Bietigheim-Bissingen Was sagen die Nachbarkommunen zum Biomüll?

VON UNSERER REDAKTION 06.07.2016
Nachgefragt: Was bedeutetet es für ausgewählte Nachbarkommunen Bietigheim-Bissingens, wenn eine Bioanlage in den Steinbruch Fink kommt?

In nicht einmal mehr zwei Wochen ist der Tag der Entscheidung: Bietigheim-Bissingen stimmt mittels eines Bürgerentscheids darüber ab, ob eine Anlage zur Vergärung von Biomüll im Bissinger Steinbruch Fink entstehen soll oder nicht. Doch nicht nur in der Stadt an Enz und Metter ist man von den Folgen der Abstimmung betroffen: Auch für die Nachbarkommunen spielt es eine erhebliche Rolle, was am Sonntag, 17. Juli, in Bietigheim-Bissingen passiert: Am relevantesten dürfte diesbezüglich die Frage sein, ob künftig mehr Lieferverkehr  aus anderen Landkreisen und Regionen Baden-Württembergs durch eine Nachbarkommune Bietigheim-Bissingens fährt, um Material für die heiß diskutierte Anlage anzuliefern. Aus diesem Grund hat die BZ bei ausgewählten Kommunen nachgefragt, welche Konsequenzen  ein Sieg der Stadtverwaltung – wenn die Anlage also kommt – oder ein Sieg der Gegner hätte.

Rainer Schäuffele, Bürgermeister in Erligheim , gehört zu denen, die infolge eines möglichen Standortes der Biogutvergärungsanlage im Steinbruch Fink mehr Schwerlastverkehr befürchten, der sich durch seinen Ort zwängt. „Es wird mehr Verkehr aus dem Raum Heilbronn geben“, vermutet der Rathauschef. Obwohl Erligheim keine direkte Anliegergemeinde ist, hat Schäuffele – bereits während der Diskussion um den inzwischen abgelehnten Standort „Waldhof“ – die Stadt Bietigheim-Bissingen darauf hingewiesen, dass Erligheim in das Bebauungsplanverfahren für eine Biogutvergärungsanlagen einbezogen wird. „Wir haben sehr frühzeitig einen Lärmaktionsplan aufgestellt“, sagt Schäuffele im Gespräch mit der BZ. Bis auf Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt habe sich leider dabei nichts ergeben. „Allerdings wurde die Bevölkerung dadurch auch für die Lärmbelastung sensibilisiert“, sagt der Erligheimer Bürgermeister.

Mit einer derartigen Befürchtung ist Schäuffele nicht der einzige: „Der Lieferverkehr wird sicherlich verstärkt aus dem Raum Karlsruhe kommen“, sagt sein Amtskollege Alexander Fleig aus Freudental . Dennoch werden auch Anlieferungen aus dem Zabergäu nach Bietigheim-Bissingen kommen. Der Freudentaler Bürgermeister will deshalb wie sein Kollege aus Erligheim frühzeitig in die Planungen einbezogen werden.

Dieter Bertet, Gemeinderat in Freudental, sieht die Pläne einer Biogutvergärungsanlage pragmatisch: „Ich sehe in der Erschließung des Geländes ,Steinbruch Fink’ eine sinnvolle Lösung. Wir brauchen eine solche Anlage zur Entsorgung unseres Biomülls.“ Für ihn ist es gut erschlossenes Gebiet, das bisher schon von vielen Lastwagen angefahren wird. Der langjährige Kommunalpolitiker erwartet deshalb für seine Kommune „keine großen Auswirkungen“. Durch die fehlende Erschließung, wäre dies beim ersten Standort „Waldhof“ für Freudental sicher anders gewesen.

Sachsenheim dagegen wurde von vornherein als Nachbar angehört. Die Stadt habe aber keine negative Stellungnahme abgegeben, sagt Sprecherin Nicole Raichle. „Wir gehen nicht davon aus, dass die Anlage für uns nachteilige Folgen hat“, sagt sie. Mit Blick auf die gerade von den Gegnern befürchtete Zunahme des Verkehrs verweist sie auf die Umgehungsstraße, die an der Stadt vorbeiführe.

Fabian Gramling, der aus dem Wahlkreis Bietigheim-Bissingen frisch gewählte Landtagsabgeordnete der CDU aus Besigheim, ordnet die Entscheidung für oder gegen die Biomüllvergärung vor dem Hintergrund der Energiewende ein:  „Wenn wir das Ziel der Energiewende und den Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 schaffen wollen, müssen wir uns neben Wind- und Wasserkraftanlagen auch auf andere alternative Energiequellen konzentrieren“, sagte er auf Anfrage der BZ. Eine direkte Stellungnahme zum Bürgerentscheid in Bietigheim-Bissingen, also zu einem Für oder Wider hinsichtlich eines Baus der Anlage in Bissingen, vermied er allerdings. „Die Entscheidungen werden vor Ort getroffen“, betont der 29-Jährige.