Ortsspitznamen Wer sich mag, der hänselt sich

Kreis Ludwigsburg / bz 04.11.2016

Wolfgang Wulz bezeichnet sich, ob seiner Wurzeln in Heidenheim, als „Knöpfleswäscher“ und ist Vorsitzender des Vereins „Schwäbische Mund.Art“. Als Historiker und Germanist durchforstet der inzwischen 66-Jährige seit vielen Jahren seine schwäbische Heimat nach Necknamen der Gemeinden und deren Bedeutung. In seinem aktuellen Buch „Lohkästräppler, Henderwäldler ond Schnitzhäfe“ (ISBN 978-3-8425-1472-0) beschreibt er in gewohnt unterhaltsamer Weise schwäbische Neckereien rund um Backnang. Dabei streift er auch den Landkreis Ludwigsburg: So erfährt man, dass die Affalterbacher die „Gerstelupfer“ sind, denn die geschäftstüchtigen Affalterbacher Ahnen machten sich große Sorgen, wenn nach einem kalten Winter und einem schlechten Frühjahr die Sommergerste so gar nicht recht wachsen wollte. Nach dem Eindruck der Nachbargemeinden versuchten die Affalterbacher mit allerlei Tricks, die Reife der Gerste zu beschleunigen, und sei es mit einer gewissen Manipulation der einzelnen Halme in Form des Lupfens oder Hebens, so Wulz.

Im von der Kreissparkasse in vierter Auflage 2011 herausgegebenen Buch „Sagen und Spitznamen aus dem Kreis Ludwigsburg“ hat Autorin Rita Haller aus Freiberg Ortsnecknamen im Kreis zusammengetragen. Danach sind die Ottmarsheimer die „Hohlwegfischer“, da diese, nachdem ein schweres Gewitter einen Hohlweg in einen reißenden Bach verwandelt hatte, dorthin zum Angeln gingen. Die Untermberger oder Hohensteiner werden bekanntermaßen –  wie 30 andere Gemeinden – ob ihrer Langsamkeit als „Schnecken“ verballhornt. Die Bönnigheimer sind die „Grieleshenker“, weil eine Hirtin die jungen Gänse (Griele) nach einem Bad im Teich zum Trocknen aufgehängt hat. Weil in Hofen der Anbau von Kartoffeln für die Ernährung eine bedeutende Rolle gespielt hat, werden die Bewohner als „Äbire“ geneckt. Als „Hecke’beerleskotzer“ werden die Freudentaler geneckt, weil diese nicht zum Verzehr geeignete Wildbeeren naschten – mit dem Necknamen entsprechenden Folgen. Als die Sonne in Großsachsenheim in eine Scheune schien, rief man die Feuerwehr, um den „Brand“ zu löschen, was zum Spottnamen „Sonne’spritzer“ führte. Jürgen Kunz

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