigt: „Da läuft man nicht langsam.“ Der Leistungssportler der LG Neckar-Enz lenkt in diesem Jahr das zweite Führungsfahrzeug, das vor dem Feld fährt und dafür sorgt, dass die Strecke frei ist. Früher hat der 24-Jährige selbst mehrfach am Silvesterlauf teilgenommen und erinnert sich: „Man setzt sich im Kopf Zwischenziele auf der Strecke.“ Eben dort, wo entweder Musiker oder Bekannte warten, die einen vorwärts peitschen.

Einige Teilnehmer fallen durch ihr Äußeres auf. Unter den mehr als 3100 Läufern finden sich beispielsweise auch ein Pinguin, zwei Rentiere, mehrere Pippi Langstrumpf, ein Superman und eine riesige Limonadenflasche.

Auf dem Trikot von Katja Burk dagegen ist das Bild eines Mädchens zu sehen. Bei der kleinen Ilya sei im April Leukämie diagnostiziert worden, erzählt Burk, die ursprünglich aus Walheim kommt. Es ist die Tochter einer in den USA lebenden Freundin. Um die Behandlungskosten finanzieren zu können, habe sie zusammen mit drei anderen Frauen beschlossen, mittels eines Fundraisingprojekts Spenden zu sammeln. Die Frauen laufen bei Wettbewerben über den ganzen Globus verteilt; Burk in Deutschland, zum ersten Mal in Bietigheim-Bissingen. Ilya sei Anfang Dezember im Alter von zweieinhalb Jahren gestorben, erzählt Burk. „Ich laufe hier trotzdem nochmal für sie.“

Einen weiteren Bericht über die Trommler auf der Strecke gibt es hier.

Den Silvesterlauf aus sportlicher Sicht gibt’s hier.

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