Husten, Schnupfen, Gliederschmerzen – die Begleiterscheinungen eines grippalen Infekts und der echten Grippe (Influenza) lassen sich auf den ersten Blick oft nur schwer unterscheiden. Setzen die Symptome „akut und plötzlich“ ein, erklärt Dr. med. Bettina Riecken, MPH-Oberärztin am  Klinikum Ludwigsburg, dann handle es sich meist um die echte Grippe. „Patienten können dann auf die Stunde genau angeben, ab wann es ihnen schlecht ging.“ Bei einem grippalen Infekt sei der Verlauf eher schleichend und nie so schwerwiegend.

Auch im Kreis Ludwigsburg haben die Grippeviren um sich geschlagen. Ab November letzten Jahres bis März haben sich die Fälle mit Influenza Typ-B verdoppelt. Das Problem der Epidemie: Die verbreiteten Viren des Typ-B seien resistent gegen den Impfstoff. Besonders gefährdet sind bestimmte Risikogruppen. „Menschen mit Asthma oder Raucher sind bereits vorbelastet“, sagt Dr. Riecken, denn die Viren der Influenza legen sich auch auf die Lunge.

Dem kann Holger Loibl, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Ingersheim nur zustimmen. „Mit der Influenza ist das Immunsystem geschwächt. Ein junger Körper wird damit fertig, aber wenn jemand einen Immundefekt hat oder chronische Erkrankungen, dann kann das zu einem schweren Verlauf führen. Wenn man sich dann nicht ausruht und der ganze Körper dadurch geschwächt wird, oder auch fleißig arbeiten geht, dann kann es passieren, dass die Grippevieren sich munter vermehren und das zu Spätfolgen führt.“

Viele Patienten kommen erst zu spät in die Praxis. Meist, weil sie merken, dass die Symptome nicht besser werden. Zum Beispiel „wenn sie die Treppe nicht mehr richtig hoch kommen und schnell außer Atem sind“, so Loibl. Nicht nur das Krankheitsgefühl, auch die Ansteckungsgefahr und vor allem die Spätfolgen sollten Erkrankte dazu bringen lieber das Bett als den Bürostuhl aufzusuchen. Ein Patient von Holger Loibl ist vermutlich von den Spätfolgen betroffen. Nach einer nicht gut auskurierten Grippe trat bei ihm eine Herzmuskelerkrankung auf, so der Mediziner. Mit großer Wahrscheinlichkeit sei das auf die Influenza zurückzuführen. Zudem erklärt er, dass es auch andere Erreger geben kann, die solche Spätfolgen verursachen. „In diesem Winter muss man aber davon ausgehen, dass es die Influenza war“, ergänzt er. Eine neue Studie der TU Braunschweig fand heraus, dass neben den bisher bekannten Folgen auch Hirnschädigungen auftreten können. Bei Loibl und auch bei Dr. Riecken gab es solch’ einen Fall bisher noch nicht. Zudem sei es noch zu früh, darüber eine Aussage zu treffen, da erste Ergebnisse bisher nur bei Tieren beobachtet wurden.

Wer seine Grippe oder Erkältung nicht ordentlich auskuriert, muss mit einer verlängerten Erholungsphase rechnen, so Holger Loibl. „Auf den ohnehin entzündeten Schleimhäuten können sich noch weitere Bakterien oder andere Viren setzen, die das Ganze dann noch verschlimmern oder verzögern.“ In diesen Fällen hilft dann meist nur noch Antibiotikum. Schwerwiegende Fälle werden im Krankenhaus betreut. Das hängt davon ab, wie schwer das Fieber ist oder eine Atemnot eintritt. „Das muss individuell beurteilt werden“, so Loibl. Ob seine Patienten die Warnung ernst nehmen, kann Loibl nicht mit Sicherheit sagen. Eine „Gesundschreibung“ gibt es schließlich nicht. „Man hört dann oft von den Patienten, oh, hätte ich mich doch länger krankschreiben lassen“. Da sei es aber dann meist zu spät.

Wer Fieber hat, Atemnot oder eine eitrige Angina, der sollte definitiv nicht arbeiten gehen. Das Ansteckungsrisiko ist zu hoch, setzt der Allgemeinmediziner hinzu. Das sei wiederum abhängig vom Erreger. Der aktuell noch kursierende Influenza-Typ-B sei schon ansteckend, bevor sich die tatsächlichen Symptome zeigen. Laut dem Robert-Koch-Institut beträgt die Inkubationszeit, also die Zeit, bis die Symptome auftreten, ein bis zwei Tage. Vor allem zu Beginn der Krankheit wird der Patient zur wahren „Virenschleuder“. Deswegen sei es zu Zeiten, in der die Influenza sich wie eine Epidemie verbreitet, besonders wichtig, auf Hygienemaßnahmen zu achten. Dazu zählen regelmäßiges Händewaschen oder, wenn möglich, große Menschenmengen zu vermeiden.

Impfung ist immer sinnvoll

In jedem Fall sollte ein Arzt aufgesucht werden. „Merkt man, dass bei einem Patient keine Besserung eintritt, dann macht man auch ein EKG“. Bei dem Test lässt sich erkennen, ob eine Herzmuskelentzündung besteht. Auch wenn es aktuell keinen Impfstoff gegen den Influenza-Typ-B gibt, empfehlen beide Mediziner, sich regelmäßig impfen und sich nicht entmutigen zu lassen und vor allem viel Ruhe einzuhalten, wenn einen doch die Grippe erwischt.