Ein hellgrauer Plastikeimer steht wie ein Blickfang vor dem „Poesieautomaten“ von Hans Magnus Enzensberger. Fast könnte der Besucher im Untergeschoss des Literaturmuseums der Moderne (LiMo) meinen, es handele sich um eine Kunstinstallation. Beim näheren Hinschauen wird allerdings klar: Der Eimer wurde aufgestellt, weil bei Regen Wasser an der Wand hinunterläuft und in das Gebäude tropft – und zwar seit 2006.

Fragen bleiben unbeantwortet

Wie kann Wasser in das Museum auf der Schillerhöhe eindringen? Wieso besteht der Schaden schon jahrelang? Wie groß ist er und wer bezahlt dafür? Das Deutsche Literaturarchiv (DLA) gibt dazu keine Auskunft. Dagmar Janson, Leiterin der Verwaltung, antwortet auf Nachfrage lediglich: „Bezüglich des Wassereintritts im Literaturmuseum der Moderne befindet sich die Deutsche Schillergesellschaft in einem schwebenden Gewährleistungsverfahren, zu dem wir zurzeit keine Auskunft geben können.“

Da die Deutsche Schillergesellschaft (DSG) die Eigentümerin des Museums ist, müsste sie die Kosten für die Beseitigung des Schadens tragen, falls sie ihre Gewährleistungsansprüche nicht durchsetzen kann, erklärt die Pressesprecherin des DLA, Alexa Hennemann. Da das Literaturmuseum keine kommunale Einrichtung ist, befasst sich die Stadtverwaltung nicht mit Schäden am Gebäude, wie Bürgermeister Jan Trost erklärt.

Bürgermeister ist DSG-Mitglied

Er selbst ist Kraft seines Amtes Mitglied im Kuratorium der Deutschen Schillergesellschaft: „Wir Mitglieder werden zwar in Sitzungen über bauliche Missstände in den Literaturmuseen informiert, aber wir entscheiden nicht über Renovierungsarbeiten“, beschreibt er seine Funktion in dem Gremium. Maßnahmen an den Gebäuden seien Aufgabe der Verwaltung des DLA.

Der Wasserschaden scheint sich in der Zwischenzeit sogar bis zu den Bundestagsabgeordneten herumgesprochen zu haben. Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) nutzte den Eimer im Museum bei seiner Schillerrede in Marbach Mitte November für eine Kritik am Umgang der Politik mit Einrichtungen wie dem Literaturmuseum: „So ein Wassereimer ist der Institution nicht würdig.“ Eine Meinung, die das Publikum mit stürmischem Applaus unterstützte.

Info Das von David Chipperfield Architects entworfene Literaturmuseum der Moderne in Marbach wurde im Jahr 2006 eröffnet und ist bereits im Folgejahr 2007 mit dem Stirling-Preis für herausragende Architektur ausgezeichnet worden.