Wie damals mit Schabowski

Andreas Lukesch 09.08.2018

Die Szene in einem gut bürgerlichen Wohngebiet in der Region erinnerte mich an 1989, als die innerdeutsche Grenze aufging und ich nahe des gestürzten antifaschistischen Schutzwalls hautnah miterleben durfte, wie sich wildfremde Menschen in den Armen lagen, wie unzählige  Tränen der Freude vergossen wurden, weil das große Glück jenes historischen Ereignisses in seiner ganzen Tragweite kaum zu fassen war. Ja, damals kamen sich Menschen einander näher, die nur ein einziger Satz aus Ost-Berlin von Günter Schabowski zusammengebracht hatte. Und nun war es wieder so. Evangelisch-zurückhaltende Menschen rissen die Fenster ihrer in den letzten Wochen wie eingemauert wirkenden Häuser weit auf, führten Freudentänze auf, sangen Lobeshymnen und lächelten ihre Nachbarn an, die sie vor Tagen noch wegen des späten Grillgelages zum Teufel gewünscht hatten. In den Armen lagen sich Alt und Jung – und alles wegen eines historischen Ereignisses. Es regnete.

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