IHK-Erhebung Wohlhabende Region mit starker Kaufkraft

Shopping-Glück in der Region Stuttgart: In der Region ist die Kaufkraft sehr hoch. Ein Großteil des Geldes wird unter anderem in Ludwigsburg ausgegeben.
Shopping-Glück in der Region Stuttgart: In der Region ist die Kaufkraft sehr hoch. Ein Großteil des Geldes wird unter anderem in Ludwigsburg ausgegeben. © Foto: Carsten Rehder
Andreas Lukesch 10.08.2018

Die Region Stuttgart strotzt vor Kraft – auch vor Kaufkraft. Das beweist einmal mehr die jährlich neu aufgelegte Erhebung der IHK  zur Situation des Einzelhandels, die zugleich eine Art Wohlstandsstudie der Region ist und am Donnerstag vorgestellt wurde.

Danach verfügen die Einwohner der Region im Jahr 2018 über eine sogenannte einzelhandelsrelevante Kaufkraft von 21 Milliarden Euro. Dies entspricht mehr als einem Viertel des gesamten Kaufkraftvolumens in Baden-Württemberg. Von der regionalen Kaufkraft fließen 17,4 Milliarden Euro in den stationären Einzelhandel. Die große Kaufkraft spiegelt den Wohlstand der Einwohner wider, der im Deutschlandranking nach dem Großraum München zusammen mit dem Rhein-Main-Gebiet und dem Umland von Hamburg Platz zwei einnimmt.

Das verbleibende Kaufkraftvolumen von rund 3,6 Milliarden Euro, das nicht in den stationären Einzelhandel fließt, wird überwiegend im Online- und Versandhandel, aber auch außerhalb der Region ausgegeben.

Zu den absoluten Kaufkraftmagneten in der Region gehört Ludwigsburg mit einer Zentralitätskennziffer von 168,2 (siehe zur Erklärung Infobox). Das bedeutet, es fließt viel mehr Einkaufsgeld in die Stadt als aus ihr heraus. Oder anders ausgedrückt: Der stationäre Einzelhandel generiert Umsätze, die deutlich über der örtlichen Kaufkraft liegen. Nur Sindelfingen, Backnang und Göppingen weisen in der Region vergleichbare Kennziffern auf. Im Landkreis verzeichnen neben Ludwigsburg noch Bietigheim-Bissingen (117,1) und Steinheim (120,6) einen Indexwert über 100. Schlusslicht im Kreis ist traditionell Tamm mit einer Zentralitätskennziffer von 38,6. Das bedeutet: Aus Tamm fließt erheblich mehr Kaufkraft nach außen ab, als im Ort gebunden werden kann. Der Wert verwundert nicht angesichts der dortigen Einzelhandelssituation mit einem großen Shopping-Center direkt vor der Haustür, das aber zu Ludwigsburg gehört.

Aber auch Freiberg (44,7) und Markgröningen (47,1) liegen mit ihrer Zentralitätskennziffer unter 50.

Pro-Kopf-Kaufkraft

Einigen Aufschluss über das Shopping-Verhalten der Einwohner gibt auch die einzelhandelsrelevante Kaufkraft pro Kopf. In Ludwigsburg liegt sie bei 7337 Euro, in Sachsenheim bei 7211 Euro und in Bietigheim-Bissingen gar bei 7944 Euro. Die Doppelstadt übertrifft damit sogar Stuttgart, das es auf 7710 Euro Kaufkraft pro Einwohner bringt. Und auch in Tamm wird gut verdient: Dort beträgt die Kaufkraft pro Kopf 8000 Euro. Einen Wert unter 7000 Euro erreicht keine einzige Landkreis-Kommune.

Was bedeutet das für den Umsatz im stationären Einzelhandel? Er wird etwa für Ludwigsburg  mit einer Jahressumme von einer Milliarde Euro insgesamt angegeben oder 10 905 Euro pro Einwohner – ein Spitzenwert in der Region Stuttgart. Aber auch Bietigheim-Bissingen kann sich sehen lassen. Knapp 360 Millionen Euro Jahresumsatz hat die IHK berechnet bei einem Pro-Kopf-Umsatz von 8222 Euro. Der Sachsenheimer Einzelhandel kommt im IHK-Ranking der Gemeinden über 10 000 Einwohner auf 76 Millionen Euro Gesamtumsatz beziehungsweise 4112 Euro pro Einwohner.

„Trotz Debatten um Luftreinhaltung und Fahrverbote beweist die Region ihre Anziehungskraft für Konsumenten. Das ist ein starkes Signal vor allem für den stationären Einzelhandel“, sagte IHK-Präsidentin Marjoke Breuning bei der Präsentation der Zahlen. „Hier können Händler mit kundenorientierten Angeboten und klugen Konzepten auch gute Geschäfte machen“, so Breuning. Der Einzelhandel sei zudem ein bedeutender Faktor für die Attraktivität einer Stadt. Kommunale Verwaltung und Politik sollten deshalb die Rahmenbedingungen für Händler noch stärker in den Fokus nehmen. Umfassende Verkehrsbeschränkungen, großflächige Ansiedlungen von Einkaufszentren in Randlagen oder ein Übermaß an Bürokratie gefährdeten den Erfolg der Einzelhandelsbetriebe und machten Innenstädte unattraktiver.

Info Die IHK-Studie auf Grundlage von Zahlen der Michael Bauer Research GmbH, der CIMA Beratung + Management GmbH und der BBE Handelsberatung GmbH gibt es unter 4156550 auf

www.stuttgart.ihk.de

Zahlen und Fakten

Kaufkraft Die Bandbreite bei der Pro-Kopf-Kaufkraft in der Region reicht von 8984 Euro (Gerlingen) bis 6444 Euro (Geislingen an der Steige). Gerlingen ist damit auf Rang dreizehn unter den fast 1600 Gemeinden in Deutschland mit mehr als 10 000 Einwohnern. Beim Einzelhandelsumsatz pro Kopf ist die Bandbreite noch größer. Sie bewegt sich zwischen 11 159 Euro (Sindelfingen), knapp gefolgt von Ludwigsburg mit 10 905 Euro bis hin zu 2558 Euro in Korb.

Zentralitätskennziffer Die Zentralitätskennziffer zeigt die Kaufkraftbindung einer Stadt oder Gemeinde an und gibt den Netto-Kaufkraftzufluss von oder -abfluss nach außen an. Bei einem Wert über 100 gilt, dass die Kaufkraftzuflüsse aus dem Umland die Kaufkraftabflüsse aus dem Stadtgebiet übersteigen. Bei einem Wert unter 100 überwiegen die Abflüsse an das Umland die Zuflüsse von dort. Kaufkraftzu- und abflüsse beziehen sich eigentlich auf die Absolutbeträge in Euro, in denen bei der einzelhandelsrelevanten Kaufkraft auch der Online- und Versandhandel enthalten ist.

Kaufkraftindex Der Kaufkraftindex stellt die Kaufkraft einer Region oder Kommune im Verhältnis zum nationalen Durchschnitt dar. Der nationale Durchschnitt liegt bei 100. Eine Stadt, deren Einwohner zum Beispiel eine Pro-Kopf-Kaufkraft auf 25 Prozent höherem Niveau als der Bundesdurchschnitt aufweist, hat den Index 125 – und umgekehrt. bz

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