Der neue Landrat kommt aus Kornwestheim und heißt Dietmar Allgaier. Der Erste Bürgermeister der Stadt setzte sich in einer spannenden Wahl gegen drei Mitbewerber durch. Gegen 17.45 Uhr stand das Ergebnis nach drei Wahlgängen fest. 77 Stimmen, vor allem aus dem bürgerlichen Lager und der SPD, hat er erhalten und damit den einzig verbliebenen Konkurrenten Heiner Pfrommer (26 Stimmen) besiegt.

Aber der Reihe nach: Die Zuschauerränge waren voll, und eine gewisse Aufgeregtheit lag am Freitag um kurz vor 14.30 Uhr in der Luft im Sitzungssaal des Kreishauses. Die Wahl des neuen Landrats war der Grund dafür.

„Das ist auch für mich eine ganz besondere Situation“, erklärte der scheidende Landrat Dr. Rainer Haas zur Eröffnung der Sitzung. Er habe zwar schon einige Landratswahlen mitgemacht, aber aus dieser Perspektive eben auch noch nicht. „Gemeinsam kriegen wir das aber hin“, sagte er.

Dann folgten die Reden der vier Kandidaten. Die Reihenfolge wurde zuvor ausgelost. Starten durfte Dietmar Allgaier (CDU). Der Erste Bürgermeister von Kornwestheim erhielt wenige Tage vor der Wahl die Unterstützungszusage der SPD und ging damit als Favorit ins Rennen. Bei seiner Rede lieferte er wenig Überraschungen. Ganz seiner Favoritenrolle bewusst ging er auf bekannte und auch im Bewerberkreis wenig umstrittene Positionen unter anderem zur Klinikentwicklung (weiter in öffentlicher Trägerschaft), zur Weiterentwicklung des ÖPNV und zur Deponie Froschgraben (verbindliche Zusagen an die Gemeinde einhalten) ein.

Als Zweiter durfte Heiner Pfrommer für sich werben. Der Sozialdezernent des Landkreises hob vor allem seine Kenntnis der Kreisverwaltung hervor, wollte als Landrat schnell eine Lösung finden zum Gesundheits-Campus Marbach und dazu mit der Stadt sprechen. „Die Aufgaben des Landrats mache ich zu meiner Lebensaufgabe“, versprach er.

Dann kam mit Gerd Maisch (Freie Wähler) der zweite Favorit  an die Reihe. Der Oberbürgermeister von Vaihingen bot die längste Rede. Er verwies immer wieder auf seine Erfahrung als Verwaltungschef und auf seine zwei Jahrzehnte als Kreisrat. Die S-Bahn-Verlängerung über Bietigheim hinaus will er wieder aufs Tableau packen. Den Campus Marbach und die Deponie Froschgraben erklärte er zu Chefsachen.

„Sind sie schon erschöpft?“, fragte Christoph Erdmenger (Grüne) zu Beginn seiner Rede. Er stehe für eine Abkehr vom „Weiter so“ und sprach offen seine fehlende Verwurzelung an. „Es gibt 39 Gründe, mich nicht zu wählen“, merkte er keck an. Nämlich die 39 Kommunen, zu denen er keine engere Beziehung habe. Er sei nicht im Kreis aufgewachsen, habe aber offene Menschen hier kennengelernt. Er wollen den 10 000 Menschen ohne Job im Kreis bessere Chancen geben, den Klimaschutz vorantreiben.

Dann wurden die Kreisräte zum ersten Wahlgang aufgerufen. Nach wenigen Minuten begann  auch schon die Auszählung und offenbarte wenig Überraschendes. Allgaier kam auf 46 Stimmen, Maisch auf 30, Erdmenger auf 20 und Pfrommer auf 7. Notwendig wären 53 gewesen.

Die Fraktionen zogen sich zu Beratungen zurück und kamen eine halbe Stunde später zum zweiten Wahlgang erneut zusammen: Auch diesmal gab es keine Entscheidung. Zwar hatte Erdmenger zurückgezogen, das führte aber nicht dazu, dass einer der übrigen Kandidaten jubeln konnte. Allgaier kam erneut auf 46, Maisch auf 31 und Pfrommer auf 26 Stimmen. Die Grünen waren wohl fast geschlossen zu Pfrommer abgewandert.

Mit Spannung wurde nun der dritte Wahlgang erwartet, bei dem die einfache Mehrheit der Stimmen schon ausreicht. Kurz davor zog Maisch überraschend zurück. „Es bringt nichts anzutreten, wenn man keine Chance hat, zu gewinnen“, erklärte der Vaihinger OB. So gebe er seiner Fraktion die Möglichkeit zu gestalten und nicht gebunden zu sein an ein Votum für ihn. Er falle nicht in ein Loch. „Für mich geht es jetzt weiter als OB. Ich habe morgen schon den nächsten Termin“.

Dann wurde erneut gewählt, und die Spannung erreichte bei der Auszählung einen Höhepunkt. Haas verkündete das Ergebnis: Der neue Landrat ist Dietmar Allgaier. Langer Applaus folgte. „Es ist mir ein Bedürfnis, Danke zu sagen. Viele haben berichtet, wie spannend eine solche Wahl sein kann. Ich hätte niemals geglaubt, dass es so sein kann und die Emotionen von oben nach unten gehen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit allen Fraktionen“, sagte der designierte Landrat und wünschte allen „ein schönes Wochenende. Ich glaube ich werde es haben“.