Schon seit vielen Jahren - die Anfänge reichen weit in die Amtszeit von Pilz' Vorgänger Martin Schwarz zurück - redet man im Hessigheimer Rathaus von barrierefreiem Wohnen in der Ortsmitte, genauer im Quartier zwischen Rathausstraße, Besigheimer Straße und Gartenstraße.

Zwischendurch verfolgte man den Plan, das barrierefreie Wohnen mit einer Einrichtung zur ambulanten Pflege und einem Gastronomiekomplex zu verknüpfen. Das Projekt wuchs auf ein geschätztes Volumen von zehn Millionen Euro und wurde in dieser Form 2013 in einer Bürgerversammlung der Öffentlichkeit vorgestellt. Danach wurde es ziemlich schnell ruhig. Die Suche nach einem Investor gestaltete sich zäher als erwartet und für die ambulante Pflege ließ sich partout kein Betreiber finden.

Jetzt ist das Projekt wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Die Architekten Gert-Wilhelm Bechtle (Bietigheim-Bissingen) und Michael Eisele (Hessigheim) präsentierten im Gemeinderat den neuesten Planungsstand. Dem Gremium war dieser nach einer langen Reihe nichtöffentlicher Beratungen indes nicht neu. Man hatte sich wohl zunehmend unter Druck gesehen, endlich an die Öffentlichkeit zu gehen und damit einer Forderung von Gemeinderat Erwin Ott nachzugeben.

Vom einst geschnürten Paket "barrierefreies Wohnen, ambulante Pflege. Gastronomie" sind die barrierefreien Wohnungen und die Gastronomie übrig geblieben. Letztere freilich deutlich abgespeckt. Aus dem geplanten Landgasthof für gehobene Ansprüche mit 26 Zimmern wurde eine Frühstückspension mit fünf Zimmern. Sie wird von Dr. Herbert Müller erbaut, in Hessigheim lebender Rechtsanwalt, bis 2012 Präsident der IHK Region Stuttgart und jetzt Gründer des Weinkonsortiums "Consortium Montis Casei" Konsortium Käsberg, das mit Hilfe des Hessigheimer Winzers Karsten Faschian am Wurmberg und am Mundelsheimer Käsberg exklusive Spitzenweine aus eigens neu bestockten Steillagen erzeugen möchte. Die Pläne für das "Landhaus Müller", wie es Architekt Michael Eisele nannte, sind bereits genehmigungsreif. An der Gartenstraße und der Besigheimer Straße ist ein aus zwei Baukörpern bestehender Komplex vorgesehen. Er wird im Obergeschoss fünf Fremdenzimmer aufnehmen. Im Dachgeschoss ist eine Wohnung für den Betreiber geplant. Die Gebäude werden mit einer, so Eisele, "historisierenden" Fassade versehen, damit sie sich besser in das Umfeld einfügen.

Neben dem "Landhaus Müller" soll an der Besigheimer Straße und der Gartenstraße der "Beginenhof" entstehen, so der Arbeitstitel für den von der Paulus Wohnbau GmbH aus Pleidelsheim geplanten Wohnkomplex für barrierefreies Wohnen. Er soll 16 Wohnungen oder Apartments bieten, die über Laubengänge erschlossen werden. Zwei oder drei Wohnungen sollen auch für Familien geeignet sein. Konkrete Pläne wie für das "Landhaus Müller" gibt es allerdings noch nicht.

Die Bushaltestelle in der Gartenstraße soll direkt vor den Haupteingang des "Beginenhofs" verlegt werden. Dessen Name leitet sich ab von der historischen Vergangenheit des Areals, auf dem Heimatpfleger Gerhard Haiber ein untergegangenes Nonnenkloster vermutet. Beginen waren Frauen, die ein frommes, eheloses Leben in ordensähnlichen Hausgemeinschaften führten.

Gemeinderätin Heide Mozer vermisste bei den vorgestellten Projekten die zeitweilig diskutierte genossenschaftliche Idee, mit der sich auch eine Steuerungsgruppe hätte befassen sollen, die aber nie getagt habe. Erwin Paulus von der Paulus Wohnbau GmbH zeigte sich aufgeschlossen, auch über genossenschaftliche Modelle nachzudenken: "Wenn es Leute gibt, die bereit sind, ins Baurisiko zu gehen - gerne."