Kreis Ludwigsburg Weil Gewalt ein Thema ist

Kreis Ludwigsburg / Susanne Yvette Walter 03.12.2018

Egal, um welchen Schultyp es sich handelt, Gewalt an Schulen ist überall ein Thema. Einige Schule begegnen ihr gleich mehrfach und haben ihre Methoden entwickelt, die aus kleinen und großen Raufbolden Menschen machen, die reden können ohne zu beleidigen und folglich auch nicht draufschlagen müssen.

An den Ellentalgymnasien in Bietigheim-Bissingen ist Gewaltprävention ein großes und wichtiges Thema. „Unser Ziel ist es, Kinder und junge Leute so zu formen, dass sie von allein merken, dass Gewalt kein Thema sein darf“, erklärt Oberstudiendirektor Lutz Kretschmer. Die Präventionsmaßnahmen berühren hier auch andere Themen wie Internetprävention und Suchtprävention, die oft mit hineinspielen, wenn Jugendliche gewalttätig werden.

Ein besonderer Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit an den Gymnasien im Ellental ist seit vielen Jahren auch die Suchtprävention, die mit der Gewaltprävention ganz nah in Verbindung steht. In allen siebten Klassen gibt es ganztägige Veranstaltungen zur Suchtprävention. „In den speziellen Workshops von Schulsozialarbeiterin Elfriede Steinwand und Fachlehrern werden alle Fragen zur Sucht altersspezifisch aufgebaut. Dabei sind die Mädchen und Jungen bewusst getrennt, da es bei Suchtproblemen auch geschlechtsspezifische Unterschiede gibt“, erklärt der Schulleiter.

Die Veranstaltungen werden immer von Schüler-Moderatoren mitorganisiert, die auch kleine Vorträge halten und die Schüler aktivieren. Dabei werden neben Alkohol und Drogen ebenso Themen rund um das Internet, Computer-Spiele oder den sinnvollen Einsatz von Smartphones ausführlich besprochen. „Die Präventionsarbeit ist uns wichtig, weil Schüler dadurch ihr eigenes Handeln reflektieren sowie Handlungsalternativen kennen lernen und sofort anwenden können“, sagt Schulsozialarbeiterin Elfriede Steinwand.

Dadurch sollen die Heranwachsenden für ihren Lebensplan – individuell und in Gemeinschaft – gestärkt werden. Präventionsschwerpunkte liegen allgemein an den Gymnasien im Ellental im sozialen Lernen und in der Sucht- und Gewaltprävention sowie vor allem in der Medienerziehung mit auf die Altersstufen zugeschnittenen Modellen. Dabei wird auch in der Klassenlehrerstunde der Klassen 5 bis 7 das Programm „Erwachsen werden“ (Lions Quest) umgesetzt. Dabei geht es unter anderem um die Stärkung des Selbstvertrauens, die kommunikative Kompetenz sowie um den Aufbau eines eigenen Wertesystems. In den Klassen 5 bis 7 gibt es dort einen Klassenrat, der genau dann tagt, wenn ein Problem auftritt.

Auch an der Ganerbenschule in Bönnigheim fällt sofort das Stichwort Klassenrat, wenn es um friedliche Konfliktbewältigung geht. „Der Klassenrat kann direkt reagieren, direkt beim Auftreten eines Konflikts, im Anschluss an die Pause zum Beispiel“, erklärt dort Schulleiter Uwe Schäfer. Der Klassenrat wird dort so gewichtet, dass eine Stunde Unterrichtszeit dafür eingeplant wird pro Woche. Präventiv gibt es an der Ganerbenschule ein Curriculum zum Erlernen von sozialen Kompetenzen. „Damit Streitereien erst gar nicht eskalieren, muss man den Umgang miteinander lernen und zwar von der ersten Klasse an. Unsere Schule setzt dabei auf das Benni-Programm zur Stärkung des Selbstbewusstseins“, betont Uwe Schäfer.

