Panik sei nicht angebracht, so Dr. Thomas Schönauer, Leiter des Gesundheitsamtes des Kreises Ludwigsburg, aber die Lage werde zunehmend ernster mit dem Ankommen des Coronavirus im Land mit einem Coronavirus-Fall in Göppingen (die BZ berichtete) und zwei weiteren Angesteckten. Alle betroffenen Institutionen im Landkreis – Ärzteschaft, Kliniken und Gesundheitsamt – arbeiteten deshalb seit Tagen an einem Strang, um sich vorzubereiten. Es sei, so Schönauer, „nur noch eine Frage der Zeit, dass auch der Kreis seinen Coronafall hat“. Bisher gab es zwar noch keine Verdachtsfälle für das Coronavirus in den RKH Kliniken, aber „wir können nichts ausschließen“, so auch Alexander Tsongas, Pressesprecher der RKH Kliniken, gegenüber der BZ.

Schon vor zwei Wochen, so Schönauer,  habe das Gesundheitsamt eine Hotline, die auf der Homepage des Landratsamtes veröffentlicht sei, eingerichtet. Sie wird mittlerweile tagsüber von morgens bis abends von mindestens sechs Mitarbeitern des Gesundheitsamtes betreut, Tendenz steigend. Auf der Homepage des Landratsamtes gebe es für Fachpersonal und Bürger aufbereitete Informationen, die täglich aktualisiert würden, so Schönauer. „Ein Anruf folgt dem nächsten, die Bürger sind stark verunsichert, Anrufe kommen aber auch von Ärzten“, sagt er. Transparente Information sei jetzt am wichtigsten. So wurden mittlerweile alle Ärzte mithilfe der Kreisärzteschaft umfassend informiert, was zu tun ist.

Schönauer betont, dass der erste Ansprechpartner für einen Kranken sein Hausarzt sei, die Ärzteschaft sei informiert und vorbereitet worden. „Nur bei lebensbedrohlichen Symptomen soll die Notaufnahme des Krankenhauses aufgesucht werden, das soll der Hausarzt entscheiden, der auch den Patienten beim Gesundheitsamt meldet“, sagt er. Bei Verdacht auf eine Corona-Infektion werde der Kollege Maßnahmen ergreifen, den Kranken entweder zu Hause oder außerhalb der Sprechzeiten untersuchen, damit sich so wenige Menschen wie möglich ansteckten. Am Wochenende sollen die Notfallpraxen aufgesucht werden, Verdachtsfälle werden dann isoliert untersucht. Verdachtsfälle seien auch Menschen, die in die Nähe eines schon Infizierten gekommen seien, aber noch keine Lungenentzündungs-ähnlichen Beschwerden hätten.

Isolierung auch zu Hause

Der Abstrich wird dann ins Labor geschickt. Es dauere ein bis zwei Tage, bis das Ergebnis dem Arzt zugehe. Wenn der Patient zwar infiziert ist, aber keine oder nur geringe Symptome zeige, werde er zu Hause isoliert. „Da vertrauen wir auf die Vernunft der Patienten, sich isoliert zu halten, nicht arbeiten zu gehen, auf Hygiene zu achten, keinen Besuch zu empfangen und andere zu schützen“, sagt Schönauer, gibt aber auch zu, dass es meist unumgänglich sei, dass sich die Familie anstecke. Das Gesundheitsamt überprüfe aber mithilfe der Ordnungsämter in den Kommunen die Quarantäne in den Privatwohnungen.

Aber: „Die Quarantäne-Abteilungen der Krankenhäuser sind für lebensbedrohlich am Coronavirus Erkrankte und deren Behandlung vorgesehen.“ Wenn jeder Coronavirus-Infizierte, auch ohne schlimme Symptome, ins Krankenhaus käme, so der Mediziner, „sind unsere beiden Krankenhäuser in Bietigheim und Ludwigsburg bald überlastet und die wirklich schwer Kranken können nicht angemessen behandelt werden“. Er appelliere an die Bürger, keine Panik zu verbreiten und Vernunft walten zu lassen: „Die Infektion bedeutet nicht automatisch den Tod und es ist auch keine moderne Pest, das muss man immer wieder ganz deutlich sagen, Panikmache ist nicht angebracht. Es gibt viele Infizierte ohne oder nur schwache Symptome, der größte Teil der Infizierten wird wieder gesund“, sagt der Experte.

Vorkehrungen getroffen

Die Klinikenleitung habe schon vor einiger Zeit eine Arbeitsanweisung für die Mitarbeiter erstellt, welche Schutzmaßnahmen bei Patienten mit Verdacht auf eine Infektion umzusetzen sind, erklärt Klinikensprecher Tsongas. Das Dokument wurde von den Mitarbeitern des Zentralbereichs für Infektionsprävention und Hygienemanagement mit den Kollegen vor Ort in den zentralen Notaufnahmen besprochen und Schulungsmaßnahmen vorgenommen.

Potenzielle Coronavirus-Patienten, so heißt es in der Anweisung, werden gebeten, einen Mund-Nasenschutz zu tragen, bis sie in einem Zimmer mit Schleuse oder Vorraum isoliert werden können.

Info Das Landratsamt hat eine Hotline zum Coronavirus eingerichtet: Unter Telefon (07141) 14 46 94 00 erhält man Montag bis Freitag, 8.30  bis 12.30 Uhr, und Montag bis Donnerstag, 14 bis 16 Uhr Informationen.