Kliniken Wie sich Kliniken ihren Ärzten empfehlen

OP-Besteck in einer Klinik: Der Arzt ist immer noch einer der am höchsten angesehenen Berufe. Doch die Kliniken müssen sich etwas einfallen lassen, um junge Ärzte an ihr Haus zu binden.
OP-Besteck in einer Klinik: Der Arzt ist immer noch einer der am höchsten angesehenen Berufe. Doch die Kliniken müssen sich etwas einfallen lassen, um junge Ärzte an ihr Haus zu binden. © Foto: Uwe Anspach
Kreis Ludwigsburg / Von Andreas Lukesch 06.07.2018

Mit „alarmierenden“ Zahlen schreckten die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und die Krankenhausgesellschaft unlängst Baden-Württemberg auf. Dem Land drohe ein Kahlschlag in der Ärzte- und Pflegelandschaft. Allein 500 Hausarztpraxen würden in den kommenden Jahren voraussichtlich nicht wieder besetzt werden, heißt es. Und der Schwund trifft längst nicht mehr allein das flache Land, sondern zunehmend auch die Städte und die Kliniken. Auch dort herrscht akuter Personalnotstand. Obwohl die medizinischen Studiengänge im ganzen Land übervoll sind, verwies Detlef Piepenburg, Vorstandsvorsitzender der Landeskrankenhausgesellschaft, laut Ärzte-Zeitung auf 400 nicht besetzte Ärzte- und 1200 vakante Pflegestelle in den Kliniken.

Eine Größenordnung, zu der die Regionale Kliniken Holding Ludwigsburg (RKH) offenbar nur einen bescheidenen Beitrag leistet. „Wir haben im Verbund 894 ärztliche Vollzeitstellen und 16 freie Stellen. Das ist aber kein Besetzungsnotstand, sondern normale Fluktuation“, sagte RKH-Geschäftsführer Prof. Dr. Jörg Martin der BZ auf Anfrage. Deutlich schwieriger sei die Situation da schon beim Fachpflegepersonal.

Ein Vorteil der Holding ist ihre Größe. Unter ihrem Dach finden sich die Häuser in Ludwigsburg und Bietigheim, aber auch in Bruchsal, Mühlacker und Bretten. Ein so großer Verbund befinde sich zwar auch im Wettbewerb, könne Ärzten aber auch ein insgesamt breiteres Angebotsspektrum bieten, erklärt Martin. Will heißen: Die RKH-Kliniken locken Ärzte mit der fachlichen und finanziellen Ausstattung ihrer Arbeitsplätze, aber auch mit weichen Standortfaktoren.

Digitalisierung

So unterstützt der Arbeitgeber bei der Administration oder bietet etwa ein elektronisches Nachschlagewerk fürs Smartphone an. „Da muss niemand mehr in Büchern nachschauen, ein großer Vorteil“, sagt Martin. Auch das in Vaihingen aufgebaute Simulationszentrum kommt gut an. Moderne Technik sei für junge Ärzte von herausragender Bedeutung. Deshalb, aber auch aus Gründen der Effizienz treibt Martin „temporeich“ die Digitalisierung im Klinikbetrieb voran.

Doch mit moderner Technik allein lässt sich das ärztliche Fachpersonal nicht locken. Dazu gehören auch Kooperationen und Flexibilität. Es gibt zahlreiche Verträge mit Hausärzten. Die Kliniken unterstützen Mediziner, die sich im Anschluss an ihre Ausbildung niederlassen wollen. Das geschieht durchaus auch aus Eigennutz. „Wir brauchen die niedergelassenen Ärzte in der Fläche. Ohne sie werden wir die medizinische Versorgung doch gar nicht schaffen“, sagt der Kliniken-Chef.

Doch ebenso wie der allein vor hin doktorende Landarzt ein Auslaufmodell ist, gehört auch der rund um die Uhr malochende OP-Arzt der Vergangenheit an. „Die Studiengänge sind voll, aber der Bedarf an Ärzten wächst ebenso. Wir verzeichnen zum Beispiel einen deutlichen Trend zur Teilzeit. Damit müssen wir umgehen und darauf reagieren. Deshalb haben wir zum Beispiel einen Betriebskindergarten“, sagt Martin.

Und was ist mit den Arbeitsbedingungen und der Bezahlung? Martin verweist auf das Arbeitszeitgesetz, an das natürlich auch die Holding gebunden sei. Die Einstiegsgehälter für Klinikärzte seien zudem im Vergleich etwa zu Ingenieursberufen so schlecht nicht.

Info Für Job-Interessierte, aber auch zur Aus- und Weiterbildung etwa in der RKH-Akademie betreibt die Holding ein eigenes Karriere-Portal.

www.rkh-karriere.de

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