Im Zuge seines Klimaschutzprogrammes hat der Bund ein Förderprogramm zur Häuserdämmung verabschiedet. Die energetische Sanierung von Gebäuden mit Blick auf die Wärmedämmung soll staatlich bezuschusst werden (die BZ berichtete). So soll es privaten und öffentlichen Eigentümern von Altbauten mit einem großen Wärmeverlust finanziell reizvoller gemacht werden, ihre Häuser gemäß dem Gesetz umzurüsten. Durch eine gute Dämmung fällt der Wärmeverlust des Gebäudes geringer aus, was zur Folge hat, dass weniger Energie verbraucht wird. Das ist gut für die Umwelt. "Der Bund vergibt über die KfW-Bank für energetische Sanierungen sowohl zinsverbilligte Darlehen als auch Investitionszuschüsse", erklärt Diplom-Ingenieur Franz Post aus Asperg, Fachmann für energetische Sanierung. "Die Zuschüsse können durch private, gewerbliche und kommunale Träger beantragt werden", so Post. Der Bund fordere von den Haushalten entsprechende Maßnahmen und erkläre sich im Gegenzug bereit, diese zu fördern.

Viele Städte der Region verfügen über eine hohe Anzahl das Stadtbild prägende historische Altbauten. Bietigheim-Bissingen, Besigheim und Bönnigheim sind ausgewiesene Fachwerkstädte. Kommunen und Privateigentümer stehen also vor großen Herausforderungen bei der Sanierung.

Eines der Probleme: "Neben den Anforderungen des Denkmalschutzes schränken auch bauphysikalische Belange die Auswahl der Dämmsysteme ein. Daher ist die Dämmung nicht so effektiv wie im Neubau", so Peter Seeberger vom Ingenieurbüro für Bauphysik und Energieplanung Seeberger und Partner in Bietigheim-Bissingen.Dadurch wird die Sanierung zwar nicht unmöglich, jedoch sehr zeitaufwendig und kostenintensiv. Hinzu kommen noch die Ausgaben für ein entsprechendes Gutachten.

Die Kosten für die Sanierung eines etwa 160 Quadratmeter großen Altbaus können sich bis auf 30.000 Euro belaufen. Aufgrund der geringeren Effizienz der Dämmung kann es 35 bis 40 Jahre dauern, bis sich die Maßnahme rechnet. Entsprechend hoch ist der Energieaufwand.

Städte wie Bietigheim-Bissingen umgehen dieses Problem durch ein Fernwärmenetz, so Anette Hochmuth, Sprecherin der Stadt. Ein auf der Basis von Biogas betriebenes Heizkraftwerk versorgt über einen Leitungsring die historische Altstadt mit Wärmeenergie. Das Verfahren sei weitaus umweltschonenender als Einzelheizungen in den Gebäuden und könne den Energieverlust durch eine mangelnde Dämmung auffangen. Eine ökonomische und ökologische Lösung des Problems.

Wo aber kein ausreichendes Netz zur Energieversorgung besteht, bleiben die privaten, gewerblichen und kommunalen Träger meist auf sich gestellt. Förderkredite der KfW-Bank, obgleich zu günstigen Konditionen, müssen zurückgezahlt werden, zusätzlich ist eine erhebliche Menge an Eigenkapital vonnöten. "Faktisch ist es so, dass das Geld zur energetischen Sanierung entweder aus privater Hand oder aus Steuermitteln kommt. In beiden Fällen zahlt letztlich der Bürger", sagt Franz Post. Die Last einer nachhaltigen Energiewirtschaft wird von den Betreibern auf die Verbraucher abgewälzt. Das neue Gesetz zur Förderung der Wärmedämmung durch den Bund soll zwar Abhilfe schaffen. Leider ist es aber nur ein Tropfen auf den kalten Stein. Solange die entsprechenden Bedingungen durch ein effizientes Wärmenetzwerk nicht gegeben sind.