Fotos, Listen mit Adressen, Briefe - dass das NSU-Terror-Trio mehrfach Kontakte nach Ludwigsburg und Umgebung hatte, ist aktenkundig. Zum Auftakt des NSU-Prozessses tragen wir für die Region relevante Fakten in einem Zeitstrahl zusammen.

Anfang der 90er-Jahre: Einem Artikel der Berliner Tageszeitung "taz" zufolge sollen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt schon Anfang der 90er-Jahre enge Kontakte nach Ludwigsburg gepflegt haben. Bei Szene-Events in Sachsen hatte das Trio schwäbische Neonazis um den mittlerweile verstorbenen Skinhead-Musiker Michael E. kennengelernt - und diese später mehrfach besucht. Fotos sollen Mundlos und Zschäpe gemeinsam mit anderen im Ludwigsburger Partykeller von Michael E. zeigen. Auf dem Tisch jede Menge Dinkelacker-Dosenbier.

Mindestens einer der Abgebildeten - Thomas S. - soll zum militanten "Blood&Honour"-Netzwerk gehört haben. Von ihm werden später 17 Briefe an Mundlos gefunden. S. soll enge Kontakte in den Südwesten und nach Ludwigsburg gepflegt sowie dort Konzerte veranstaltet haben. Nach dem Untertauchen der NSU-Verbrecher soll er sie mit Geld versorgt haben, schreibt die Badische Zeitung.

1996: Auch sichergestellte Mundlos-Briefe dokumentieren die Besuche im Schwabenland. Im Frühjahr 1996 schwärmte er einem inhaftierten Gesinnungsgenossen vom Osterbesuch bei den "Spätzles" vor. In dem Schreiben geht es laut der Zeitung "taz" um das Waffenarsenal militanter Kameraden aus Ludwigsburg. Die Kontext-Wochenzeitung berichtet derweil über einen Brief von Mundlos an Thomas S., Kontaktmann des Terror-Trios und spätestens ab dem Jahr 2000 Informant des Landeskriminalamtes Berlin, in dem es um einen Ludwigsburger Waffenhändler gehe. In Ermittlerkreisen wird später von einer regelrechten "Ludwigsburg-Connection" die Rede sein.

1998: Nach dem Untertauchen des Trios werden Anfang 1998 in einer Jenaer Garage Adresslisten aus mehreren Städten gefunden, darunter auch vier Kontaktdaten aus Ludwigsburg. Darunter von Michael E., einer gewissen Uschi sowie von Thomas S. Jene Uschi wird den Ermittlern später gegenüber zugeben, über Jahre hinweg enge Kontakte zu Zschäpe und Mundlos gehabt zu haben. Zwischenzeitlich hätten sie sich sogar monatlich getroffen, erzählt die Frau.

Neben den Ludwigsburger Adressen wird später auch ein Stadtplan mit Markierungen in der Zwickauer Wohnung des Terrortrios gefunden. Vergleichbare Pläne anderer Städte gebe es aber zuhauf, sagt der Böblinger CDU-Abgeordnete Clemens Binninger, der Mitglied im NSU-Untersuchungsausschuss ist. Anhaltspunkte für einen geplanten Anschlag in Ludwigsburg finden sich daher nicht. Marcus Köhler, der Sprecher des Generalbundesanwaltes, bestätigt im Januar: "Bislang haben die Ermittlungen keine Anhaltspunkte für eine Beteiligung ortskundiger Dritter an den Anschlägen der NSU ergeben."

2000/2001: In diesen Jahren sollen Personen aus dem NSU-Umfeld nach Ludwigsburg und Umgebung gezogen sein, wie Medien berichten. Dazu gehört der Neonazi Markus Friedel, der in Jena zusammen mit dem Trio an einer Kreuzverbrennung in Ku-Kux-Klan-Manier teilgenommen haben soll und später nach Heilbronn übersiedelte. Aber auch Andreas Graupner, ein Vertrauter des Trios, der 2001 von Chemnitz nach Ludwigsburg gekommen sein soll und in der Rechtsrock-Band "Noie Werte" mitspielte. Die ersten NSU-Bekenner-Videos sind mit Musik der Gruppe unterlegt.

2003: Eine Person aus dem Umfeld des NSU-Trios berichtet Ermittlern des BKA laut "taz" von einer bemerkenswerten Szene: Uwe Mundlos soll bei einem Einkauf in der Ludwigsburger Kaufland-Filiale einen farbigen Kunden bemerkt und ausgerufen haben: "Schaut mal, da kommt ein Nigger." Danach soll er auf die Knie gegangen sein und "Weiche von mir" in Richtung des Kundes gerufen haben.

Ein weiteres Detail in puncto Verbindungen nach Ludwigsburg, ist die Tatsache, dass es von Beate Zschäpe ein Foto gibt, das sie vor dem Blüba in Ludwigsburg zeigt. Das Bild muss Clemens Binninger zufolge irgendwann vor dem Jahr 2004, als am Schloss Fassadenarbeiten vorgenommen wurden, entstanden sein.

Ebenfalls 2003, vom 24. bis zum 26. Juni, sollen sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt als Max B. und Ralph B. auf dem Campingplatz am Cannstatter Wasen eingemietet haben. Das BKA geht offenbar davon aus, dass die beiden in der Nähe des Nordbahnhofs einen Anschlag planten - auf die Eigentümer eines türkischen Lebensmittelladens und eines türkischen Bistros. Im Brandschutt der letzten NSU-Wohnung in Zwickau haben die Ermittler Medienberichten zufolge eine CD mit der Aufschrift "Stuttgart" gefunden, darauf sieben Fotos vom 25. Juni 2003. Auf manchen sei Böhnhardt mit Mütze und Mountainbike vor den Geschäften zu sehen, andere zeigten Details vom Eingang des Ladens und des Bistros, um die es gegangen sein soll.

2007: Brisant sind die Spuren aus Ludwigsburg und Stuttgart auch deshalb, weil der letzte der zehn NSU-Morde in Heilbronn stattfand. Am 25. April wird dort die Polizistin Michelle Kiesewetter erschossen. Das Wohnmobil, mit dem die Täter flüchteten, wird um 14.37 Uhr bei Oberstenfeld registriert. Eine Spur, die die zuständige Sonderkommission seinerzeit nicht verfolgt, obwohl ein Zeuge tags zuvor ein Wohnmobil am späteren Tatort bemerkt hatte.