Osmanen-Prozess Woher kommt das Geld für die Waffen?

Kreis Ludwigsburg/Stuttgart / Von Bernd Winckler 18.08.2018

Am letzten Prozesstag gegen Osmanen Germania vor der Sommerpause ging es am Freitag ausschließlich um die Finanzen des rockerähnlichen Boxclubs. Darüber hinaus wurden weitere Haftaufhebungsanträge  vom Gericht abgelehnt – insbesondere der Haftbefehl gegen den 35-jährigen Angeklagten, der bei dem brutalen Überfall in Ludwigsburg dabei gewesen sein soll. Hier wiesen die Richter den Antrag des Verteidigers auf Außervollzugsetzung des Haftbefehls zurück, obwohl inzwischen statt Tötungsversuch  eher ein Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung vorliegen könnte. Vom Landgericht Darmstadt wurde jetzt definitiv die Haftfortdauer gegen den hauptbeschuldigten „Osmanen-Welt-Präsident“ Mehmet Bagci angeordnet.

En Ermittler des Landeskriminalamts hat als Zeuge zwar festgestellt, dass unter den Osmanen teils hohe Beträge in bar auf Privatkonten eingezahlt, aber auch umgebucht wurden. Doch die Kontobewegungen seien „ungewöhnlich“, sagt er. Es geht dabei um Beträge von bis zu 177 000 Euro. Welche Gelder „Welt-Präsident“ Bagci persönlich und angeblich von einem türkischen Regierungsmitglied in fünfstelliger Höhe in einem Umschlag für Waffenkäufe bekommen habe, wie das ZDF in einer Sendung offenbarte, konnte die Polizei nicht ermitteln.

Geld für Waffen gebraucht

Geld benötigten die Osmanen  offensichtlich ausschließlich für den Kauf ihrer Waffen. Mit einer Pistole aus russischer Produktion wurde einem aufmüpfigen Mitglied ins Bein geschossen.  Bagci soll sogar in der Schweiz eine 9000 Euro teure Maschinenpistole gekauft haben. Mehrere halbautomatische Waffen und Schlagwerkzeuge sollen sich im Besitz des ebenfalls angeklagten Waffenmeisters des Clubs, Levent Uzundal, befunden haben. 

Martin Stirnweiss, Verteidiger des Osmanen-Präsidenten-Stellvertreters Toni Wörz, hat in einem Gespräch mit der BZ den möglichen Ausgang dieses Mammutverfahrens vorgezeichnet: Die Anklage sei zu sehr aufgeblasen, es werde wenig heraus kommen, durch die lange U-Haftzeit werden einige der acht Männer schnell wieder frei sein. Und der Grund, warum alle Beschuldigten eisern schweigen, läge auch darin, dass sie Angst vor einem späteren Rollkommando des Clubs haben. Clubregel Nummer 2: „Spreche nie mit der Polizei oder dem Gericht.“

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