Nahezu alle Zeitungstitel in Baden-Württemberg haben an diesem Mittwoch die gleiche Seite 1. Mit einem gleichlautenden Text und den Unterschriften aller Chefredakteure. Hintergrund ist die Aktion „Journalismus zeigt Gesicht“ des Verbandes Südwestdeutscher Tageszeitungsverleger (VSZV). Um zu zeigen, dass wir der Wahrheit verpflichtet sind. Die Aktion wird in den kommenden Wochen weitergeführt – weil wir Gesicht zeigen wollen für guten Journalismus, für unsere Arbeit. Diese Kollegen schauen jeden Tag genauer hin, damit die Leser klarer sehen. Ihr Einsatz und ihr Verantwortungsbewusstsein prägen die Qualität des Journalismus.

Auch die BZ mit ihren Lokalausgaben Bönnigheimer und Sachsenheimer Zeitung beteiligt sich an der Aktion. Warum? Weil wir überzeugt davon sind, dass guter Journalismus heute wichtiger ist denn je. Anders als bei Facebook und Co. können sich unsere Leser bei uns auf eine lokale Berichterstattung verlassen, die sich an Qualitätskriterien ausrichtet. Wir behaupten nicht einfach, wir recherchieren und prüfen unsere Quellen, bevor wir einen Artikel verfassen. Wir orientieren uns bei der Themenauswahl an deren Relevanz für unsere Leser.

Wir haben unser Handwerk gelernt und wissen, dass wir alle Seiten anhören müssen, bevor wir über ein Thema schreiben können. Wir verlassen uns nicht aufs Hörensagen, wir fragen nach. Wir sind niemandem gegenüber verpflichtet, wir sind unabhängig. Für unsere Gesprächspartner sind wir manchmal anstrengend – weil wir es genau wissen wollen und uns der Wahrheit verpflichtet fühlen. Und wenn uns Fehler unterlaufen? Dann stellen wir diese richtig.

In unseren Berichte lassen wir alle Seiten zu Wort kommen, in unseren Kommentaren ordnen wir kontrovers diskutierte Themen ein und beziehen Stellung. Damit geben wir unseren Lesern eine wichtige Orientierungshilfe an die Hand. Guter Journalismus bildet ein wesentliches Element der Demokratie. Heute mehr denn je.

Die Arbeit als Lokalreporter bei einer Zeitung ,wie wir es bei der BZ sind, gehört mit zu den anspruchsvollsten Aufgaben, die ein Journalist übernehmen kann. Wir haben nämlich keine thematischen Fachgebiete, wie dies etwa in überregionalen Redaktionen in der Regel der Fall ist, sondern sind Experten für alle Belange, die den Landkreis, die Gemeinden und Städte in unserem Verbreitungsgebiet betreffen.

Neugierde und Offenheit

Wer sich etwa um Sachsenheim kümmert, muss sich im Kommunalrecht und Baurecht ebenso auskennen, wie im Vereinsgefüge der einzelnen Ortsteile. Grundsätzlich hilft dabei das oberste Gebot eines Journalisten: die Neugierde. Wer sich nicht für seine Umgebung und die Zusammenhänge dort interessiert, ist fehl am Platz. Neugierde alleine macht aber noch keinen guten Lokalreporter aus. Man braucht auch ein gute Auffassungsgabe, weil man sich schnell in immer wieder neue Themengebiete einarbeiten muss. Wer gut recherchiert, kann dann auch das wichtigste Element des Journalismus anwenden: Das kritische Nachfragen. Nur mit journalistischem Handwerkszeug gelingt es hinter die Fassaden zu blicken und Themen aufzudecken, von denen sonst niemand etwas erfahren hätte. Dabei sind auch die Lokalreporter nur dem Drang nach Wahrheit und Transparenz verpflichtet, immer mit der Prämisse, Erkenntnisse richtig einzuordnen und alle Seiten zu Wort kommen zu lassen.

Den Alltag eines Lokalreporters zu beschreiben fällt nicht leicht, denn einen festgelegten Tagesablauf kann man nur selten einhalten. In der Regel beginnt bei der BZ eine neue Woche mit der Planung der Themen. Dazu trifft sich die gesamte Redaktion am Donnerstag zur sogenannten Themenkonferenz. Vorab macht sich jedes Redaktionsmitglied Gedanken zur thematischen Gestaltung der Zeitung in der kommenden Woche. Welche Themen beschäftigen die einzelnen Gemeinden und den Landkreis? Wo gibt es Termine, die (Hintergrund-)Wissen zu einer Geschichte liefern könnten? Welche bundesweiten Themen spielen in der Region eine so wichtige Rolle, dass man diese auch auf die lokale Ebene herunterbrechen kann? Bei welchen älteren Geschichten lohnt sich ein frischer Blick? Das sind nur einige Fragen, die sich die Redakteure stellen und in der Konferenz diskutieren.

Die Themenauswahl

Ideen für Themen kommen den Redakteuren auf ganz unterschiedliche Weise. Zum Beispiel durch Kontakte, offizielle Termine, das Beobachten der aktuellen Nachrichtenlage oder aktueller Trends in der Bevölkerung und in den Sozialen Medien. Dabei spielt die Lebenswirklichkeit des einzelnen Lokalredakteurs oft eine Rolle. Wer Kinder hat, ist etwa am Thema Betreuung direkter dran, als ein kinderloser Kollege. Deshalb ist die Diversität in den Redaktionen immer wieder Thema.

Bei der Konferenz einigt sich die Redaktion dann auf Themen, die in der folgenden Woche aufgegriffen werden sollen. Direkt im Anschluss beginnt dann die Vorbereitung der Artikel. Es geht darum mehrere Ansprechpartner zu finden, die das betreffende Thema von verschiedenen Seiten beleuchten können. Um deren Aussagen einordnen zu können, muss der Journalist erst einmal selbst recherchieren. Dabei ist das Internet eine große Hilfe, aber auch dabei gilt, dass mehrere Quellen herangezogen werden müssen. Bei ihrer Arbeit stehen die einzelnen Mitglieder der Lokalredaktiondabei nicht nur ständig im Kontakt mit der Redaktionsleitung der Bietigeheimer, Bönnigheimer und Sachsenheimer Zeitung, sondern auch mit anderen Kollegen, um auch deren Sicht auf einzelne Themenkomplexe zu erhalten.

Wichtige Ansprechpartner bei der Recherche sind oft offizielle Stellen wie Kreis- und Gemeindeverwaltung. Nicht selten sind diese allerdings auch selbst in die Geschichte involviert und so muss alles geprüft werden. Im Idealfall kann der Reporter dann noch Kontakt zu einem Betroffenen und einem neutralen und sachkundigen Dritten herstellen. Zum Alltag eines Redakteurs gehört aber auch, dass sich jederzeit alles ändern kann und man schnell reagieren muss, etwa wenn der Landrat verkündet, keine weitere Amtszeit anzustreben.

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