Fehlalarme tauchen immer wieder in der Jahresbilanz der Feuerwehren auf. Manche Wehr berichtet von einem beachtlichen Teil an Fehlalarmen pro Jahr. Doch ist das wirklich ein Problem? Die Bietigheimer Zeitung hat sich bei den Feuerwehren der Umgebung umgehört.

Täuschungsalarm

Für die Brandbekämpfer gibt es nicht „den Fehlalarm“. Die Fachleute unterscheiden zwischen einem Täuschungsalarm, einem Fehlalarm und einem böswilligen Täuschungsalarm. Bei einem Täuschungsalarm löst eine Brandmeldeanlage zum Beispiel in einer Industriehalle korrekterweise einen Notruf aus, da durch Bauarbeiten Staub aufgewirbelt wird. Auch der Anruf eines Nachbarn, der den Rauchmelder nebenan hört, weil vielleicht etwas zu stark angebraten wurde, zählt dazu. „Bei einem Fehlalarm löst die Brandmeldeanlage aus, obwohl tatsächlich kein Auslösegrund vorliegt“, erklärt Mike Etzel, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Bönnigheim.

Brandmeldeanlagen gibt es hauptsächlich in gewerblich und industriell genutzten Räumen. Sie senden bei einer Auffälligkeit im System sofort einen Notruf an die Leitstelle ab. Der böswillige Täuschungsalarm bedeutet, dass jemand absichtlich einen Rauchmelder manipuliert hat oder man wissentlich einen falschen Notruf absetzt. „Diese Einsätze hatten wir im vergangenen Jahr zum Glück überhaupt nicht“, berichtet Frank Wallesch, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Bietigheim-Bissingen.

22,64 Prozent der Einsätze zu denen die Einsatzkräfte in Bietigheim ausrückten, seien Fehlalarme gewesen. „Das hört sich vielleicht nach viel an, allerdings sind das bei der großen Anzahl an Unternehmen hier bei uns gerade einmal ein bis eineinhalb Einsätze pro Betrieb und Jahr“, beschwichtigt Wallesch. Die Täuschungsalarme aus privaten Haushalten seien jedoch sehr gering im Vergleich zu denen aus Gewerbeanlagen.

Kommandant Wallesch sieht dabei auch die Betriebe in der Verantwortung, die Mitarbeiter zu sensibilisieren: „Finden in einer Halle Umbaumaßnahmen statt, kann der Brandschutzbeauftragte zum Beispiel den jeweiligen Meldeabschnitt für die Zeit, in der es stark staubt, aussetzen.“

„Rund 50 Prozent der Einsätze unserer Wehr waren auf Einsätze in Zusammenarbeit mit Sachsenheim zurückzuführen. Ein beachtlicher Teil davon war auf Einsätze im Zusammenhang mit Brandmeldeanlagen, wie sie in größeren Industriebetrieben zu finden sind, zurückzuführen. Nicht selten wurden diese durch unsachgemäßen Umgang fälschlicherweise ausgelöst“, berichtet Tobias Grieble, Kommandant der Oberriexinger Feuerwehr.

Für Philipp Rousta, den Sachsenheimer Kommandanten, läuft die Zusammenarbeit mit dem Gewerbegebiet Eichwald hervorragend: „Breuninger hat uns bereits in der Bauphase kontaktiert, um sich mit uns abzustimmen. Wir konnten dadurch auch schon viele Probleme vermeiden. Die 21 Fehlalarme im vergangenen Jahr sind nicht überdurchschnittlich hoch“, so Rousta. Auch einen Täuschungsalarm, der nicht durch eine Brandmeldeanlage ausgelöst wird, sieht er als wenig problematisch an: „Mitten in der Nacht erhielten wir einen Notruf, dass ein Turm brennen würde. Das war allerdings dann nur die Fackel der Oberriexinger Biogasanlage, die auch brennen muss. Normalerweise sieht man die Flamme nicht, da Methan sehr hell brennt, doch in der Nacht muss die Zusammensetzung der Flamme sich stark verändert haben und war gut sichtbar.“ Doch dieser Anruf war sehr wichtig, denn jeder Bürger, der glaube einen Brand ausgemacht zuhaben, sei verpflichtet dies zu melden. „Wir wissen, dass die Leute nicht über das selbe Fachwissen verfügen wie wir, deshalb ist es wichtig, dass sie uns im Zweifelsfall immer rufen. Dafür sind wir da“, so Rousta.

Auch in Bönnigheim seien die Fehlalarme kein Problem. „Im Jahr 2018 hatten wir sechs Fehlalarmierungen, davon waren vier Täuschungsalarme und ein böswilliger Alarm. Bei insgesamt 37 Einsätzen macht dies gut 16 Prozent aus und hält sich im Rahmen“, betont Kommandant Etzel. Die Tatsache dass viele Brandmeldeanlagen weiterentwickelt werden, reduziere auch die Zahl der Fehlalarme.

Pflicht ist umgesetzt

Was die privaten Haushalte angeht, sind sich die Kommandanten in der Region weitgehend einig: „Wir haben den Eindruck, dass die Rauchmelder-Pflicht bei uns im Gebiet sehr gut umgesetzt ist. Nun liegt es allerdings an den privaten Haushalten darauf zu achten, dass die Rauchmelder korrekt angebracht sind und regelmäßig gewartet werden“, so Wallesch.

Wie wichtig die Rauchmelder sind, habe man bei dem tragischen Schwelbrand in Ludwigsburg am vergangenen Donnerstag gesehen, sagt Wallesch, bei dem zwei Menschen gestorben sind. Rauchmelder hätten dort wohl Leben retten können.

Worauf sollte man bei Rauchmeldern achten?


Die Rauchmelder müssen an der Decke angebracht werden, da Rauch sofort nach oben steigt. Jedoch sollte man beim Anbringungsort darauf achten, dass die Melder nicht zu nahe an Küche oder Bad hängen, denn Wasserdampf kann auch einen Alarm auslösen. Auch die regelmäßige Wartung ist wichtig: Sind die Batterien im Rauchmelder noch ausreichend stark und hat sich auch kein Staub auf den Sensor gelegt? Auf diese Dinge könne man auch achten, ohne Fachmann zu sein, sagt der Bietigheimer Feuerwehr-Kommandant Frank Wallesch.

In den vergangenen Tagen kamen bei Einsätzen oder in deren unmittelbarem Zusammenhang, drei Feuerwehrangehörige in Deutschland ums Leben. Einer davon im baden-württembergischen Crailsheim und zwei weitere in Bayern. Bundesweit sind deshalb zum Zeichen der Verbundenheit viele Feuerwehrfahrzeuge bis Ende Januar mit Trauerflor ausgestattet, so zum Beispiel die Fahrzeuge der Ludwigsburger Feuerwehr. pn