Die dunkle Jahreszeit stellt alle Verkehrsteilnehmer vor besondere Herausforderungen. Die BZ widmet sich in dieser Woche in einem Wochenschwerpunkt der Frage, wie man sicher durch Herbst und Winter  kommt.

„Das Problem ist nicht das Wetter“, sagt Jutta Kuhn, Vorsitzende der Kreisverkehrswacht Ludwigsburg, zu den besonderen Anforderungen an Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer in der kalten Jahreszeit. Dass man bei Regen, Wind und Schnee vermehrt unsichere Verkehrsteilnehmer beobachte, liege vielmehr an den Menschen selbst, die sich nicht der Wetterlage anpassten.

Schon im September hat die Verkehrswacht deshalb Radfahrer fit gemacht für den Herbst und Winter. „Es gibt alle Sicherheitsvorrichtungen, man muss sie nur nutzen“, erklärt Kuhn und meint damit nicht nur die Ausrüstung wie Lichter, Reflektoren und geeignete Kleidung. Auch die Einstellung sei wichtig: „Der Abstand ist im Winter das A und O“, sagt sie. Besonders Autofahrer neigten dazu eher zu schnell unterwegs zu sein, weil die modernen Wagen dazu verleiteten.

Anders sieht es bei den Radfahrern aus. „Heute wird kein Rad mehr verkehrssicher verkauft. Das muss man alles selbst hinzukaufen“, erklärt Kuhn. Gerade wer im Winter Rad fährt sollte über Winterreifen – die gibt es auch für unmotorisierte Zweiräder –, Licht, Reflektoren und eine Warnweste eindringlich nachdenken. „Die Wenigsten wissen, dass man im Winter den Sattel tiefer stellen sollte, damit man im Notfall schneller die Füße auf den Boden bekommt“, rät die Verkehrsexpertin.

Grundsätzlich fehlt es aus Sicht von Kuhn auch am Einfühlungsvermögen. Als Autofahrer ärgerten sich viele, wenn ein Fußgänger schlecht zu sehen ist, achten dann aber als als Fußgänger selbst nicht auf entsprechende Kleidung und Sichtbarkeit. „Neulich hatte ich eine Elternveranstaltung und da wurde ich gefragt, was man den Kindern noch mit auf den Weg geben könnte. Die Kinder achten aber meist mehr auf Sichtbarkeit als die Erwachsenen selbst“, sagt Kuhn.

Laut Polizeipräsidium gab es in Bietigheim-Bissingen im Oktober diesmal mehr Fahrradunfälle als in den vergangenen Jahren. In diesem Jahr waren es acht, vor einem Jahr sechs und 2017 zwei in dem Monat in dem meist das Wetter beginnt sich jahrestypisch zu ändern und es früher dunkel wird. Bei den Fußgängern ist ein solcher Trend nicht erkennen am Beispiel Bietigheim-Bissingens. „Gezielte Schwerpunktaktionen zur Verkehrssicherheit im Herbst führen wir nicht durch, da sich die Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger bei Dunkelheit im Vergleich zu anderen Jahreszeiten nicht grundlegend ändern“, erklärt Polizeisprecher Peter Widenhorn auf Anfrage der BZ. Entsprechende Kontrollaktionen durch die Polizeireviere und die Mitarbeiter Verkehrsprävention finden das ganze Jahr hindurch statt.

„Bei diesen Kontrollen fallen immer wieder auch Radfahrer auf, die die vorgeschriebene Beleuchtung nicht benutzen oder aber gar keine beziehungsweise defekte Beleuchtung dabeihaben“, so Widenhorn. Die eigene Erkennbarkeit durch helle, reflektierende Kleidung sei für Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen von Bedeutung und das Polizeipräsidium könne nur appellieren, entsprechende Bekleidung zu benutzen.

Info Weitere Texte zum Wochenschwerpunkt erscheinen in den kommenden Tagen und behandeln die Themen Wildunfälle im Kreis und die Arbeit der Straßenwacht.