Kreis Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber  Uhr

Jugendliche haben sowieso kein Interesse an Politik oder daran, sich zu engagieren. Wer mit dieser Meinung am Dienstagabend ins Kreishaus ins Ludwigsburg gegangen ist, der konnte sicherlich innerhalb von drei Stunden vom Gegenteil überzeugt werden. Unter dem Motto „Was uns bewegt“ trafen sich rund 50 Jugendliche aus den Kommunen Sachsenheim, Ludwigsburg, Pleidelsheim, Vaihingen, Tamm, Korntal-Münchingen, Gerlingen, Ditzingen, Markgröningen und Marbach, um mit Politikern ins Gespräch zu kommen und ihre Art der Beteiligung innerhalb ihrer Kommune vorzustellen. Das gemeinsame Projekt vom Landtag Baden-Württemberg und dem Landesjugendring soll in Themen münden, die dann in den Jugend-Landtag am 26. und 27. Juni in Stuttgart einfließen.

Verschiedene Beteiligungsarten

Um ihr Jugend-Beteiligungsmodell vorzustellen, baute jede Jugendgruppe der teilnehmenden Gemeinden eine Stellwand auf, die von ihrer Beteiligungsart, ihren Zielen, Errungenschaften und auch gescheiterten Versuchen berichtete. In einer ersten kurzen Runde konnten sich die Anwesenden einen Überblick verschaffen. Vertreter der Gemeinde blieben am eigenen Stand, klärten Fragen und kamen ins Gespräch mit den Interessierten. Unters Volk mischten sich auch Politiker aus Land- und Kreistag, wie Daniel Renkonen (Grüne), August Schuler (CDU), Volker Godel (FDP), Jürgen Keck (FDP), Dorothea Bechtle-Rüster (SPD), Stefanie Liepins (SPD), Klaus Herrmann (CDU), Peter Schimke (Die Linke) sowie Thomas Utz (SPD).

Nach dieser ersten Runde und einer kleinen Stärkung, ging’s ans Eingemachte. Die Politiker mussten sich jeweils zehn Minuten an den Ständen den Fragen der Jugendlichen stellen. „Das war wirklich ein gewinnbringender Austausch“, sagt Volker Godel im Gespräch mit der BZ. Er habe zwischendurch auch einfach nur zugehört. „Politiker müssen nicht immer reden“, sagt der Ingersheimer Bürgermeister und FDP-Kreisrat. Er selbst habe sich vor allem zum Thema ÖPNV ausgetauscht. Eine bessere Vertaktung der Busse sei unter den Jugendlichen ein großes Thema gewesen. „Das Bewusstsein ist relativ ausgeprägt, wenn es um das Thema Individualverkehr vermeiden geht“, sagt Godel und zeigt sich beeindruckt. Auch Bildung und der Wunsch nach mehr Medienkompetenz wurden besprochen, ebenso der Wohnungsbau und der Wunsch nach mehr Aufenthaltsorten im öffentlichen Raum für Jugendliche.

Jugendgemeinderat und -forum

Stadtjugendpfleger Nico Blum, der die Jugendlichen aus Sachsenheim begleitete, berichtete von einem Jugendforum, das im Februar stattgefunden hat. Um die 50 Jugendlichen seien beteiligt gewesen. In den Arbeitsgruppen, die sich daraufhin gebildet hatten, musste erst einmal geklärt werden, wie denn die Jugendbeteiligung aussehen soll. Bei ihnen sei das anders gewesen, erzählte die Schülerin Anna aus Vaihingen. Bereits seit 1995 gebe es in der Kommune einen Jugendgemeinderat. „Das ist schon Luxus, denn die Strukturen sind alle schon da“, so die Schülerin.

Auch Ludwigsburg hat seit 2017 einen Jugendgemeinderat. 60 Kandidaten ließen sich aufstellen, 21 sind aktuell als Interessenvertreter der Ludwigsburger Kinder- und Jugendlichen im Rat. Die Amtszeit beträgt zwei Jahre. Die 17-jährige Jessica und die 16-jährige Elisa sind Vertreterinnen. „Ich finde es toll, dass tatsächlich alle Schularten vertreten sind, also Sonder-, Haupt-, Realschule und Gymnasium“, sagt Jessica, die einzige Vertreterin der Sonderschule. Das solle sich aber bald ändern, denn die 17-Jährige rühre kräftig die Werbetrommel, ihre Freundin habe sie bereits überzeugt, sich auch zu engagieren. Das aktuell wichtigste Thema sei der Bahnhof in der Barockstadt. „Wir werden eine große Umfrage durchführen, um herauszufinden, was die Menschen sich vorstellen“, erklärt Elisa. Die beiden Mädchen wünschen sich mehr Helligkeit und Grün, dies soll das Sicherheitsgefühl verbessern.

Auch in Tamm hat im September 2016 alles mit einer Umfrage bei Jugendlichen angefangen, die befragt wurden, was sie sich von ihrer Gemeinde wünschen. Ulrike Schwarz-Radivojac, Leiterin des Jugendhauses und Koordinatorin für die Schulsozialarbeit, rechnet damit, dass noch in diesem Jahr eine Satzung fürs Gremium ausgearbeitet wird.