Kreis Ludwigsburg Wahlkampf in einer der reichsten Städte

Kreis Ludwigsburg / ANDREAS LUKESCH 26.06.2013
Der Bundestagswahlkampf ist angekommen in der Region - zurückhaltend, aber dennoch bemerkenswert. Und was die Wahlstimmung anbelangt, da weiß das Politmagazin Cicero mehr.

Eberhard Gienger ist ein Mann, für den ältere Damen schwärmen. Das sagt nicht die Bietigheimer Zeitung, sondern das Politmagazin Cicero, das in einem Spezial zur Bundestagswahl alle 299 Wahlkreise unter die Lupe genommen hat - natürlich auch den Wahlkreis Neckar-Zaber, der den nördlichen Kreis Ludwigsburg ausmacht. Dort kandidiert der Ex-Profisportler und offenbare Schwarm der reiferen Semester für die CDU. Seit zehn Jahren hält Gienger den Wahlkreis und dass er ihn wieder holt, hält Cicero für ausgemacht. So ausgemacht, dass Gegenkandidat Thorsten Majer nicht mal eine Erwähnung wert ist. Als Grund dafür macht Cicero Bietigheim-Bissingen aus - "eine der reichsten Städte Deutschlands". Weil man in Bietigheim-Bissingen keine Schulden habe und es dort auf ein "paar Milliönchen" nicht ankomme, gebe es auch nichts, was Eberhard Gienger gefährlich werden könne.

Also auch beziehungsweise erst recht nicht Thorsten Majer. Dabei ist es doch gerade der rote Rechtsanwalt, der sich bereits um den Wahlkampf und das heimisch Backgewerbe verdient macht. Mit einem Hefezopf im Gepäck will sich Majer laut Eigenwahlwerbung beim Wahlvolk zum gemütlichen Plausch-Schmaus einladen, allerdings verlangt er Gesprächsbereitschaft und einen Kaffee als Gegenleistung. Deshalb lautet sein Wahlslogan für die Bundestageswahl 2013 auch: "Ich bringe den Hefezopf, Sie den Kaffee".

Auf die Idee ist Gienger noch nicht gekommen, wobei der natürlich Politikprofi ist und noch jede Menge in Berlin zu erledigen hat. Sollte der Weltmeister von 1974 aber dennoch irgendwann in den Wahlkampf eingreifen wollen und um Unterstützung jenseits des Ältere-Damen-Klientels werben, dann wäre er gut beraten, tunlichst die Finger vom Backwerk lassen. Erstens ist das Thema besetzt, zweitens wird seit Wolfgang Thierse jedem Berliner ohnehin unterstellt, er wolle die Schwaben mit Schrippen kontaminieren.

Wie auch immer, der Wahlkreis 266 Neckar-Zaber erhält von Cicero einen Stern, was so viel heißt wie "Man könnte sich den Wahlkampf auch sparen".

Anders sieht es da in der unmittelbaren Nachbarschaft aus, also dem Wahlkreis 265 Ludwigsburg. Er ist den Autoren drei Sterne wert, und das bedeutet: "Spannungsmomente für Liebhaber". Wobei es vor allem spannend sein dürfte, wer den Namen des SPD-Kandidaten unfallfrei auszusprechen vermag. Macit Karaahmetoglu ist für Cicero im Gegensatz zu Majer "interessant", obwohl auch er Anwalt ist, aber eben ein türkischstämmiger. Und einer mit einem "Draht zu Sigmar Gabriel" sowie "exzellenten Kontakten zu türkischen Medien" wie der Hürriet.

Was das wert ist, lässt Cicero offen. Das Blatt begnügt sich mit dem Hinweis auf die Grüne Ingrid Hönlinger, die einen besseren Listenplatz als Macit Karaahmetoglu habe.

Was der Wahlkreis 265 nicht hat, besser gesagt was die dortige CDU nicht hat, ist ein pensionierter Spitzensportler. Deshalb lassen sich wohl auch Steffen Bilgers Chancen bei älteren Damen nicht wirklich prognostizieren. Das Politikmagazin stellt aber fest, dass sich der Chef der CDU-Nordwürttemberg "keine Fehler erlauben darf, um das Direktmandat sauber zu gewinnen".

Mit anderen Worten: Der Christdemokrat steht mächtig unter Druck, weil er in seinem Wahlkreis in den Fußstapfen so vieler berühmter CDU-Politiker wie Günther Oettinger oder Matthias Wissmann wandelt. Und Cicero glaubt auch zu wissen, wovon Bilger träumt, nämlich von einer Karriere wie der von Oettinger oder Wissmann. Fehlen noch die Träume von Eberhard Gienger, aber darüber erfahren wir nichts. Na ja, der Wahlkampf hat ja eben erst begonnen.

Info: Die Berichterstattung zur Bundestagswahl 2013 von Bietigheimer, Sachsenheimer und Bönnigheimer Zeitung aus lokaler Sicht finden Sie auch in einem Schwerpunkt auf der Homepage

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel