Windkraft Windkraft in der Flaute

Das bestehende Windrad in Ingersheim (hier eine Luftaufnahme) dürfte im Kreis nicht viel Gesellschaft erhalten. Der Planungsausschuss der Region Stuttgart hat nur noch einen weiteren Windkraftstandort (in Korntal-Münchingen/Schwieberdingen) empfohlen.
Das bestehende Windrad in Ingersheim (hier eine Luftaufnahme) dürfte im Kreis nicht viel Gesellschaft erhalten. Der Planungsausschuss der Region Stuttgart hat nur noch einen weiteren Windkraftstandort (in Korntal-Münchingen/Schwieberdingen) empfohlen. © Foto: Martin Kalb
Kreis Ludwigsburg/Stuttgart / UWE MOLLENKOPF 17.09.2015
Windradgegner können triumphieren, für Befürworter ist es eine bittere Pille: Im Planungsausschuss der Region fielen am Mittwoch fast alle Standorte im Landkreis durch. Zu wenig Wind, zu klein, zu viel Konflikte, so die Argumente.

Einsam dreht sich derzeit das Windrad auf Ingersheimer Gemarkung. Geht es nach dem Planungsausschuss der Region Stuttgart, wird es auch künftig nicht viel Gesellschaft im Landkreis Ludwigsburg erhalten. Das Gremium hat am Mittwoch von zehn möglichen Standorten, die als Vorranggebiete für Windkraft im Regionalplan zur Diskussion standen, nur für denjenigen in Korntal-Münchingen/Schwieberdingen eine Empfehlung ausgesprochen. Für das Ingersheimer Windrad gibt's Bestandsschutz.

Ansonsten hagelte es Absagen: Ein weiterer Standort in Ingersheim ("Hoher Markstein/Salen"), die ins Auge gefassten Standorte in Bönnigheim ("Rotenberg/Saukopf"), Kirchheim ("Haghof"), Bietigheim-Bissingen ("Abendberg"), Sachsenheim-Ochsenbach ("Salenhau"), Sachsenheim-Hohenhaslach ("Schlierkopf"), Tamm ("Südlicher Rotenacker"), Steinheim ("Grießberg") und in Vaihingen-Gündelbach/Ensingen fielen alle mehrheitlich durch.

Auf die ganze Region bezogen blieben 44 von 70 Standorten übrig. Das letzte Wort hat am 30. September die Regionalversammlung, erklärte Planungsdirektor Thomas Kiwitt.

Viele Gegner und Befürworter der Windkraft waren zu der Sitzung gekommen, die im Silchersaal des Kultur- und Kongresszentrums Liederhalle in Stuttgart stattfand. Sie erlebten zumeist recht klar abgesteckte Fronten. Auf der einen Seite die größte Fraktion, die CDU, die sich windkraftkritisch gab. Von den 70 Standorten in der ganzen Region, die zur Abstimmung standen, hielt sie nur 30 für verantwortbar, erklärte ihr Sprecher Jürgen Lenz (Landkreis Göppingen). In einer dicht besiedelten Region wie Stuttgart dürften mit Rücksicht auf die Lebensqualität der Bevölkerung und den Landschafts- und Naturschutz nur Standorte ausgewählt werden, die windreich und raumverträglich seien und eine gewisse Größe hätten, gab er die Marschroute vor.

Unterstützung kam von Kai Buschmann (Remseck), dem Fraktionsvorsitzenden und einzigen Vertreter der Liberalen im Ausschuss. Er forderte die Einhaltung eines Mindestabstandes von 1000 Metern zu Siedlungen. Es sei nicht einzusehen, dass die windarme Region Stuttgart mehr Vorranggebiete ausweise als beispielsweise die windreichen Regionalverbände Ostwürttemberg, Heilbronn-Franken und Donau-Iller zusammen. Auch AfD-Vertreter Stephan Wunsch (Murr) schloss sich dieser Argumentation an.

Auf der anderen Seite die Befürworter: Man werde sich an den Anblick von Windrädern in der Region gewöhnen müssen, erklärte Dorothee Kraus-Prause (Kreis Göppingen), die Sprecherin der Grünen im Ausschuss. Die Vertreter der Linken wollten auf keinen Standort verzichten. Seitens der SPD hielt Matthias Hahn (Stuttgart) 59 von 70 Standorten für tragbar. Die Sprecher von SPD, Grünen und Linken argumentierten, man müsse insbesondere Bürgergenossenschaften, die Windräder bauen wollten, eine Chance geben, auch wenn die Rendite nur klein sei. Bei der Genehmigungsplanung durch die Landratsämter werde ohnehin noch der eine oder andere Standort wegfallen. Die Gegenseite konterte, man dürfe die Entscheidung nicht an andere weiterreichen.

Dazwischen standen sozusagen als Zünglein an der Waage die Freien Wähler, die sich, wie ihr Sprecher Wilfried Wallbrecht (Esslingen) sagte, streng an einer vom Regionalverband erarbeiteten Matrix orientierten. Darin werden Windangebot, Flächengröße und Freiraumqualität bewertet. Was hier schwach abschnitt, fiel bei den Freien Wählern durchs Raster - ein Faktor, der besonders zu Lasten des Landkreises Ludwigsburg ging.

Denn hier sind die Windgeschwindigkeiten vergleichsweise niedrig, die Flächen eher klein. Hinzu kamen Bedenken wegen des Natur- und Artenschutzes, welche die CDU mit Blick auf die Standorte im Stromberg (Bönnigheim, Sachsenheim und Vaihingen) sah. Als konfliktreiche Gebiete wurden sowohl die Strombergstandorte wie auch Tamm (wegen Eingriffen in den Forst) gesehen. Im Falle des Kirchheimer Standorts warb vor allem Friedhelm Hoffmann (Kornwestheim) von der Linken für eine Aufnahme als Vorranggebiet in den Regionalplan. Die Kritik, die aus Lauffen käme, sei überzogen. Aber auch in diesem Fall kippte eine Mehrheit den Standort und sorgte dafür, dass die Windkraft im Kreis Ludwigsburg nun ziemlich in der Flaute steckt.

Für Ingersheim wurde mehrheitlich eine Verkleinerung des Vorranggebiets beschlossen. Mit der Folge, dass das bestehende Windrad drin ist und Bestandsschutz genießt, ein weiterer Standort Richtung Kleiningersheim aber vom Tisch ist. Ansonsten fielen die Beschlüsse über die Windkraftstandorte im Landkreis Ludwigsburg ohne große Diskussion.

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