Das ist Aufgabe von Schulsozialarbeiterin Nora Schreyer. „Benni“ heißt das Programm, weil die Handpuppe so heißt, die eine zentrale Rolle spielt. Erzählt wird vieles aus ihrem fiktiven Leben. Benni bringt Problematiken auf, die dann gemeinsam gelöst werden. Das sind Konflikte, wie sie auch im Schulalltag entstehen könnten. Schäfer: „Wir haben einen Arbeitskreis für soziales Lernen und Gewaltprävention, in dem Lehrer, Eltern und die Schulsozialarbeit gemeinsam wirken. Wir haben seit vier Jahren eine Kooperation mit einem Präventionsprojekt in Ludwigsburg, das nach dem Drama in Winnenden ins Leben gerufen wurde.“ Die letzte Stufe der Präventionsarbeit erleben die Acht- und Neuntklässler, denn sie werden im Rahmen der Aktion „Helping hands“ ausgebildet und in Pausen eingesetzt um Streit zu schlichten. Sie sind auch Ansprechpartner für die Grundschüler. „Die haben Augen und Ohren offen“, so Uwe Schäfer.

Der Schulleiter sieht auch über den Tellerrand hinaus: „Auch der gesamte Unterricht muss danach angelegt sein. Vor allem muss Gewaltlosigkeit von den Lehrern auch vorgelebt werden. Dafür haben wir einen Schulvertrag aufgesetzt.“ Die Idee dazu ist entstanden aus dem Arbeitskreis soziales Lernen, entwickelt unter Mitwirkung der Eltern und größerer Schüler.

Zum Umgang mit neuen Medien lädt sich die Schulleitung der Ganerbenschule ebenfalls gerne Referenten von außerhalb ein. Theaterpädagogin Sabine Ostertag war schon zu Gast. Es geht immer wieder auch an der Ganerbenschule um den richtigen Umgang mit Smartphones und PC. „Wir wollen diesen Vortrag auch in unserer Schulportfolio aufnehmen und ihn vor den Klassenpflegschaftsabenden in Klasse zwei zeigen“, plant Schäfer. „Im Gesamten ist uns sehr wichtig, dass die Empathiefähigkeit des einzelnen gestärkt wird durch alle Klassenstufen. Der rote Faden ist dabei Vorbild zu sein und eine entsprechende Gesamthaltung zu vertreten“, so Schäfer. Dazu trägt auch die Arbeitsgruppe für Soziales Lernen bei, die mit Lehrern und Erziehenden besetzt ist. „Ich stelle mich bewusst gegen den Egozentrismus in unserer Gesellschaft, und die einzelnen Projekte sollen als Bausteine dafür dienen, dort hinzukommen“, bringt es Uwe Schäfer auf den Punkt.

Außerschulische Partner der Kirchheimer Schule auf dem Laiern

Vielseitig sieht die Gewaltpräventionsarbeit an der Gemeinschaftsschule Schule auf dem Laiern in Kirchheim aus. Hier werden Kinder ebenfalls schon konsequent ab Klasse 1 ins Boot genommen, wenn es um die Stärkung ihres Selbstbewusstseins geht und darum, stark zu werden im Umgang mit Bedrohungen durch sexuelle Übergriffe und im Umgang mit Drogen.

Die Schule auf dem Laiern nimmt sich dazu auch außerschulische Partner mit ins Boot zum Beispiel die „Kids Wing Tsun AG“ der „Wing Tsun Akademie“ aus Heilbronn oder „Pro Familie“ Ludwigsburg. Zwei weitere bieten mit BOB (Best of Boys) und MFM (Zyklusshow für Mädchen) zwei geschlechtergetrennte Workshops für Sechstklässler an. Zur Gewaltprävention gehört auch der Einsatz von Streitschlichtern, denn nicht immer läuft der Weg zu einem respektvollen Umgang miteinander so reibungslos wie in der Theorie.

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