In Deutschland leben gegenwärtig rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz. Jährlich treten mehr als 300 000 Neuerkrankungen auf und die Zahl der Demenzkranken nimmt durch den demografischen Wandel kontinuierlich zu. Wenn kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird es bis 2050 rund drei Millionen an Demenz Erkrankte geben. Dies prognostiziert die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG). Der Umgang mit demenziell Veränderten jedoch, fällt vielen schwer, da sich die Betroffenen oft stark wandeln.

Demenz besser verstehen

Vom 12. bis 21. September findet im Landkreis Ludwigsburg die Woche der Demenz statt, die unter dem Motto „Einander offen begegnen – Impulse und Informationen für ein gelingendes Miteinander“ steht. Verschiedene Veranstaltungen sollen dabei helfen, die Krankheit besser zu verstehen und das Miteinander zu verbessern (siehe Text unten). Unter anderem findet am Samstag im Landratsamt Ludwigsburg ein Vortrag von Felix Gaudo für ehrenamtliche Pflegekräfte statt. Gaudo ist Moderator, Clown und Humor-Experte.

Ein Clown bei einem so ernsten Thema wie Demenz? Ja, sagt er. „Clowns, beispielsweise Klinik-Clowns, tun Kindern, aber auch Senioren, Angehörigen sowie den Pflegern gut.“ In den Niederlanden werden Klinik-Clowns von den Krankenkassen finanziert, berichtet er, denn Spaß sei heilsam. „Die Clowns jedoch, die sind schnell wieder weg. Wer jedoch immer da ist, das sind die Mitarbeiter.“

Durch ein persönliches Erlebnis mit seiner Tochter ist der zweifache Vater mit den Klinikclowns in Berührung gekommen. Zuvor war er bereits als Schauspieler und Entertainer unterwegs, ebenso als Moderator und Comedian für Events. Auch war er Mitbegründer des „Think-Theatres“, das sich auf Live-Infotainment für Unternehmen spezialisiert hat, dort lernte der 55-Jährige Dr. Eckart von Hirschhausen kennen, durch den er auf das Thema Gesundheitswesen gekommen sei und sich als Klinik-Clown in dessen Stiftung „Humor hilft heilen“ engagierte. „Ich bin eigentlich kein Profi in Sachen Demenz“, sagt Gaudo im Gespräch mit der BZ und lacht. Jedoch kümmere er sich in seinen humorvollen Vorträgen viel um die Berufsgruppe der Pfleger, seit 2017 ist er auch Gastdozent an Pflegeschulen. „Leute, die in der Pflege arbeiten, müssen sich vielen unterschiedlichen Herausforderungen stellen. Sie müssen nicht nur Fach- sondern auch Sozialkompetenz mitbringen“, sagt der Humor-Trainer. Es müsse eine Beziehung zu den Erkrankten aufgebaut werden und Humor sei ein tolles Mittel dazu, ebenso gegen Stress. „Um nicht auszubrennen oder die Freude am Beruf zu verlieren, ist Humor der Schlüssel. Menschen, die sagen ‚ich liebe meinen Beruf’, haben nicht weniger Stress. Jedoch gehen sie anders damit um“, sagt Gaudo. „Ich bin kein blauäugiger Clown, ich befasse mich viel mit der wissenschaftlichen Seite von Humor: Gelotologie (untersucht die körperlichen und psychischen Auswirkungen des Lachens), positive Psychologie und Verhaltensforschung.“

Humor als sozialer Klebstoff

Humor sei der soziale Klebstoff. Auch könne er durch schwierige Situationen helfen. Eine Altenpflegerin habe ihm erzählt, dass ein demenziell veränderter Heimbewohner heftig die Mitarbeiterinnen angegraben hätte. Das habe natürlich für Unwohlsein gesorgt. So lange, bis eine Kollegin die Idee gehabt habe, zu dem Mann zu sagen: „Dafür ist doch die Gerda im Büro zuständig.“ Man habe den Mann dann zu einem Büro begleitet – bis er dort allerdings ankam, hatte er bereits vergessen, was er eigentlich wollte. Die unangenehme Situation habe sich aufgelöst, ja sogar in Lachen verwandelt.

Beim Vortrag im Landratsamt wird der Humor-Experte den ehrenamtlichen Pflegern Tipps geben, wie Humor in der Kommunikation – auch mit Demenzkranken – eingesetzt werden kann sowie Humor-Techniken an die Hand geben, die Gelassenheit trainieren. Gaudo zitiert den römischen Kaiser Marc Aurel: „Mit der Zeit nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an.“

Tipp vom Humor-Profi für die BZ-Leser


„Überlegen Sie kurz, über was Sie gestern gelacht haben. Den meisten fällt nichts ein“, sagt Felix Gaudo. Schnell jedoch falle einem ein, über was man sich geärgert habe. „Das Gehirn bewertet das Lustige als unwichtiger. Das Gehirn ist ein gutes Instrument zum Überleben, aber ein schlechtes, um glücklich zu werden“, sagt der Humor-Experte und empfiehlt ein Humortagebuch, in dem lustige Anekdoten festgehalten werden. Beim erneuten Lesen komme gute Laune auf, auch habe man für Vorträge und Präsentationen lustige Anekdoten parat. hevo

Kreis bietet Veranstaltungen zum Thema Demenz an


Im Rahmen der Woche der Demenz, vom 12. bis 21. September, bietet der Landkreis verschiedene Veranstaltungen an, um die Krankheit besser zu verstehen und den Umgang mit Betroffenen zu erleichtern. Auch gibt es viele Aktionen, die sich gerade an demenziell Veränderte und deren Angehörige richten.

Am Sonntag, 15. September, von 15 bis 16 Uhr werden im katholischen Gemeindehaus „Zur Heiligen Familie“, Ziegelstraße 4 in Marbach Lieder aus der Vergangenheit, „Lieder, die man nicht vergisst“ gesungen.

Am Montag, 16. September, sind Erkrankte sowie Angehörige eingeladen, beim MTV Ludwigsburg im Bewegungszentrum II, Brünner Straße 11, mit Irmgard Loreth Sportübungen auszuüben – ob mit Rollator oder Gehhilfen.

Am gleichen Tag gibt es im Enzpavillon, Am Bürgergarten 1 in Bietigheim-Bissingen, einen Nachmittag für Menschen mit Demenz und deren Angehörige. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Am Dienstag, 17. September, liegt im evangelischen Gemeindehaus Paul Gerhardt, Schulweg 10 in Besigheim, von 10.45 bis 11.45 Uhr Musik in der Luft: Das gemeinsame Erleben und Gestalten von Musik ist ein wichtiger Bestandteil der psychosozialen Betreuung von Senioren. Musik belebt das Gedächtnis und weckt verloren geglaubte Erinnerungen, so die Lokale Allianz Besigheim.

Am Mittwoch, 18. September, um 19.30 Uhr im Caligari Kino Ludwigsburg, Akademiehof 9, wird der Dokumentarfilm „Das innere Leuchten“ von Stefen Sick, der an der Filmakademie studiert hat, gezeigt.

Am Donnerstag, 19. September, 17 bis 18.30 Uhr, hält Dr. Rainer Schaub, Chefarzt der Klinik für Gerontopsychiatrie und Psychotherapie, in der Konferenzzone des Kreishauses Ludwigsburg den Vortrag „Demenz und was jetzt?“. Weitere Veranstaltungen stehen online unter „Themen und Service – Broschüren“.

Das gesamte Programm ist auf der Homepage des Landkreises zu finden.

www.landkreis-ludwigsburg.de