Die Genossenschaften sind mit der Weinlese auf der Zielgeraden. Für den baden-württembergischen Genossenschaftsverband BWGV ist dies der richtige Zeitpunkt für eine erste Bilanz: Die Erntemenge der 36 Weingärtnergenossenschaften in Württemberg liegt dieses Jahr bei rund 63,5 Millionen Litern. Das ist deutlich weniger als im Vorjahr, als 83,2 Millionen Liter Wein in die Keller eingebracht wurden. Der Ertrag liegt bei gut 85 Hektoliter je Hektar Rebfläche, 2018 waren es noch 113,3 Hektoliter. Qualitativ rechnet der Verband mit einem sehr guten Jahrgang.

 Nach der frühesten Lese aller Zeiten im Vorjahr herrschte dieses Jahr fast wieder Normalität in den Weinbergen, stellt der Genossenschaftsverband fest. Der Verlauf der Vegetation erwies sich jedoch wieder als außergewöhnlich: Nach einem eher gemäßigten Jahresbeginn und einem warmen März begann die Vegetation recht früh. Der kühle Mai bremste die Entwicklung, sodass die Blüte der Trauben um den 20. Juni abgeschlossen war. Der Sommer wird vielen Wengertern mit seinen Rekordtemperaturen von zum Teil mehr als 40 Grad Celsius und schweren Gewittern in Erinnerung bleiben.

Beides ging nicht spurlos an den Trauben vorüber. Die Weingärtner hatten oftmals Sonnenbrand an den Trauben zu beklagen. Als besonders anfällig erwiesen sich Riesling und Trollinger. Mancherorts kam es auch zu Schäden durch Frost. „Die Trauben befinden sich dennoch in einem sehr guten Gesundheitszustand“, berichtete Ute Bader vom Genossenschaftsverband am Donnerstag in Möglingen bei der WZG. „Die Reben haben die Hitze und Trockenheit in den Sommermonaten in den meisten Fällen gut gemeistert und blieben ausreichend vital“, so Bader weiter.

Umsatz geht zurück

Der Absatz der württembergischen Weingärtnergenossenschaften mit eigener Kellerwirtschaft und eigenem Vertrieb ist im ersten Halbjahr 2019 in erster Linie durch geringere Offenweinverkäufe um 3,3 Millionen auf 31,6 Millionen Liter Wein und Sekt gesunken (minus 9,5 Prozent). Der Umsatz ging im gleichen Zeitraum um 5,3 Millionen Euro auf 95,5 Millionen Euro (minus 5,3 Prozent) zurück. Im Jahr 2018 haben die Weingärtnergenossenschaften 71,1 Millionen Liter Wein und Sekt verkauft (plus 1,8 Millionen Liter beziehungsweise 2,6 Prozent). Der Umsatz stieg derweil um 2,3 Millionen Euro (1,1 Prozent) auf 217,1 Millionen Euro.

Die Weingärtnerzentralgenossenschaft WZG in Möglingen rechnet für 2019 mit einer Einlagerungsmenge von 19 Millionen Litern. Dies wären rund 21 Prozent weniger als im vergangenen Jahr aber drei Prozent mehr als das zehnjährige Mittel (18,5 Millionen Liter). „Wir liegen mit unseren Einlagerungsmengen ein gutes Stück unter unseren ursprünglichen Planungen. Die Qualität des Jahrgangs 2019 wird dafür hervorragend“, berichtete WZG-Vorstand Bernhard Idler.

Die 1946 gegründete Zentralgenossenschaft mit Sitz in Möglingen verarbeitet und vermarktet mit insgesamt 165 Mitarbeitern Wein und Sekt von 33 Weingärtnergenossenschaften und deren Mitgliedern in Württemberg.  Der Umsatz der WZG betrug im vergangenen Jahr 80,7 Millionen Euro, für das laufende Geschäftsjahr peilt die Zentralgenossenschaft 82,5 Millionen Euro an. „Damit sind wir endgültig wieder zurück auf dem Wachstumspfad“, sagte Dieter Weidmann, Vorstandsvorsitzender der WZG. Das Absatzvolumen der WZG betrug im Geschäftsjahr 2018 rund 32,6 Millionen Flaschen (28,3 Millionen Liter), davon 77 Prozent Rotwein und 23 Prozent Weißwein.

„Unsere Absatzmärkte bleiben nach wie vor extrem schwierig. Wir müssen uns der Herausforderung stellen und weiter gemeinsam und mit aller Kraft an der Optimierung der gesamten Wertschöpfungskette arbeiten“, sagte Weidmann, der zum Jahresende nach 26 Jahren an der Spitze der Genossenschaft in Ruhestand geht und bis dahin noch seinen Nachfolger Uwe Kämpfer einarbeitet.