Selbst ist der Bürger, zumindest was das Wegbringen von Müll im Landkreis Ludwigsburg angeht. Aus der Wertstoff- und Abfallbilanz für das Jahr 2018 geht hervor, dass der Trend weitergeführt wurde, Material selbst bei den Wertstoffhöfen anzuliefern und nicht per Abrufsammlung abholen zu lassen. Spitzenreiter ist dabei der Wertstoffhof im Tammerfeld. Wurden dort 2013 „nur“ 38 407 Kunden gezählt, waren es im vergangenen Jahr 61 446. Damit ist laut der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg (AVL) die Belastungsgrenze erreicht. Durch die gesteigerte Nutzung der Wertstoffhöfe reicht das Personal nicht mehr aus, aber auch die Containerkapazitäten auf den begrenzten Flächen kommen an ihre Grenzen. Nachdem die Wertstoffmenge 2017 im Vergleich zu 2016 um rund 8 Prozent, von insgesamt 171 079 Tonnen auf 157 008 Tonnen gesunken ist, ist sie 2018 geringfügig um 0,5 Prozent gestiegen (157 838 Tonnen). Der verwertbare Anteil am gesamten Abfall blieb gegenüber dem Vorjahr konstant und liegt bei 68 Prozent, so die AVL.

2018 wurden insgesamt 43 699 Tonnen Altpapier verwertet, 39 167 Tonnen über die Sammlung, auf den Wertstoffhöfen wurden 1749 Tonnen angeliefert und 2783 Tonnen wurden über die Vereinssammlungen gesammelt. Die Gesamtmenge an Altpapier entspricht ungefähr der Altpapiermenge von 2016, damit wurde der Rückgang von 6,6 Prozent im Jahr 2017 wieder aufgehoben.

Insgesamt liegt die Menge an Rundmüll, also Verpackungsmüll außer Folien und Styropor, die in der Grünen Tonne Flach miterfasst werden, für 2018 bei 20 648 Tonnen und hat somit um 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr abgenommen. Die Glasmenge ist nach der Abnahme im Jahr 2017 um 16,7 Prozent nochmal deutlich um 21,8 Prozent auf 9437 Tonnen gesunken. Nachdem Kunststoffabfälle im Jahr 2017 erstmals seit 2011 gesunken sind, und zwar um satte 6 Prozent, gab es 2018 eine erneute Steigerung um 11,8 Prozent auf 8007 Tonnen. Die 2016 von der AVL vermutete Trendwende durch ein geändertes Verhalten der Bürger und den Verzicht vieler Einzel- und Lebensmittelhändler auf Kunststofftragetaschen hat sich also nicht bestätigt. Trotz der angestrebten Müll-, vor allem Plastikmüllvermeidung, die in aller Munde ist, sagt die Wertstoffbilanz etwas anderes aus.

Die Biogut-Kampagne der AVL scheint Wirkung zu zeigen, der Anschlussgrad an die Biotonne konnte seit der Kampagne von 55 auf 70 Prozent erhöht werden, 2017 folgte eine erneute Steigerung auf 76 Prozent. 2018 hatten 76,2 Prozent aller Haushalte im Kreis eine Biotonne. 30 842 Tonnen Biogut wurden im letzten Jahr im Landkreis eingesammelt. Die Gesamtmenge an Gras- und Grünschnitt ist 2018 auf 43 231 Tonnen gesunken (2017: 44 062). Grund dafür ist der wohl wetterbedingte Rückgang der Grasmenge von 4776 Tonnen (2017) auf 3893 Tonnen (2018). Baum- und Heckenschnitt kann sowohl von Privathaushalten als auch Kommunen auf 38 Häckselplätzen, drei Grüngutkompostanlagen und einen Wertstoffhof gebracht werden. Für Gras und krautige Abfällen gibt es 18 Annahmestellen.

Auch wilder Müll musste im vergangenen Jahr festgestellt werden: Insgesamt 254 Tonnen, davon 24 Tonnen Reifen. Im Kreis konnten durch die Markungsputzeten 16 Tonnen Müll aufgesammelt werden.

Mehr nicht mehr verwertbarer Müll als 2017


Der nicht mehr verwertbare Müll, der beseitigt werden muss, ist im Vergleich zu 2009 (80 135 Tonnen) gesunken.
Im vergangenen Jahr 2018 gab es erstmals seit 2014 (78 720 Tonnen) einen Anstieg um 0,2 Prozent zum Vorjahr 2017 auf insgesamt 74 031 Tonnen.

Damit machen die Abfälle, die entsorgt werden müssen fast 32 Prozent des Gesamtmülls aus. Da sowohl die Beseitigungs- als auch die Verwertungsmengen leicht gestiegen sind, kann es sich nicht um eine Verschiebung von Restmüll in die Wertstofftonnen handeln, so die AVL.

Die Restmüllmenge ist im vergangenen Jahr konstant zum Vorjahr bei rund 65 200 Tonnen geblieben.

Der Restsperrmüll ist leicht gestiegen auf 7663 Tonnen, wobei über die Hälfte (56 Prozent) von den Bürgern zu Wertstoffhöfen gebracht wurde. hevo

Pro Kopf produzierter verwertbarer Müll


20,6 Kilo Verpackungsmüll (7,5 Prozent mehr als 2017) und 17,4 Kilo Altglas produzierte jeder der 543 756 Einwohner des Landkreises 2018.

80,4 Kilo Altpapier sind pro Einwohner im Kreis insgesamt angefallen.

56,72 Kilo Biogut und 79,50 Kilo Grüngut kamen im Schnitt 2018 pro Kopf zusammen.

4,7 Kilo Altmetall, rund 7 Kilo Elektrogeräte und 21,8 Kilo Altholz sind im vergangenen Jahr pro Kopf angefallen. bz